Filmmuseum Berlin erwirbt den Nachlass von Hildegard Knef

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Sie hieß "Die Knef", aber viele nannten sie einfach "Hilde".

 

Anders als Marlene Dietrich ist Hildegard Knef kein Mythos, kein großes Rätsel, sondern ein Star mit Bodenhaftung, eine Persönlichkeit, an deren Schicksal die Öffentlichkeit Anteil nehmen konnte und sich wieder erkannte.

 

Hildegard Knef, 1951, Werbefoto für Opel, © Filmmuseum Berlin In ihrem Lebenslauf spiegelt sich deutsche und in ganz besonderem Maße Berliner Geschichte. "So wie Hildegard Knef das Leben gemeistert hat, so wie sie Leid und Schmerz ertragen hat, so wünschen wir uns selbst zu sein. In ihr fanden sich die Berlinerinnen und Berliner wieder." (Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei der Trauerfeier in der Gedächtniskirche)

Hildegard Knefs Karriere war nicht das Ergebnis eines wohlkalkulierten Lebensentwurfs oder einer von Medienberatern und Agenten sorgfältig inszenierten Öffentlichkeitsarbeit. Ihre Erfolge waren ihr eigenes Werk, geboren aus Begeisterung, Leidenschaft für den Beruf, Durchsetzungskraft, Ausdauer und Intelligenz. "Mein Leben ist eine Achterbahn" äußerte sie einmal und skizzierte damit auch, dass alles, was ihr widerfuhr, in großem Stil und rasantem Tempo stattfand.

Geboren 1925 in Ulm, beginnt die Knef als Theaterschauspielerin in Boleslaw Barlogs legendärem Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz, sie ist der erste Star des deutschen Nachkriegs-Films in Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns" (1946) und die erste deutsche Schauspielerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Hollywood engagiert wird. "Die Sünderin" (1950) wird wegen einer kurzen Nacktszene zu einem Skandal in der sittenstrengen Bundesrepublik. Von 1951 bis 1954 dreht Hildegard Knef in Deutschland, Amerika und Großbritannien zwölf Filme u. a. mit James Mason, Erich von Stroheim, Gregory Peck, Hans Albers und Oskar Werner. Von 1954 bis 1955 ist sie in dem Musical "Ninotschka" die Sensation am Broadway.
Der deutsche Film hat für diese Frau von "packender, unsentimentaler Sachlichkeit" keine Rollen. In den sechziger Jahren beginnt Hildegard Knef eine zweite, überaus erfolgreiche Karriere als Chansonsängerin und Diseuse. 1970 veröffentlicht sie ihre Memoiren "Der geschenkte Gaul" - eine Autobiographie "ohne Schummeln und Faxen" (Friedrich Luft).

1987 tritt sie nach langer Zeit wieder in Berlin auf. Unter Helmut Baumanns Regie spielt sie im Theater des Westens die Pensionswirtin Schneider in dem Musical "Cabaret". Zwei Jahre darauf kehrt sie mit ihrem dritten Mann, Paul von Schell, endgültig nach Berlin zurück. "Berlin", so sagt sie damals, "ist Schicksal. Schließlich ist man immer dort, auch wenn man woanders ist." In Berlin stirbt Hildegard Knef am 1. Februar 2002.

Mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und der "Freunde und Förderer des Filmmuseums Berlin" hat das Filmmuseum Berlin für 250.000 € den Nachlass der Schauspielerin erworben. Dieses Geld soll z. T. der "Hildegard-Knef-Stiftung für Lungenkranke" zugute kommen. Im Nachlass befinden sich neben einer Sammlung von Schuhen und Hüten rund 25 Kleider und Auftrittsensembles aus ihren Shows und Filmen. Mehr als fünfzig Fotoalben, Bände mit Kritiken, zahlreiche Preise und Ehrenurkunden dokumentieren den Verlauf ihrer beruflichen Karriere. Aus ihrem privaten Leben sind vor allem die Zeugnisse aus ihrer frühen Berliner Zeit (Schulzeugnisse und Fotos von der Ufa-Schauspielschule) interessant. Ebenfalls zum Nachlass gehören Gemälde von Hildegard Knef, darunter ein Porträt ihrer Mutter. Die Korrespondenz enthält Briefe u a. von Willy Brandt, Henry Miller, Noël Coward, Marlene Dietrich, Erich Maria Remarque, Tyrone Power und vielen anderen Prominenten, aber auch private Feldpostbriefe eines Freundes aus den vierziger Jahren. Ebenso erworben wurde das komplette Originalmanuskript von "Der geschenkte Gaul" sowie die persönliche Plattensammlung Hildegard Knefs.Eine Ausstellung mit einer Auswahl ihres Nachlasses ist zum Jahresende 2004 im Filmmuseum Berlin geplant.

 

 

AsKI KULTURBERICHTE 1/2003

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