Wiederbelebung des Mäzenatentums: Verleihung der Maecenas-Ehrung 2003 des AsKI an das Ehepaar Waldtraut und Dr. Dr.h.c. Günter Braun

Ehrengabe Maecenas-Ehrung, Manfred Sihle-Wissel, Bronze, ohne Titel, 2003, oto: Lubricht, Worpswede Das seit 1969 in Berlin lebende Ehepaar wurde für sein herausragendes und vor allem vielseitiges Engagement vorrangig in den Bereichen der Bildenden Kunst, der Museumspädagogik, der Musik gerade auch hinsichtlich junger Künstler und Besucher sowie für die Wiederbelebung des Mäzenatentums in Berlin geehrt.

 

Beide lebten zuvor gemeinsam in Bonn und Hamburg, wo auch ihre drei Kinder geboren wurden. Ihre Kinder vor Augen, förderten sie besonders gerne und begeistert Projekte mit und für junge Künstler aus aller Welt.

 

Maecenas-Ehrung 2003 des AsKI an das Ehepaar Waldtraud und Günter Braun, v.l.n.r.:) Peter-Paul Schneider; Günter Braun; Sabine Jung; Volkmar Hansen; Waldtraud Braun; Manfred Sihle-Wissel; Susanne Popp, © Foto: Ekko von Schwichow, Berlin An besonderem Ort, im Bundesrat in Berlin - erstmals mit besonderer Ehrengabe, einer Bronze des Künstlers Manfred Sihle-Wissel, überreicht vom Vorsitzenden des AsKI, Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Volkmar Hansen - würdigte der AsKI e.V. das Paar.

Volkmar Hansen unterstrich die Betonung des Hauptstadtcharakters des Bundesrates als Verkörperung der föderalen Prämissen, die auch die Grundstruktur des AsKI bis heute prägen. In diesem Zusammenhang dankte er dem Hausherrn Dirk Brouer für seine Unterstützung.

Er hob die seit 1989 Geehrten ins Bewusstsein: Dr. Arend Oetker, Alfred C. Toepfer †, Marion Ermer, Henri Nannen †, Paul Sacher †, Clara Freifrau v. Arnim und Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg sowie Udo van Meeteren, von denen einige anwesend waren. Er dankte der unabhängigen Maecenas-Jury, der neben ihm selbst Prof. Dr. Susanne Popp und Dr. Peter-Paul Schneider als Vertreter des AsKI, Dr. Horst Claussen als Vertreter der BKM, Prof. Dr. Peter Gülke, Prof. Dr. Herwig Guratzsch und Prof. Dr.e.h. Berthold Leibinger angehörten, für ihre erfolgreiche Arbeit. Unter den 130 geladenen Gästen konnten neben den Vertretern der Bundesländer zahlreiche Vertreter des 37 Mitgliedsinstitute umfassenden Verbundes des AsKI e.V. begrüßt werden; des Weiteren hatten sich zahlreiche Vertreter aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eingefunden, darunter Prof. Dr. Karin von Welck, Dr. Alexander Fahrenholtz, Dr. Margrit Bröhan, Lea Rosh, Rupert Graf Strachwitz, Eberhard Diepgen, Edzard Reuter, sowie zahlreiche Bekannte und Freunde des Ehepaars Braun.

Im Gespräch: Richard von Weizsäcker, Günter Braun, Volkmar Hansen, © Foto: Ekko von Schwichow, Berlin Mit ihren Projekten ist das Maecenas-Paar Kennern der Kunstszene Berlins längst bestens bekannt. Zu diesen Kennern gehören auch die Protagonisten des Festaktes am 23. September 2003. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sprach vom ,Förderverein Braun' angesichts ihrer etwa 17 Förderprojekte, von denen einige nach wie vor noch nicht abgeschlossen sind: Etwa die großartig gestalteten Kunstbücher und Museumsführer für Kinder, der Wiederaufbau der Klein-Glienicker Kapelle und die Stiftung einer Orgel oder die Förderung junger Künstler durch Reisekostenzuschüsse, Ausstellungsbeihilfen, Katalogerstellung und Atelierstipendien.

Ihre „stille", nichtsdestotrotz „harte und selbstlose Pionierarbeit von hoher Konsequenz" für Bürgersinn und Bürgerkompetenz beflügele das Mäzenatentum in Berlin und darüber hinaus. Es verkörpere bürgerliche Liberalität und Aktivität, die die kulturpolitische Verantwortung des Staates herausfordere, verbunden mit der Einsicht, „…dass es Kultur ist, die uns lehrt, unsere Zeit zu verstehen und zusammenzuleben". Die Auszeichnung an das Ehepaar Braun zu verleihen, sei, so von Weizsäcker „ein wahrer Volltreffer des AsKI". Darin bezog er die Tochter Ulrike Braun mit ein, die unlängst - gemeinsam mit Johannes Heesch - mit einer im Nicolai-Verlag erschienenen Publikation an die Öffentlichkeit trat: ,Orte erinnern - Spuren des NS-Terrors in Berlin' Wegweiser; darin: Authentische Orte, die den tiefen Zivilisationsbruch als begehbare Stationen durch die Stadt und das Umland erfahrbar machen.

Kulturstaatsministerin Christina Weiss, © Foto: Ekko von Schwichow, Berlin Kulturstaatsministerin Dr. Christina Weiss wünschte sich mehr solcher ,Anstifter'. In ihrem engagierten Grußwort betonte sie die ideale ,Verbindung von Kultursinnigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung als Ideal von zeitloser Gültigkeit', etwas, was durch das Ehepaar Braun zweifellos verkörpert werde. „Die Maecenas-Ehrung ist eine sehr geeignete Form", so die Ministerin, „Großzügigkeit und Offenheit zu rühmen. Wer anders als der AsKI wäre dafür besonders prädestiniert. Der AsKI ist selbst ein Produkt bürgerschaftlichen Engagements." Seine Institute verdanken ihr Entstehen bürgerschaftlichem Engagement und haben das Mäzenatentum des 19. Jahrhunderts mitbegründet. Sie dankte den Geehrten ausdrücklich für die Neubelebung des Berliner Mäzenatentums. Angesichts des unter starken Druck geratenen ,ästhetischen Wohlfahrtsstaates' (zitierte sie in ihrer Rede die F.A.Z. und) betonte sie die Bedeutung des privaten Mäzenatentums zur „Pflege des Geistes, der Bildung und der Erkenntnis". Sie wünsche sich die Stärkung „der Fraktion moderner Mäzene" und noch mehr Bürger, die sich „ihren Reichtum gesellschaftlich verzinsen lassen würden", gerade auch für Berlin, das gegenwärtig nahezu all seine Mäzene verlöre.

Auf Bitten der Geehrten, es solle nicht so sehr um ihre Person gehen als vielmehr um das ihnen beiden so am Herzen liegende Thema der Belebung des mäzenatischen Handelns in Deutschland, sprach Prof. Dr. Thomas Gaehtgens über das Projekt ,Forschung zum Mäzenatentum', an dem er selbst maßgeblich beteiligt ist. Günter Braun, ausgezeichnet mit der Ernst-Reuter-Plakette und dem Verdienstorden des Landes Berlin, bedankte sich - auch im Namen seiner Frau - mit liebenswürdigem Understatement, er sei „… nicht sonderlich geübt in der Entgegennahme von Auszeichnungen ..." - zumindest nicht zu zweit. Er dankte für die zuteil gewordene Ehrung und den festlichen Rahmen und fuhr fort: Man habe bewusst versucht im Verborgenen zu wirken, gewissermaßen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Entgegennahme dieser Auszeichnung solle sozusagen die Ausnahme von der Regel bilden; ihre Gründe dafür lägen in der Sympathie für den AsKI allein schon wegen seines Status, der ,Selbständigkeit', die ihrerseits Freiräume schaffe. „Aber das eigentlich Spannende ist die Spannweite und Vielfalt des kulturellen Auftrags seiner Mitglieder, mit einem intensiven Beziehungsgeflecht untereinander und einem in der Gesamtheit sehr eindrucksvollen Programm in Gestalt von Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Dies alles begründet Respekt vor dem Arbeitskreis und seinen Mitgliedern." „Uns beide hat der AsKI aber auch dadurch eingenommen, dass er uns gemeinsam auszeichnen wollte". Im Dank an Richard von Weizsäcker erinnerte Günter Braun an dessen Zeit als Regierender Bürgermeister, in der er ihre Aktivitäten mit seiner Sympathie und seinem Interesse begleitet und ,irgendwie stimulierend gewirkt habe'.

Musikalisches Rahmenprogramm, Das Berg-Trio: Helena Madoka-Berg, Alina Emerich, Franziska Kraft, © Foto: Ekko von Schwichow, Berlin In seinem Dank an Staatsministerin Christina Weiss, „… die durch Ihre Anwesenheit verdeutliche, welchen Stellenwert die Bundesregierung der privaten Kulturförderung beimesse", erinnerte Günter Braun an einen Vortrag Sieghardt von Köckritz' - des AsKI-Vorsitzenden von 1993-1996, dem der AsKI viel zu verdanken hat -, den dieser vor 10 Jahren im Rahmen einer vom Ehepaar Braun initiierten Vortragsreihe hielt und in dem er sich mit dem Anteil privater Förderer an der Finanzierung der Aufgaben für Kultur insgesamt beschäftigte. Bereits damals plädierten beide für eine Bewusstseinsänderung, da das Ergebnis schon seinerzeit unbefriedigend gewesen sei. Man war sich überdies einig: Zu viele von denen, die man kenne, stünden, was Förderung anlange, noch abseits.

Zugleich ermunterte Günter Braun in seiner Dankesrede zu mehr Engagement für die Kultur, nicht zuletzt da seine Frau und er bereits sehr früh und in unterschiedlicher Weise mäzenatisch tätig wurden, und: „Das Fördern ganz allgemein hat zu einer großen Steigerung unserer beider Lebensqualität beigetragen". Die entstandenen Kontakte zu Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Disziplinen, zu Museumsleuten, zu Künstlern und insbesondere zu Jugendlichen in Schulen, habe Partnerschaften und persönlichen Gewinn gezeitigt. Möglicherweise sei dies ja ein Argument, um neue Förderer zu gewinnen.

Die musikalische Umrahmung mit Werken für Streichtrios von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert gestaltete das ,Berg-Trio', drei junge Musikerinnen im Alter von 18 und 20 Jahren: Helena Madoka-Berg, Alina Emerich und Franziska Kraft - als Trio Preisträgerinnen des Wettbewerbs ,Jugend musiziert'.

Ehrengabe Maecenas-Ehrung, Manfred Sihle-Wissel, Bronze, ohne Titel, 2003, oto: Lubricht, Worpswede Die dem Ehepaar Braun überreichte Bronze-Plastik o.T., als ,Nike' assoziiert, wurde in einer begrenzten Ausschreibung von einer unabhängigen Jury ausgewählt; jeweils einen Abguss sollen auch die zukünftigen Maecenas-Geehrten erhalten. Diese Neuschöpfung ist ein Werk des vielfach ausgezeichneten Bildhauers Manfred Sihle-Wissel (geb. 1934 in Tallin, ehemals Reval). Er lebt und arbeitet in Brammer bei Rendsburg in Schleswig-Holstein. Der ausgebildete Steinmetz studierte 1954-59 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Edwin Scharff und Hans Ruwoldt. Sein Oeuvre umfasst Plastik, Skulptur und Relief mit abstrakt, kubistisch und gebrochen dargestellten Ansichten des menschlichen Körpers, zu denen auch diese Kleinplastik zu rechnen ist, sowie geometrische Formen, wohingegen er sich in seinen Zeichnungen und Aquarellen dem Raum als Gestaltungselement zuwendet. Bekanntheit erlangte er u. a. durch seine zahlreichen authentischen Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur. Ein Umstand, der die Maecenas-Geehrten des AsKI zu einer interessanten Herausforderung für den Künstler werden lassen könnte.

 

Sabine Jung

Dr. Sabine Jung ist Geschäftsführerin des AsKI

 

AsKI KULTURBERICHTE 3/2003

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