AsKI-Fachtagung in der Kunsthalle Bremen: Kultur und Sightseeing - Museen, Kulturstätten und Tourismus

AsKI-Logo klein

Am 8./9. Mai 2003 trafen sich über 90 Interessierte aus ganz Deutschland zur zweiten AsKI-Fachtagung des Jahres. Auch diesmal nahmen Vertreter kultureller Einrichtungen u. a. aus Italien und Österreich sowie aus der Schweiz teil.

In ihrer obligaten Einführung machte die Verfasserin deutlich: Es waren die zahlreichen Gespräche mit den Vertretern der Mitgliedsinstitute, die sie veranlassten, dieses Thema aufzugreifen. Gerade auch, weil das Themen-Spektrum der vertretenen AsKI-Institutionen von Kunsthallen über Archive und Bibliotheken bis zu Gedenkstätten reicht und einen entsprechend individuellen Umgang mit ,dem' Tourismus verlangt. Einen indirekten Anlass zur Wahl des Veranstaltungsortes selbst lieferte die erfolgreiche Arbeit des AsKI-Mitglieds Kunsthalle Bremen im Bereich Vermarktung von Ausstellungen.

Professor Dr. Wulf Herzogenrath © Foto: Kunsthalle BremenIn seinem Grußwort dankte der Hausherr und Direktor der Kunsthalle Bremen, Professor Dr. Wulf Herzogenrath, der Verfasserin und damit dem AsKI ausdrücklich für die Platzierung dieser hochkarätigen Veranstaltung in seinem Hause. Der Verweis auf die erst kürzlich so erfolgreich abgeschlossene van Gogh-Ausstellung bot allen - Referenten wie Teilnehmern - einen idealen Einstieg. Die beiden Parallel-Führungen zum Abschluss des ersten Tages zeigten den Interessierten, dass die Sammlung auch ohne ein großes Event spannende Zeitreisen zwischen den Kunstepochen bis hin zur zeitgenössischen Kunst ermöglicht.

Hans Dieter Kogel, © Foto: Franz Fechner BonnIn seiner Anmoderation wies Hans Dieter Kogel, Kulturredakteur bei Radio Bremen und Programmbereichsleiter ,Kultur bei Nordwestradio', der als versierter Moderator für die zweitägige Veranstaltung gewonnen werden konnte, eindrücklich u. a. auf die Problematik des Massentourismus in kulturellen Einrichtungen im Sinne von ,Fastfood' contra Individualität.

Prof. Dr. Axel Dreyer, © Foto: Franz Fechner, BonnProf. Dr. Axel Dreyer, Betriebswirt, Kommunikationswissenschaftler und Publizist mit Professur an der Hochschule Harz/Wernigerode für Tourismus und Marketing, ermöglichte einen profunden Einstieg in die komplexe Materie und thematisierte "Tourismus mit Kundenorientierung und Service für Kultur" am Beispiel der ,Straße der Romanik'. Ein Augenmerk lag dabei auf der Eingangssituation in den Häusern gemäß dem Motto: "Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance". Sein Vier-Punkte-Papier: Qualitätsmanagement. Die innere Einstellung muss stimmen; Servicequalität. Es gilt das Null-Fehler-Prinzip; Systematische Zufriedenheitsforschung. Kontinuierliche Verbesserungen; Systematisches Beschwerdemanagement - Eine Chance für das Haus. Dabei stellte er die Frage nach den Auswirkungen des Tourismus auf die inhaltliche Museumsarbeit. Das Exponat als unveränderliche Größe contra Besucher- bzw. Kundenorientierung, womit das atmosphärische Umfeld im Museum berührt werde. Immer wieder thematisiert wurde der Aspekt ,Montag Ruhetag', der nicht nur für den Kurz-Tourismus als planungstechnisch sehr unglücklich gilt.

Hans Diers, © Foto: Franz Fechner, BonnHans Diers, Mathematiker und Physiker sowie Kulturmanager, erläuterte als Geschäftsführer der Kunsthalle Bremen und Marketingleiter der van Gogh-Ausstellung unter dem Titel "Kunst als Event - Wie generiert die Kunsthalle Bremen auswärtige Besucher" die Ziele, Strategien und Ergebnisse der Ausstellung mit 51 Originalen, Landschaftswerken aus den letzten drei Jahrzehnten. Dazu gehörte die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche, von der Anzeige bis zur Teilnahme an der NDR-Talkrunde; die Gewinnung von Sponsoren, wie Post, Bahn und NDR (besondere Tagesfahrten: ,van Gogh-Ticket') für gesponserte Journalistenreisen; die Kooperation mit dem Tourismusbüro St. Rémy u. a. mit einem Gewinnspiel: Hauptpreis war eine Reise im Wechsel nach St. Rémy oder Bremen. Ein Ziel war die Steigerung der auswärtigen ,touristischen' Besucherzahlen und damit einhergehend eine Optimierung der Standortvermarktung. Dies ist mit einer Gesamtbesucherzahl von 322.000, davon 48.000 bremische Bevölkerung und Besucher aus 35 Nationen, wahrlich erreicht worden. Rd. 14.000 Hotelübernachtungen, ebenso viele Gastronomiebesuche und ein Mehrumsatz von 10 Mio. € ließen die Stadt und die Region am Besucherstrom partizipieren. Evaluierungs-, Erhebungs- und Befragungskonzepte in Zusammenarbeit mit dem Institut "Region und Handel" an der Hochschule Bremen lieferten wichtige Hinweise, Hilfen und Ergebnisse.

Jürgen Mensendiek, © Foto: Franz Fechner, BonnIn seinen Grundsatzausführungen wies Jürgen Mensendiek auf die verschiedenen Vernetzungen in der "Zusammenarbeit zwischen Tourismusbranche und Museum" hin. Mensendiek - Dipl.-Politiloge, Studium der VWL, Politik und Publizistik, Redakteur verschiedener Tageszeitungen mit profunden Erfahrungen als persönlicher Referent eines Ministerpräsidenten, Geschäftsführer des Landesverkehrsverbandes Westfalen, turnusmäßige Hochschul-Lehraufträge zum Tourismusmarketing, Vorstandsvorsitzender des Kulturausschusses im Deutschen Tourismus-Verband - bot mit seinem Überblicksvortrag die ideale Ausgangsbasis für die Tagung. Er vergegenwärtigte die Ergebnisse verschiedener Studien: So rangieren Museen innerhalb des Freizeittourismus beispielsweise erst an 14. bzw. 15. Stelle, auf Platz 1 liegt innerhalb dieses Ranking das ,Einkaufen'. Neben der Alltagskunst (Sitten, Gebräuche, Modern-Lifestyle) ist es die Kunstgeschichte, die speziell als Architektur gerne besichtigt wird. Im Durchschnitt lägen die Ausgaben der Tagestouristen bei etwa 30 €. Nach Mensendieks Beobachtungen gibt es statt ,Trends' ,Themen', die eine breite Öffentlichkeit besonders interessieren, dabei wiederum gelte: Thema vor Destination. Die deutschlandweit 16 Tourismuszentralen, bedauerlicherweise nicht vernetzt, seien jedoch die potenziellen Ansprechpartner für jeden Ausstellungsmacher.

Dr. Ulrich Gill, © Foto: Franz Fechner, BonnDr. Ulrich Gill, selbstständiger Veranstalter von Kultur-, Erlebnis- und Bildungsreisen, richtete den Blick vom unternehmerischen Standpunkt aus auf die Museumslandschaft: "Museen auf dem Reisemarkt". Der studierte Politologe, Psychologe und Historiker, mit Lehraufträgen an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Hamburg und in Leitungsfunktionen etwa in der Staatspolitischen Gesellschaft e. V. Hamburg, lieferte zahlreiche praktische Hinweise aus seiner Sicht als Reiseveranstalter. Er bestätigte: Sowohl bei Bildungsbürgern als auch bei anderen touristischen Gruppenreisenden (wie z. B. "junge Alte") stehen ,Themen' wie auch ,Personen' hoch im Kurs. Als Beispiele führte er an: ,Bachreisen'; Baustile, etwa ,Gebrannte Größe - Backsteingotik' u. ä. Wichtig für ihn und ähnlich arbeitende Kollegen: eine rechtzeitige Bekanntgabe von Terminen, da zahlreiche Veranstalter turnusmäßig (meist halbjährlich) Kataloge/Broschüren herausgeben. Neben den Angaben zum Ausstellungsvorhaben, dem Titel (Arbeitstitel) sowie einer Kurzcharakterisierung dessen, was zu sehen sein wird, und dessen, was die Ausstellung so einmalig macht, sollten auch immer wieder die Angaben der technischen Möglichkeiten vor Ort mit angegeben sein (Klapphocker?, Busparkplatz? Wie weit ist es von dort zum Museum? etc.). Ideal und zunehmend häufiger gebucht sind ,allinclusive-Angebote', bei denen es hilfreich ist, von Seiten des Ausstellungshauses gleich auch auf Hotels und touristisch interessante Aspekte der Umgebung hinzuweisen. Wichtig zu wissen: In EU-Programmen wird ,Touristik' weitaus stärker gefördert als ,Kultur'. Erst wenige Institute hätten dies realisiert, wie zum Beispiel die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten. Alexandra Duda, © Foto: Franz Fechner, Bonn

Alexandra Duda gab in Vertretung für ihre Kollegin Dr. Andrea Hausmann "Einblicke in Strategische Konzepte für erfolgreiche Markteintritte von Kulturstätten als touristische Destinationen". Die Vorstellung einiger Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Gewinnung neuer Besuchersegmente und damit des Erschließens von alternativen Finanzquellen für die Kultureinrichtungen machte deutlich: Die meisten Institute schöpfen ihr Besucherpotenzial an ,Kulturtouristen' bei weitem nicht aus. Mögliche Gründe dafür seien u. a. die Unsicherheit über die richtige Vorgehensweise, die Probleme der Festsetzung von Rahmenbedingungen im eigenen Haus wie auch die Einbindung in das Vertriebskonzept der entsprechenden Stadt/Region. Der Wettbewerbsgedanke gegenüber anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen ist dabei ebenso wichtig wie der Netzwerkgedanke. Aus der Sicht des Marketing lieferte der Vortrag drei Segmente, denen Rechnung getragen werden sollte. Die Tendenz der ,Nachfrageseite', so ein Ergebnis der Deutschen Zentrale für Tourismus: Kultur rückt immer mehr in den Mittelpunkt des Freizeitbereichs, speziell der Kurzreisen. Zahlreiche praktische Tipps und Hinweise zur fundierten Beschaffung von Informationsgrundlagen und zur Festlegung von Strategien machten den Vortrag zu einer wertvollen Quelle.

Prof. e.h. Dr. Andreas Rauch, © Foto: Franz Fechner, BonnUnter dem Titel "Der Kulturtourismus in Florenz und seine Bedeutung für die Villa Romana" beleuchtete Prof. e.h. Dr. Andreas Rauch, u. a. wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesregierung, Lehrbeauftragter an der Universität Bonn, Mitglied des Vereins der Villa Romana in Florenz - eines der jüngsten AsKI-Mitglieder - den Blickwinkel eines ausländischen Instituts. Die Schwierigkeiten eines relativ kleinen Hauses wurden sehr deutlich, nicht zuletzt anhand einiger touristischer Zahlen. Die Villa Romana ist mit ihrem Stipendiatenbetrieb der zeitgenössischen Kunst verschrieben, inmitten einer Stadt, die, überflutet von Touristen, ganz anderen künstlerischen Stilen und Jahrhunderten verpflichtet ist.

Dr. Klaus Sondergeld, © Foto: Franz Fechner, BonnZum Thema "Standortmarketing, Kulturtourismus und Öffentlichkeitsarbeit", berichtete Dr. Klaus Sondergeld. Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Publizistik, leitete u. a. die Pressestelle der Universität Bremen, war Redakteur beim Südwest 3-Magazin "Abenteuer Wissenschaft", war Leiter Aktuelles und Reporter für ARD-aktuell und Regional-Programm Baden-Württemberg, schließlich Sprecher des Senats in Bremen. Seit 1999 ist er Geschäftsführer der Bremen Marketing GmbH. Vor diesem Hintergrund lieferte er, als idealer Partner, Hilfe und Unterstützung gerade auch im Zusammenhang mit der van Gogh-Präsentation der Bremer Kunsthalle. Spielerisch setzte er Thesen und Antithesen: "Zwar ist die Kultur frei, die öffentlichen Mittel sind es jedoch nicht, dennoch ist Kultur ein Wert und keine Ware, sie ist ein wesentlicher und unbestrittener Standortfaktor", um den es sich zu bemühen gelte. In seiner Synthese siedelt Sondergeld ,Marketing-Aufgaben' an. Es seien immer wieder interessante Pakete zu schnüren, etwa van Gogh und John Cage. Auch er verwies auf 'allinclusive-Pakete'. Besonderes Augenmerk legte er auf die europäischen Kontakte. Speziell bei der van Gogh-Ausstellung wurde der Kontakt nach St. Rémy wechselseitig organisiert. Intensive Kontakte konnten über das Bremer Brüssel-Büro aktiviert werden. Personen mit dem Namen ,van Gogh' wurden - vornehmlich in Holland - angeschrieben und als Ehrengäste zur Ausstellung eingeladen. Verkehrsinseln, mit Weizen und Mohn bepflanzt, versinnbildlichten wesentliche Bildmotive van Goghs. Merchandising, als essentieller Teil der Marketingstrategie, und vieles mehr wurde angesprochen. Das Gesamtkonzept trug dazu bei, dass diese Ausstellung auch in Konkurrenz zu einer fast zeitgleichen Ausstellung in den Niederlanden großartige Resonanz hatte.

Dr. Stefan Rhein, © Foto: Franz Fechner, BonnZum Thema "Spiritualität, Bildung, Kommerz: Luthermuseen im Zeitalter der Unübersichtlichkeit" sprach Dr. Stefan Rhein, Vorstand und Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Mit Fragen wie: Woher kommt die Angst vor dem "Pas de deux" mit dem Tourismus? oder dem Hans Belting-Zitat "Das Museum schützt nicht nur die ihm anvertrauten Schätze, sondern mehr noch die fachliche Autorität und […] die Unabhängigkeit des Experten vom Publikum" - schaffte es Rhein, am Beispiel Wittenbergs mögliche Antworten zu geben. Die Stadt meistert die während der Saison von April bis Oktober jährlich ca. 300.000 Besucher des Stadtfestes "Luther-Hochzeit" und der etwa 2.500 Stadtführungen. Dazu gehören: Verbesserung der Kommunikation durch Stadtmarketing; Tagungsveranstaltungen als Werbeträger; überregionale Marketingallianzen ("Wege zu Luther" e. V.: Eisleben, Erfurt, Wittenberg); feste Kooperationen zu Tourismusverbänden regional wie landesweit; Verbesserung der Einbettung der eigenen Institution in die Stadt. Mit den Ausführungen zu inhaltlichen Fragen bei der Neukonzipierung der Dauerausstellung im Lutherhaus Wittenberg lieferte Rhein einen eindrucksvollen Blick in eine besucherorientierte Neu-Präsentation.

Ursula Härtl, © Foto: Franz Fechner, BonnHinter dem kritischen Tenor von "Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und präsentieren Sie Ihre Angebote … Gedenkstätten als touristische Attraktionen?" gab Ursula Härtl, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Gedenkstätte Buchenwald, einen Einblick in ihre Arbeit mit Touristen. 600.000 Menschen besuchen jährlich die Gedenkstätte. Im Unterschied zu Burgen, Schlössern und Museen ist das Besucherspektrum hier wesentlich breiter. Ein Großteil reist mit Bussen an, oft sind es 15-20 zeitgleich. Um den Besucherstrom auf dem großen Gelände steuern zu können, helfe es den Führern sehr, wenn vorbereitete Gruppen kommen. Die pädagogische Abteilung bietet dabei speziell für Lehrer dementsprechende Weiterbildungsseminare an. Es bedarf aufgeklärter Besucher und Reiseorganisatoren im Vorfeld. Ziel sei es hier nicht, Touristen zu umwerben - deshalb auch keine Präsenz bei Touristikmessen -, sondern zu interessieren und zu informieren. Gedenkstätten seien keine touristische Attraktion, sondern historisch authentische Orte, ,Orte der Trauer und Erinnerung' . Der Eintritt zur Gedenkstätte Buchenwald ist frei, und Führungen werden gegen geringes Entgelt angeboten. Informationsblätter in 11 Sprachen helfen den Besuchern und liegen in einer Besucherinformation vor Ort aus. Audioguides in 8 Sprachen helfen beim Gang über das Gelände. Die Lagerwirklichkeit mit den unterschiedlichen Baracken wurde bewusst nicht rekonstruiert, nicht inszeniert. Allen möglichen Sensationsgelüsten zum Trotz begegnet man Präparaten aus der Pathologie, durch Filme und Literatur bekannt, sowohl bei den Führungen als auch in der ständigen Sammlung allenfalls in Gestalt von Fotografien statt originalen Präparaten. Ein subtiler Umgang damit von Seiten der Besucher wie der Museumspädagogen ist notwendig. Nigel Cox, © Foto: Franz Fechner, BonnNigel Cox, Leiter der Bereiche Bildung und Ausstellungen sowie Visitor Experience (Besuchererlebnis) am Jüdischen Museum Berlin, konzentrierte sich auf "The client as king - visitor service in German museums". Den Besucher als Kunden zu behandeln, dieses Prinzip ist z. B. im Jüdischen Museum Berlin in vortrefflicher Weise gelungen und beginnt gleich im Eingangsbereich. In seinen Ausführungen legte Cox besonderes Augenmerk auf die Empfangssituation, den Welcome-Moment; auf die Museumstexte, die keinesfalls von den Ausstellungskuratoren geschrieben wurden, sondern von journalistisch erfahrenen Mitarbeitern; auf die geschulten Hosts, die zeigen, dass es durchaus auch für deutsche Besucher möglich ist, sich in diesem Museum willkommen zu fühlen, sowie auf die Problematik der notwendigen besonderen Sicherheitsmaßnahmen. Cox bot überdies gute Vergleichsmöglichkeiten zu anglo-amerikanischen Gepflogenheiten und verknüpfte dies mit Vergleichen zum Te Papa Museum of New Zealand, einer seiner vormaligen Wirkungsstätten.

Helena von Wersebe, © Foto: Franz Fechner, Bonn"Strukturveränderungen im Museum im Zeitalter des Massentourismus" thematisierte Helena von Wersebe, Kuratorin des Besucherdienstes im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, einem weiteren großen Haus, das sie mit seinen Erfahrungen eindrucksvoll präsentierte. Die studierte Historikerin, mit Abschlüssen in internationaler Politik und Wirtschaftswissenschaften in den USA, kümmert sich in besonderer Weise auch um das Beschwerdemanagement des Hauses. Es wurde einmal mehr deutlich: Beschwerden sind überaus hilfreich für jede Institution und sollten ernst genommen werden. Da Museen eine Art Massenmedium darstellen, mit einem enormen Informationsvolumen, müsse auf geänderte Strukturen eingegangen werden, u. a. hinsichtlich Besucherorientierung, integrierter Angebotsgestaltung musealer Dienstleistungen, direkter Kommunikation mit dem Besucher sowie einer generell erhöhten Professionalisierung. Der ,Massenbesucher', das wurde immer wieder deutlich, ist ein Alltagsmensch mit Schwellenängsten, wenig Museumserfahrung - er kommt aus allen Bevölkerungsschichten, mit unterschiedlichem Vorwissen und diffusen inhaltlichen Zielen; er ist ein Freizeitbesucher und möchte soziale Kontakte, selbst aktiv sein, etwas Neues erleben, die Möglichkeit haben etwas zu lernen, dabei etwas Sinnvolles tun und sich im Museum wohlfühlen.

Jutta Thinesse-Demel, © Foto: Franz Fechner, BonnEinen gezielten Blick ins europäische Ausland gab abschließend Dr. Jutta Thinesse-Demel mit "Museum pro/contra Tourismus: Eine europäische Erkenntnistour". Ihre kritischen Fragen: Entsteht mehr Freizeitqualität durch Zusammenarbeit von Museen und Touristik? Entwickelt sich das Reiseziel Museum erst noch? Wie ist der Besuchermarkt aufgeteilt? Erhält der Tourismus zusätzliche Bedeutung durch den kulturellen Kontext? setzten deutliche Kritik, frei nach Victor Klemperer (Tagebücher 1925-32) "Jedes Baedekersternchen ist mir ein Warnzeichen". Sie gab wichtige Hinweise, Anschriften, etwa zum "Bundesverband der Deutschen Gästeführer", und verwies auf das Fehlen eines solchen Verbandes der Museumsführer in Deutschland. Bedingt durch Ihre 10-jährige Erfahrung mit Projekten im EU-Kontext lieferte die Kulturmanagerin und Gründerin der Firma ,Kunstgespräche', Kunsthistorikerin mit Ausbildung zur europäischen Kulturmanagerin und u. a. Initiatorin eines neuen deutschlandweiten Berufsbildes des ,Kulturkurators', Einblicke in die Ausbildungssituationen und besucherorientierte Museumspädagogik hinsichtlich einheimischer und ausländischer Besucher in Italien, England, Frankreich, Schweden, Ungarn. U. a. sei der Kontakt zwischen Museen und Tourismus in den genannten Ländern wesentlich unverkrampfter als in Deutschland. Im Europa der Regionen seien die Tourismusprobleme nur durch Zusammenarbeit zu lösen. Ein erster Anfang einer solchen kooperativen Stelle ist beispielsweise das Europäische Tourismus Institut (ETI) in Trier, dessen Mitglieder bisher Rheinland-Pfalz, Luxemburg und die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien sind. Wie es scheint, sind in der Tourismusbranche z. Zt. erste Schritte im besseren Ausloten der Museen vorbereitet, aber sie bezögen sich wohl leider nur auf die ,Großen' der Museumslandschaft. Positive und unmittelbare Ergebnisse der Tagung sind neben der Presseresonanz: Das Reiseunternehmen Dr. Gill hat eine Kooperation mit der Bremer Kunsthalle für deren nächste Ausstellung (Rilke) vereinbart und wird die fünf Orte der AsKI-Gemeinschaftsausstellung "Homo ludens - Der spielende Mensch" wenn nicht im "Gesamtpaket", so doch als Einzelziele mit in ihre Touren einplanen. Darüber hinaus war der Vortrag zur Villa Romana in Florenz Anlass für die ,Freunde der Bremer Kunsthalle', einen Besuch in Florenz zu verabreden.

Dr. Sabine Jung
Geschäftsführerin des AsKI
Vorträge dieser Fachtagung finden Sie hier

Fachtagung Kultur und Sightseeing

AsKI KULTURBERICHTE 2/2003

.

xxnoxx_zaehler