Neue Mitglieder im AsKI: Kleist-Museum Frankfurt (Oder)

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Das Kleist-Museum verbindet die Aufgaben eines Literaturmuseums, einer Forschungseinrichtung und eines Literaturhauses. Im Zentrum stehen Werk und Wirkung des Dramatikers und Erzählers Heinrich von Kleist (1777-1811).

Zu den Nebenschwerpunkten zählen u. a. die Dichter Ewald Christian (1715-1759) und Franz Alexander von Kleist (1769-1798) sowie Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843). Kleist-Museum, © Foto: Winfried Mausolf, Frankfurt (Oder)Kern der heute mehr als 34.000 Medieneinheiten (und ergänzend die Mikrofiche-Sammlung "Bibliothek der deutschen Literatur") umfassenden und damit weltweit umfangreichsten Kleist-Sammlung ist der 1919 durch die Stadt Frankfurt von der Witwe des Kleistforschers Ottomar Bachmann (1855-1918) erworbene Nachlass, der Ausgaben, Sekundärliteratur und Theaterrezensionen enthielt, alles in allem nicht mehr als einige hundert Stücke. Miniaturbildnis Heinrich von Kleist Kopie nach der Originalminiatur des Peter Friedel (1801) zwischen 1831 u. 1837 Kleist-Museum Frankfurt (Oder) Anfang der 20er Jahre wurde die Sammlung der 1920 gegründeten Kleist-Gesellschaft, die ihren Sitz in Frankfurt genommen hatte, überlassen und zunächst im Kleist-Museum untergebracht, das 1922/23 im Geburtshaus Heinrich von Kleists eingerichtet wurde, dann aber 1937 ins Oderland-Museum verlegt werden musste. Geburtshaus und Oderland-Museum zerstörte der Krieg; die ausgelagerte Sammlung blieb erhalten. Nach der Auflösung der Gesellschaft 1945 fiel sie satzungsgemäß an die Stadt zurück, die sie der am 12. Juli 1953 gegründeten Kleist-Gedenkstätte übergab. Diese war im Hause der Frankfurter Stadtbibliothek untergebracht und wurde vom Stadtarchiv mit betreut. Am 12. Juli 2003 wurde mit einer Ausstellung und einer Schrift des 50. Geburtstages des Kleist-Museums gedacht. Heinrich von Kleist (1777-1811), Kopie (1831) nach der Originalminiatur von Peter Friedel von 1801Bald nach der Gründung der Gedenkstätte entstand die Idee, sie zu einer Forschungseinrichtung auszubauen und ihr ein eigenes Domizil zu geben. Von Anfang an fiel dabei der Blick auf einen Garnisonschulbau, der unter Prinz Leopold von Braunschweig 1777 errichtet worden war, also im Geburtsjahr Heinrich von Kleists. Dieser wurde in den 60er Jahren restauriert und 1968 der nun Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte genannten Institution übergeben. Dadurch kam es zu weitreichenden Neuerungen: Die Bibliotheks- und Archivarbeit wurde über das Sammeln/Erschließen von Textzeugen hinaus auch auf die Dokumentation der Wirkung Kleists in der bildenden Kunst und auf der Bühne ausgedehnt, zusätzlich wurden Zeugnisse der nationalen und internationalen Kleistrezeption umfassend gesammelt. Die Institution wurde 1969 im Gebäude der ehemaligen Garnisonschule (Faberstr. 7) in Frankfurt (Oder) neu eingerichtet. Die Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte wurde 2000 in Kleist-Museum umbenannt. Es steht in der Trägerschaft des Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte e.V. Die Dauerausstellung des Museums umfasst vier Räume. Etwa 250 Dokumente geben einen Überblick über Kleists Leben und Werk und informieren über Aspekte seiner Wirkung. Bibliothek und Archiv des Kleist-Museums befinden sich seit dem Sommer 2002 in der Großen Oderstr. 26/27, etwa an der Stelle, an der Kleists nicht erhaltenes Geburtshaus und Leopold von Braunschweigs Haus (das Kommandantenhaus) gestanden haben. Diese neuen Räume bieten Besuchern und Mitarbeitern bessere Arbeits- und Nutzungsmöglichkeiten. Handschrift Kleists, Gedicht nach Goethe, Warte nur, balde, 1808?, © Foto: Kleist-Museum, Frankfurt (Oder)Der Ausbau der Sammlungen konzentriert sich auf den Erwerb weltweit auffindbarer Primär- und Sekundär-Zeugnisse zu Quellen, Leben, Werk und Wirkung Kleists. Das schließt neben Werken der schöngeistigen und wissenschaftlichen Literatur auch solche der bildenden Kunst, der Musik und aus dem Theaterbereich ein. Seit September 1996 befindet sich die Sammlung Kleist/Minde-Pouet-Nachlass (ca. 5.000 Bestandseinheiten) als Dauerleihgabe der "Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin" im Kleist-Museum. Diese Hinterlassenschaft wird im Rahmen umfangreicher Erfassungstätigkeiten elektronisch aufgearbeitet und in bereits bestehende Datenbanken integriert. Parallel sollen künftig sämtliche Kleist betreffenden Neuerscheinungen erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Profil des Museums beruht auf einem Zusammenspiel von Sammlungen, Dauer- und Wechselausstellungen, Forschungen, Publikationen und Veranstaltungen. Die Arbeit und Zusammenarbeit mit Lehrenden, Schülern und Studierenden und der Ausbau des Einsatzes neuer Medien nehmen darin einen besonderen Platz ein. Jährlich gibt das Kleist-Museum die "Beiträge zur Kleist-Forschung" heraus. Sie beinhalten Aufsätze und Abhandlungen zur Forschung, Miszellen, Bibliographien und eine Umschau zu aktuellen Themen. Hinzu kommen neben den Faksimiledrucken und Katalogen des Kleist-Museums die unregelmäßig erscheinenden "Frankfurter Buntbücher", die Autoren aus und in Brandenburg und ihre literarischen Orte beleuchten. Die Reihe umfasst bis heute 33 Hefte und entstand in enger Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar. Heft 34/35, das drei unbekannte und vom Kleist-Museum erworbene Briefe von Gottfried Benn vorstellt, erscheint im September 2003. Im Kleist-Museum2003 veranstaltet das Kleist-Museum neben der Dauerausstellung "Heinrich von Kleist (1777-1811). Leben - Werk - Wirkung" Kabinettausstellungen wie "Penthesilea"; "Fünfzig Jahre Kleist-Museum" und eine Doppelausstellung zu Gottfried Benn: "Benn als Schüler in Frankfurt (Oder)"; "Drei unbekannte Briefe Benns aus Berlin und Landsberg (1941-1944)".

Das Kleist-Museum ist auch Mitveranstalter der jährlich stattfindenden Kleist-Festtage Frankfurt (Oder), die von ihm Anfang der 70er Jahre initiiert wurden - im Jahre 2003 war "Penthesilea" das Thema. Hinzu kommen u. a. wissenschaftliche Tagungen, Autorenlesungen, die "Frankfurter Büchergespräche" und literarisch-musikalische Veranstaltungen. Noch stärker als bisher wird das Kleist-Museum die Funktion eines Literaturhauses für Stadt und Land mit einer überregionalen und internationalen, vor allem europäischen Anbindung verknüpfen, insbesondere nach Westen und Osten. So führt das Kleist-Museum im Frühjahr 2004 mit zahlreichen Partnern in zehn Städten Nordrhein-Westfalens, der Niederlande und Polens eine vielteilige Literaturveranstaltung durch unter dem Titel "Grenzen im Fluss: Oder und Rhein". Im Mai 2004 finden zunächst an den Orten Breslau, Frankfurt (Oder, Neuhardenberg und Stettin Lesungen und Diskussionen mit Schriftstellern und Kulturvermittlern statt. Diese Aktion wird dann Anfang Juni 2004 am Rhein fortgesetzt, u.a. in Köln, Düsseldorf, Duisburg, Straelen, Nimwegen und Rotterdam. Im Rahmen dieser länderübergreifenden Literaturveranstaltung wird im Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf, eine Kleist-Ausstellung zu sehen sein. Das Programm von "Grenzen im Fluss: Oder und Rhein" wird ab ca. September 2003 ins Internet gestellt (www.kleist-museum.de ). In Zukunft wird das Kleist-Museum Frankfurt (Oder) den Spannungsbogen zwischen Kleist, dem wohl modernsten unserer 'Klassiker', und der Literatur der Gegenwart weiter in den Blick nehmen. Lothar Jordan

Prof. Dr. Lothar Jordan ist Direktor des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder).

AsKI KULTURBERICHTE 2/2003

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