Ursula Härtl
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Zweck der Stiftung ist es, die
Gedenkstätten als Orte der Trauer und der Erinnerung an
die dort begangenen Verbrechen zu bewahren, wissenschaftlich begründet zu gestalten und sie
in geeigneter Weise der Öffentlichkeit
zugänglich zu machen, sowie die Erforschung und
Vermittlung damit verbundener historischer
Vorgänge zu fördern. Dabei ist in der Gedenkstätte
Buchenwald die Geschichte des
nationalsozialistischen Konzentrationslagers mit Vorrang zu
behandeln. Die Geschichte des sowjetischen
Internierungslagers ist in angemessener Form in die
wissenschaftliche und museale Arbeit einzubeziehen.
In der Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist die
besondere Problematik des Mißbrauchs von
Häftlingen für die Herstellung von
Vernichtungswaffen zu berücksichtigen. Ferner ist die Geschichte
der politischen Instrumentalisierung der
Gedenkstätten zu Zeiten der Deutschen
Demokratischen Republik darzustellen.
Zu den Aufgaben der Stiftung gehört
insbesondere die Organisation und Durchführung
von Dauer- und Wechselausstellungen, von wissenschaftlichen Kolloquien und kulturellen
Veranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene, die Besucherbetreuung und die
Jugendarbeit sowie auf die Gedenkstättenarbeit
bezogene wissenschaftliche Dokumentation, Forschung und Publikation.
(§ 2 des Erlasses über die Errichtung einer
unselbständigen Stiftung Gedenkstätten
Buchenwald und Mittelbau-Dora, 1994)
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Das Lagertor von Buchenwald
mit der Inschrift "Jedem das Seine" |
Im September 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald auf
dem Ettersberg bei Weimar gegründet. Sie
unterstand dem Kulturministerium der DDR. In ihrer
Funktion diente sie weniger der Erinnerung an die Opfer des Konzentrationslagers als vielmehr
der Selbstlegitimation der DDR als des Teils von
Deutschland, in dem das Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer erfüllt
worden sei.
Der letzten, demokratisch gewählten Regierung der DDR ist es zu verdanken, dass
Buchenwald als Kultureinrichtung von
gesamtnationaler Bedeutung eingestuft und als erste
Gedenkstätte in die Bundesförderung aufgenommen
wurde. 1991 berief der Thüringer Minister für
Wissenschaft und Kunst eine Historikerkommission,
die Empfehlungen zur Neukonzeption der Gedenkstätte gab.
1994 errichtete der Thüringer Minister
für Wissenschaft und Kunst die unselbständige
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und
Mittelbau-Dora. Organe der Stiftung sind der
Stiftungsrat und der Vorstand. Vorstand ist der
Stiftungsdirektor, der zugleich Direktor der
Gedenkstätte Buchenwald ist. Ein wissenschaftliches
Kuratorium berät den Stiftungsrat und den Vorstand
bei allen wichtigen Maßnahmen.
| Um die Erfahrung der Opfer einzubeziehen, wurden drei Beiräte gebildet: |
 | ein Beirat aus ehemaligen Häftlingen des KZ
Buchenwald |
 | ein Beirat aus ehemaligen Häftlingen des KZ
Mittelbau-Dora |
 | ein Beirat aus ehemaligen Häftlingen des
sowjetischen Speziallagers Nr. 2 |
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Während die Gedenkstätte Buchenwald
zu gleichen Teilen vom Bund und Land
Thüringen finanziert wird, kam die Gedenkstätte
Mittelbau-Dora in Trägerschaft des Landkreises Nordhausen und wird hauptsächlich aus Mitteln des
Landes Thüringen finanziert. Die
Zusammenführung der beiden Gedenkstätten in einer
selbständigen Stiftung ist in Vorbereitung. Sie wird
dadurch möglich, dass der Bund im Rahmen der
Bundesgedenkstättenkonzeption die endgültige
Neugestaltung der Gedenkstätte Mittelbau-Dora
als Projekt fördert. Erst ab diesem Zeitpunkt
wird die Stiftung auch vollgültiges Mitglied des
AsKI sein.
Gedenkstätte Buchenwald
In der Gedenkstätte Buchenwald konnte die Neukonzeption 1999 abgeschlossen
werden. Weite Teile von in der DDR-Zeit
vernachlässigten Arealen sind wieder zugänglich
gemacht worden. Neue Denkmale erinnern an Opfergruppen, die zuvor nur eine untergeordnete
Rolle gespielt haben: ein jüdisches Mahnmal,
ein Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma,
ein
Gedenkzeichen auf dem Appellplatz, das allen Opfern des KZ Buchenwald gewidmet ist.
Eine internationale Jugendbegegnungsstätte und
vier große Dauerausstellungen wurden eröffnet.
Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald
Die Ausstellung in zwei Etagen der ehemaligen Effektenkammer ist mit 1600 qm die
größte auf dem Gedenkstättengelände und wurde
1995 eröffnet. Ihre Gestaltung ist von der
ursprünglichen Funktion des Gebäudes als Magazin
bestimmt. Schrankartige Stahlregale öffnen sich
zu Vitrinen, in denen die Zeugnisse der NS-Verbre
chen ausgestellt sind und Einblick in die Welt eines Lagers geben, das inmitten des
deutschen Volkes bestehen konnte. Gezeigt werden
Relikte, Bilder, Dokumente, Biographien von Opfern und Tätern.
| Die Abteilungen der Ausstellung: |
 | "...mitten im deutschen Volke" |
 | Die Organisation des Verbrechens |
 | Der Alltag des Verbrechens |
 | Das Lager im "totalen Krieg" |
 | Tod und Überleben |
 | "Wir Auferstandenen ..." |
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Das Konzentrationslager Buchenwald bestand von 1937 bis 1945. Zunächst war es für
politische Gegner des Naziregimes, so genannte Kriminelle und Asoziale bestimmt, diente aber
schon ab 1938 auch der Ausgrenzung von rassisch
Verfolgten: Juden, Sinti und Roma, außerdem Geisteskranken, Homosexuellen. Seit 1943 wurde Buchenwald zum Zentrum eines Systems
von über 130 Außenlagern, in denen Arbeitskräfte
aus allen von Deutschland besetzten Ländern in
der Rüstungsindustrie ausgebeutet wurden -
darunter seit Herbst 1944 auch Frauen. Obwohl das KZ Buchenwald kein Ort des planmäßigen
Völkermords war, fanden Massentötungen
von Kriegsgefangenen statt, kamen viele
Häftlinge bei medizinischen Versuchen und durch die
Will
kür der SS ums Leben. Durch Aussonderung von Häftlingen in die Vernichtungslager war
Buchenwald in den Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus integriert. Von insgesamt
über 250.000 Inhaftierten starben etwa 56.000.
Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2
In einem neuen, gegenüber dem Gräberfeld
des Speziallagers errichteten Gebäude wurde
die Ausstellung 1997 eröffnet. Sie zeigt auf
einer Fläche von 300 qm Dokumente, Bilder und Erinnerungsberichte aus der Zeit des Lagers und seines politischen Umfelds.
| Die Abteilungen der Ausstellung: |
 | Einrichtung der Speziallager in der sowjetischen
Besatzungszone |
 | Strukturen und Funktion des Speziallagers
Nr. 2 |
 | Die Lebensbedingungen im Speziallager Nr. 2 |
 | Das Ende der Speziallager |
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Von 1945 bis 1950 richtete der sowjetische Geheimdienst auf einem Teil des
ehemaligen Konzentrationslagers ein
Internierungslager (Speziallager Nr. 2) ein. Inhaftiert waren vor
allem Personen, die dem nationalsozialistischen Regime in einer Funktion gedient hatten,
wirkliche oder vermeintliche Schuldige, aber auch
will
kürlich Verhaftete. Von etwa 28.500 Lagerinsassen starben 7.100 an den Folgen von
Vernachlässigung und Unterernährung, die Toten
wurden nördlich des Lagers verscharrt. An das
sowjetische Speziallager wurde in der DDR-Zeit nicht erinnert, erst 1989 wurden die Gräber
in der Öffentlichkeit bekannt.
Ständige Kunstausstellung
Im restaurierten ehemaligen Desinfektionsgebäude wurde 1998 die Kunstausstellung
"Überlebensmittel - Zeugnis - Kunstwerk - Bildgedächtnis" eröffnet. Sie zeigt künstlerische
Arbeiten aus dem Konzentrationslager Buchenwald
und solche, die bis 1995 von Überlebenden oder
Nachgeborenen zu dem Thema geschaffen wurden.
Der Ausstellungsort wurde bewusst gewählt. Kunst ist hier der einstigen Nutzung des
Gebäudes als Ort tiefster Demütigung
entgegengesetzt. Kunst, präsentiert in den Räumen, die dazu
gedient haben, Menschen zu erniedrigen und ihnen die Identität zu nehmen, wird so zum
Ausdruck von Würdigung.
| Die Abteilungen der Ausstellung: |
 | Kunst aus Konzentrationslagern |
 | Nach der Befreiung |
 | Reminiszenzen (Józef Szajna) |
 | Zeitgenössische Versuche |
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Im Keller befindet sich ein Raum für
Sonderausstellungen. Dort wurden u.a. 1999 Goethezeichnungen aus dem Bestand der Stiftung
Weimarer Klassik gezeigt.
Geschichte der Gedenkstätte Buchenwald
Ein aus den siebziger Jahren stammendes, dem Mahnmal zugeordnetes Gebäude wurde für
die Ausstellung umgebaut und erweitert. Dokumente, Bilder, Gegenstände und Modelle lassen
deutlich werden, wie die Bildung von Erinnerung an das nationalsozialistische
Konzentrationslager Buchenwald seit 1945 erfolgte. Der 1999
eröffneten Ausstellung liegt vor allem Material
aus Archiven der ehemaligen DDR zugrunde.
| Die Abteilungen der Ausstellung: |
 | Nach der Befreiung |
 | Vom Denkmal in Weimar zum Ehrenhain auf dem Ettersberg |
 | Vom Denkmal des Buchenwald-Komitees zum Nationaldenkmal der
DDR |
 | Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte
Buchenwald in der DDR |
 | Die Neukonzeption |
 | Erinnerung in Westdeutschland |
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Gedenkstättenpädagogik

Dauerausstellung zur Geschichte
des Konzentrationslagers Buchenwald |
Ungefähr 600.000 Besucher kommen
jährlich in die Gedenkstätte Buchenwald. Sie finden
vier große Ausstellungen und ein Freigelände von
fast 200 ha vor. Bei der Orientierung helfen ihnen Faltblätter mit Plan, inzwischen in zehn
Sprachen, und natürlich auch die Besucherinformation. In der Buchhandlung sind
ausführlichere Rundgangsbeschreibungen, Kataloge zu
den Ausstellungen, alle lieferbaren
Veröffentlichungen der Gedenkstätte sowie ein großes
Sortiment an deutsch- und fremdsprachigen
Publikationen erhältlich.
Ein Film zur KZ-Geschichte gibt eine
Einführung - auch zum Speziallager liegt ein Film
vor, der auf Wunsch gezeigt wird. Film, Einführungsvortrag zur Geschichte
und Führungen gehören zum Programm der Besuchergruppen, die nach Voranmeldung die Gedenkstätte besuchen. Aber obwohl die
pädagogische Abteilung in den letzten Jahren
erheblich erweitert wurde, können nicht alle Besucher
an einer Führung teilnehmen. Die pädagogische Abteilung bietet Führungen vor allem für
Schulklassen (ab Klasse 9), Jugendgruppen und junge
Erwachsene an, die im Rahmen der Schule oder ihrer Ausbildung in die Gedenkstätte kommen.
Damit Lehrer und Multiplikatoren ihre Gruppen vorbereiten und auch selbst betreuen können,
veranstaltet die Gedenkstätte in Zusammenarbeit
mit anderen Institutionen Weiterbildungsseminare und stellt Arbeitsmaterialien zur Verfügung.
Neben den Überblicksführungen, die nur
einen kleinen Einblick in die Geschichte des Ortes geben können, entwickelte die
pädagogische
Abteilung Tagesprojekte, die eine intensivere Beschäftigung ermöglichen.
Seit 1990 ist der Gedenkstätte eine
Jugendbegegnungsstätte angegliedert, die 1999 um
ein zweites Haus erweitert wurde. Hier können
Gruppen auch an mehrtägigen Veranstaltungen
und Workshops teilnehmen. Sie steht für
Seminare und Projektarbeit zur Verfügung, kann aber
auch für Tagungen und Konferenzen genutzt
werden. In Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
aus historischen und kulturwissenschaftlichen
Bereichen veranstaltet die Gedenkstätte
Buchenwald regelmäßig Vorträge und wissenschaftliche
Konferenzen, bei denen es um Erinnern an Staats- und Menschheitsverbrechen geht.
Sammlung - Archiv - Bibliothek
Die Gedenkstätte Buchenwald besitzt eine
umfangreiche archivische und museale Sammlung zum Konzentrationslager, zum Speziallager
und zur Geschichte der Gedenkstätte. Im Rahmen
der Möglichkeiten erteilt das Archiv Auskunft
über das Schicksal ehemaliger Häftlinge, betreut Forschungsprojekte und unterstützt mit der
Bibliothek die pädagogische Arbeit der
Gedenkstätte. Die Bibliothek verfügt über einen Bestand
von ca. 25.000 Bänden zur Geschichte des KZ-Systems, zum Nationalsozialismus und zur Geschichte der Internierungslager. Archiv und
Bibliothek sind der Forschung und der
Öffentlichkeit jederzeit nach Absprache zugänglich.
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Krematorium mit Denkmal |
1964 wurde die Mahn- und Gedenkstätte Mittelbau-Dora auf dem Gelände des
ehemaligen Konzentrationslagers gegründet. 1991 begann die Umgestaltung der Gedenkstätte und des Museums. Zu den
Stollenanlagen wurde ein Zugang geschaffen, sodass ein
Teilabschnitt besichtigt werden kann. In einer
rekonstruierten Unterkunftsbaracke ist seit 1995
eine neue Dauerausstellung zur Geschichte des Lagers eingerichtet. Der Bau eines neuen Ausstellungsgebäudes und die Neugestaltung des vernachlässigten
KZ-Geländes sind in Vorbereitung.
Das Lager "Dora" im Kohnstein bei
Nordhausen entstand 1943 als Außenlager des
Konzentrationslagers Buchenwald. Häftlinge
und Zwangsarbeiter mussten unterirdische Hallen für
die Raketenproduktion ausbauen, die von Peenemünde in ein bombengeschütztes
Areal verlegt werden sollte. Bevor ein
Barackenlager errichtet wurde, waren die Arbeiter unter
mörderischen Bedingungen im Berg untergebracht. Im Oktober 1944 wurde das Werk Mittelbau selbständiges Konzentrationslager mit
Außenlagern in der gesamten Region. Die meisten
Häftlinge waren beim Bau von neuen
Produktionsanlagen beschäftigt, nur etwa ein Zehntel
aller Lagerinsassen wurde zum Raketenbau im Stollen eingesetzt. Von insgesamt 60.000
Häftlingen starben 20.000.
Gedenkstättenpädagogik
Die Gedenkstätte veranstaltet Führungen
im Lagergelände und im Stollen. Thematische
Führungen, Vorträge, Projektwochen und
Seminare sind nach Absprache möglich. In der
ehemaligen Feuerwache werden Sonderausstellungen gezeigt. Die Dokumentationsstelle und die Bibliothek sind nach Absprache zugänglich.
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