Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt: „Wo das Wort ist, da tappe nach“

Heinrich Detering, Präsident der DASD, Foto: © Ohlbaum

„Am Anfang war das Wort" – dieser Beginn des Johannesevangeliums setzt das Leitmotiv für das Jubiläumsprogramm „Luther 2017" und bekräftigt damit noch einmal Luthers Devise, Gott wolle nicht, „dass du überall nach ihm tappest, sondern wo das Wort ist, da tappe nach, so ergreifest du ihn recht." (Wider die Schwarmgeister 1526, WA 19, 492, 19).

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung widmet daher dem Spannungsfeld von Text und Religion eine Folge von vier Veranstaltungen, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von „Luther 2017" gefördert werden.

Eröffnet wurde das Programm am 3. November 2016 in Darmstadt mit einem Gespräch über „Ringparabeln – Versuche zu Religion und Toleranz". Gotthold Ephraim Lessing hat 1779 mit der Ringparabel in seinem Drama „Nathan der Weise" eine Utopie religiöser Toleranz entworfen, die heute angesichts zahlreicher religiös motivierter Konflikte und Kriege höchst aktuell ist. Vor diesem Hintergrund diskutierten der Ägyptologe Jan Assmann, die Kulturwissenschaftlerin Almút Sh. Bruckstein und der Historiker Dan Diner über Religion und Aufklärung und die „Realitätstauglichkeit" dieser Idee einer alle Menschen verbindenden Humanität.

Die zweite Veranstaltung der Reihe findet am 21. Juni 2017 in der Stiftung Lyrik Kabinett in München statt. Heinrich Detering wird mit den Lyrikern Christian Lehnert, Yoko Tawada und Jan Wagner über „Erleuchtung – poetische und religiöse Erfahrung" sprechen. Es soll um Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Inspirationskraft des Religiösen und der des Poetischen gehen, und damit auch um die immer wieder betonte Fähigkeit beider, uns die Augen zu öffnen.

Während im Lyrik Kabinett die literarischen Ausdrucksformen im Mittelpunkt stehen, wird sich die nächste Veranstaltung am 22. Juni mit den religiösen Texten der drei großen monotheistischen Religionen und ihren Besonderheiten beschäftigen. Dabei kann das spezifische Textverständnis ebenso zur Sprache kommen wie Fragen der Überlieferung oder der Auslegung. Unter dem Titel „Arbeit am Text – Tora, Bibel, Koran" diskutieren im Exzellenzcluster „Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster der Judaist Ottfried Fraisse, der evangelische Theologe Thomas Kaufmann und die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, moderieren wird die Historikerin Iris Fleßenkämper.

Zum Abschluss werden am 19. Oktober im Wallraf-Richartz-Museum Köln die Schriftsteller Navid Kermani, Martin Mosebach und Sibylle Lewitscharoff zusammenkommen. Es wird um die ästhetische Kraft religiöser Texte gehen, um „Die Schönheit des Gotteswortes". Der Literaturwissenschaftler Günter Blamberger moderiert diesen Abend, der in Kooperation mit dem Internationalen Kolleg Morphomata der Universität zu Köln ausgerichtet wird.

Dr. Bernd Busch
Generalsekretär der Deutschen Akademie
für Sprache und Dichtung

Iris Fleißenkämper, Foto: © Sarah BatelkaYoko Tawada, Foto: © Ohlbaum

Angelika Neuwirth, Foto: © Ohlbaum

Christian Lehnert, Foto: © Jürgen Bauer

Sibylle Lewitscharoff, Foto: © Ohlbaum

Thomas Kaufman, Foto: © privat

Günter Blamberger, , Foto: Internationales Kolleg MorphonataNavid Kermani, Foto: © Ohlbaum

 

AsKI KULTUR lebendig 1/2017

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