Searle & Searle. Eine Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover/Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik

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Sie bieten alle Nuancen der Farbskala, spiegeln in kristallenem Facettenschliff die Farben des Regenbogens, schimmern perlweiß und funkeln und glitzern in Gold und Silber: die Perlen, die Monica Searle in Städten wie London und Paris, Wien und Berlin für ihre Schmuckketten zusammengetragen hat.

Monica Searle, Schmuckkette, Materialien: Kunststoff, Glas, Strass, Metallfaden, Naturseide mit Perlonverstärkung, Foto: Christiane Tepper, Hannover

In ihrem alten verwinkelten Haus im Süden Frankreichs verbergen sie sich in unzähligen kleinen Schubladen und füllen so als perfekt organisierte Schatzkammer eine lange Wand in ihrem Atelier. Eine passionierte Schmuckkünstlerin - geboren aus der Not, zu einem wunderbaren Kleid keine passende Kette zu haben. Von frühester Kindheit an aber schon allem verfallen, was glitzert, so wie das böhmische Kristall, das der Vater in London zum Verkauf anbot.

Geboren wurde Monica Searle 1925 in Purley in der Grafschaft Surrey, England. Sie studierte an Kunstschulen in London und Paris, musste während des Krieges nebenbei in einer Rüstungsfabrik arbeiten und verdiente sich später ihren Lebensunterhalt als Sekretärin und Dolmetscherin, bevor sie Gelegenheit bekam, Kostüme und Dekorationen für das Theater zu entwerfen. So stattete sie 1957 die Inszenierung "Le Roman de la Rose" im ,Studio des Champs Elysées' in Paris aus.

Ronald Searle, Nietzsche trifft Woody Allen, 1992, Wilhelm-Busch-Museum Hannover, Foto: Archiv der Wilhelm-Busch-Gesellschaft

1959 begleitete sie ihren späteren Ehemann, Ronald Searle, auf einer Reportage-Reise durch Deutschland, zu der er vom Süddeutschen Rundfunk eingeladen worden war. Dieser Erkundung des Nachkriegsdeutschland folgten in den nächsten Jahren, meist im Auftrag amerikanischer Zeitschriften, fast ununterbrochen weitere Reisen durch Länder wie Amerika, Marokko, Italien und Österreich. 1967 heirateten Monica und Ronald Searle in Paris. 1969 setzte ein bösartiger Krebs bei Monica Searle diesem Reiseleben ein Ende. Seit Mitte der 70er-Jahre leben die Searles im Süden Frankreichs "in glücklicher Isolierung" - so Monica Searle -, in der auch ihre traumhaften Schmuckketten entstehen.

Diese präzise gearbeiteten Schmuckketten von Monica Searle sind funkelnde Kostbarkeiten. Perlen aus Kunststoff, Glas, verschiedenen Metallen, Strass und Kristall fügt sie zu ein- oder mehrreihigen Kreationen, die im Licht ihre ganze Schönheit entfalten. Ihre meisterhaften Colliers, komplizierte Geflechte kleiner und großer Perlen, sind für den großen Auftritt wie geschaffen. Da die Perlen, die Monica Searle verwendet, oft nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen, gibt es von vielen Ketten höchstens drei Exemplare. Der Entwurf einer Kette kann oft mehr als zwei Monate dauern, die Herstellung dann noch einmal zwei Wochen. 'Fatal attraction'!

Ronald Searle, Anglo-Französische Allianz, 1961, Rudolf-Ensmann-Sammlung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover, Foto: Archiv der Wilhelm-Busch-GesellschaftGemeinsam haben Monica und Ronald Searle - Letzterer seit Mai dieses Jahres Ehrenmitglied der Wilhelm-Busch-Gesellschaft - eine eindrucksvolle Sammlung historischer Karikaturen sowie eine Bibliothek zur Geschichte und Theorie der Karikatur zusammengetragen. Dieser Schatz konnte erfreulicherweise für die Sammlungen des Wilhelm-Busch-Museums Hannover erworben werden. Eine Auswahl daraus, ergänzt durch Zeichnungen von Ronald Searle aus dem Besitz des Künstlerpaares sowie durch Arbeiten, die dem Wilhelm-Busch-Museum gehören, sind - ebenso wie die faszinierenden Schmuckketten von Monica Searle - erstmals vom 20. Oktober 2001 bis 6. Januar 2002 in der Ausstellung "Searle & Searle" zu sehen.

Gisela Vetter-Liebenow

 

Gisela Vetter-Liebenow M.A. ist stellvertretende Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums Hannover / Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik

AsKI KULTURBERICHTE 2/2001

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