Uwe Förster (1935-2002)

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Im August dieses Jahres starb Uwe Förster, langjähriger Leiter des Sprachberatungsdienstes der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) und wissenschaftlicher Betreuer aller Zweigvereine.

 

Wegen "systemkritischer Haltung" hatte Förster, der 1935 in Dresden geboren wurde, in der DDR nicht studieren dürfen. Er ging an die Freie Universität in West-Berlin und promovierte dort 1965 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes bei dem Germanisten und Übersetzer des Nibelungenliedes Helmut de Boor.

Uwe Förster - Foto: privat Seit 1967 war Uwe Förster wissenschaftlicher Mitarbeiter der GfdS, seit 1971 auch Vorsitzender des Zweigvereins Wiesbaden. Sieben Jahre (von 1987 bis 1993) stand er mit seinen Kollegen ebenfalls der ZDF-Nachrichtensendung "heute" sprachberatend zur Seite. Im Frankfurter Auschwitz-Prozess fungierte Förster als Gutachter, und an der Überprüfung der Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, die das Katholische Bibelwerk in Stuttgart herausgab, arbeitete er ebenso mit. Förster veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Sprach- und Literaturgeschichte, zur Stilistik und Rhetorik.

In den Ruhestand verabschiedete sich Uwe Förster vor zwei Jahren mit einem Sammelband seiner Schriften: "Sprachpflege auf wissenschaftlicher Grundlage. Beiträge aus drei Jahrzehnten" (hrsg. von der Gesellschaft für deutsche Sprache, Duden Verlag 2000).

Der AsKI-Geschäftsstelle war Uwe Förster besonders verbunden: Man traf sich nicht nur bei den von der Zweigstelle Bonn veranstalteten Vorträgen, führte zu später Stunde Diskussionen u. a. über die politischen Qualitäten des russischen Präsidenten Jelzin, man feierte auch gemeinsam Försters 25-jähriges GfdS-Dienstjubiläum mit Wanderung und Gastmahl in den Weinbergen des Rheinlandes.

Allen an der AsKI-Ausstellung "Von der Idee zum Werk"(1991) Beteiligten wird es auch im Gedächtnis bleiben, mit welcher Akribie sich Förster dem nur mit Schwierigkeiten visuell darstellbaren GfdS-Beitrag "Wörter der achtziger Jahre" widmete. Knieend breitete er auf dem Boden der engen Geschäftsstellenräume eine Fülle von Material aus, um in Kooperation die Endauswahl zu treffen. Ebenso beharrlich betreute er die Anfertigung der Ausstellungstafeln - all dies in einer für ihn traurigen Phase seines Lebens: Kurz zuvor war seine Frau überraschend gestorben. In seinem Katalogbeitrag zur Ausstellung stellte er die Prognose, dass einige der Wörter des Jahres 1989 zu "Stichwörtern des Jahrhunderts" avancieren würden. Nicht nur für die Losung "Wir sind das Volk" hat sich das bewahrheitet, Gleiches gilt z. B. auch für die Begriffe "Tschernobyl" (1986), "Aids" und "Perestroika" (1987).

Reinhard Appel nannte Uwe Förster einen "Sprachpapst ohne dogmatische Attitüde" - dieser Charakterisierung kann man sich nur anschließen.

 

Gabriele Weidle-Kehrhahn

stv. Geschäftsführerin des AsKI e.V.

 

AsKI KULTURBERICHTE 3/2002

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