Neues Mitglied im AsKI: Blauer Peter und Rote Mauritius. Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation stellt sich vor

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Wie funktioniert ein Telefon? Seit wann gibt es die Post und war sie immer gelb? Was ist Kommunikation?

 

Museum für Kommunikation Berlin - Foto: Herbert Schlemmer "Kommunikation" und "Information" sind zu Schlüsselbegriffen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts geworden. Immer mehr Informationen sind verfügbar, neue Technologien schaffen stetig neue Möglichkeiten der Kommunikation. In diesem sich beschleunigenden Prozess ermöglicht der Blick in die Kulturgeschichte der Kommunikation eine bewusste Verortung in der Gegenwart. Welche Formen der Kommunikation gab es, und wie entwickelten sie sich? Welche Mittel und Wege wurden eingesetzt, Nachrichten und Waren zu transportieren? Welche technischen Entwicklungen haben dazu beigetragen, und wie gingen die Menschen damit um? Wie hat sich das Leben, warum hat sich unsere Wahrnehmung verändert?

 

<Schwarzer Einser> von 1849, die erste deutsche Briefmarke; ©  Foto: Museum für Kommunikation Nürnberg Diesen und anderen Fragen geht die Museumsstiftung Post und Telekommunikation nach. 1995 im Zuge der bundesdeutschen Postreform gegründet, ist ihr Stiftungszweck die Sammlung, Erschließung und Darstellung der gesamten Entwicklung der Nachrichtenübermittlung in den Bereichen Post und Telekommunikation. Um diesen öffentlichen Auftrag wahrzunehmen, führt sie, neben einem Archiv für Philatelie in Bonn, je ein Museum für Kommunikation in Berlin, Frankfurt, Hamburg und Nürnberg. Mit innovativen Konzepten vermitteln diese Museen der Öffentlichkeit die vielen Facetten der Kommunikationsgeschichte: die technischen Innovationen ebenso wie die wirtschaftlichen und sozialen Bezüge, aber auch die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler dieses Thema verarbeiten.

 

Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation ist eine bundesunmittelbare Stiftung öffentlichen Rechts. Sitz der Stiftung ist die Bundesstadt Bonn. Als Leitungsorgane fungieren das Kuratorium und der Kurator. Finanziert wird die Museumsstiftung von der Deutschen Post und der Deutschen Telekom, jenen ehemals bundeseigenen Organisationen, die im Zuge der deutschen Postreform zu privatrechtlichen Aktiengesellschaften umgewandelt wurden.

 

Die  Roboter <MACH-WAS!>, <KOMM-REIN!> und  <ALSO-GUT!>  (v.l.) im Museum; Design: Ralph Künzler, Stuttgart; Technik:  Fraunhofer-Institut (IPA) Stuttgart; Dialoge: Gisela Zimmermann,  Stuttgart; Koodination: TC Studios, Ludwigsburg; Museum für  Kommunikation Berlin; © Foto: Herbert Schlemmer, Berlin Die Kooperation zwischen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation und der Deutschen Post und Deutschen Telekom stellt innerhalb der deutschen Museumsszene ein herausragend konsequentes Beispiel einer Public-Private-Partnership dar. Im Stiftungsgesetz ist festgelegt, dass die beiden Firmen gemeinsam den jährlichen Finanzbedarf der Museumsarbeit zu decken haben. Das Kuratorium übernimmt die Rolle eines Verwaltungsrates. Jeweils drei Vertreter der Bundesregierung, der Deutschen Post AG und der Deutschen Telekom AG sowie zwei Vertreter des Deutschen Museumsbundes und ein Vertreter des Bundesrates bilden dieses Gremium. Seine Aufgabe ist es, den Haushalt der Stiftung festzulegen sowie die Grundlinien der Museumsarbeit zu formulieren. Im März 1995 fand die Gründungssitzung des ersten Kuratoriums der Museumsstiftung statt, und es nahm im Anschluss an die Wahl des Vorsitzenden seine Arbeit auf. Wie es im Stiftungsgesetz festgeschrieben ist, wird alle fünf Jahre ein neues Kuratorium durch den Bundesminister der Finanzen ernannt. Dem Bundesministerium der Finanzen obliegt zugleich die Rechtsaufsicht über diese Stiftung. Den Vorsitz des Kuratoriums hat Frau Dr. Barbara Hendricks, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen, inne.

 

Während die Museumsstiftung eine vergleichsweise junge Institution ist, gehen die Ursprünge ihrer Sammlungen und Museen bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1872 gründete Heinrich von Stephan in Berlin das weltweit erste "Reichspostmuseum". Das 1898 in dem Gebäude an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte eröffnete Haus ist heute Sitz des Museums für Kommunikation Berlin und kann somit auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken. Nam June Paik, Pre-Bell-Man, Verschiedene    Materialien, 1990, © Foto: Kunstsammlung der Museumsstiftung Post und    Telekommunikation Nach der Deutschen Teilung in Folge des Zweiten Weltkriegs baute die damalige Deutsche Bundespost in Frankfurt am Main ein weiteres großes Postmuseum auf, das heutige Museum für Kommunikation Frankfurt, in das viele Exponate, die im Krieg aus Berlin ausgelagert worden waren, überführt wurden. Das Museum für Kommunikation Nürnberg gehört, zusammen mit dem DB-Museum der Deutschen Bahn AG im Nürnberger "Verkehrsmuseum", zu den ältesten technikgeschichtlichen Museen Deutschlands. In diesem Jahr kann es seinen 100. Geburtstag feiern: Seit 1902 besteht hier eine eigenständige Post und Telegrafenausstellung. Und auch das Museum für Kommunikation Hamburg reicht in seinen Anfängen bis ins Jahr 1937 zurück, als im Postamt am Dovenhof eine postgeschichtliche Sammlung eröffnet wurde.

 

Nach Gründung der Museumsstiftung wurden die bestehenden Museen und Sammlungen neu strukturiert. Dieser Prozess mündete in einer Bündelung der Museumsarbeit an den vier schon genannten Museumsstandorten. Heute zeigen alle vier Häuser auf sehr eigene Weise die Geschichte der Kommunikation: mit eigenen Schwerpunkten und unterschiedlichen Herangehensweisen. Damit ergänzen sich die Präsentationen und bieten auf diese Weise der Öffentlichkeit ein größtmögliches Angebot an Informationen und Hintergründen.

 

Logo Museum für  Kommunikation Berlin Das Museum für Kommunikation Berlin bringt Vergangenheit und Zukunft unter ein Dach: Es macht die Entwicklung der Informationsgesellschaft erleb- und begreifbar. Im Lichthof des Museums kommunizieren drei einzigartige Roboter mit den BesucherInnen. Kommunikationsgalerien, Themen- und Sammlungssäle führen in zentrale Fragen der Kommunikationsgeschichte ein. In seiner Schatzkammer präsentiert das Haus Kostbarkeiten wie die Blaue Mauritius oder das Dosen-Telefon von Joseph Beuys.

 

Logo MfK Frankfurt Das Museum für Kommunikation Frankfurt setzt Kommunikation "kunstvoll" in Szene: Im mehrfach preisgekrönten Museumsbau des Architekten Peter Behnisch am Frankfurter Museumsufer erhalten die Besucherinnen und Besucher Einblick in die Geschichte der Kommunikation von den Anfängen der Nachrichtenübermittlung bis zur modernen Kommunikationsgesellschaft. Modelle zum Ausprobieren verdeutlichen die wichtigen technischen Erfindungen, ohne die es beispielsweise weder Fernseher noch Telefon gäbe. Eine Besonderheit des Museums sind die Kunstsammlung und die Medienwerkstatt, in der jeder, ob Jung oder Alt, allein oder unter Anleitung eines Webscouts, im WWW surfen kann.

 

Logo MfK Hamburg Schwerpunkt im Hamburger Museum für Kommunikation ist die Kommunikation über die sieben Weltmeere, ob küstennah oder weltweit: Themen sind Wattenpost, Schiffspost, Seefunk und Seekabelverbindungen nach Übersee. Neben Hamburger Spezialitäten wie dem Kaffeeproben-Briefkasten sind auch Exponate von globaler Bedeutung zu entdecken, so die Reproduktion der Bild-Ton-Platte der Raumkapsel Voyager.

 

Logo MfK Nürnberg Das Museum für Kommunikation Nürnberg zeigt die Geschichte von Post und Nachrichtenübermittlung in Bayern vom Mittelalter bis heute. Filme, Lebensläufe und Inszenierungen erläutern soziale und wirtschaftliche Aspekte. Eine besondere Rolle spielt dabei der Bezug zur bayerischen Landesgeschichte; schließlich existierte noch bis 1922 eine eigene bayerische Postverwaltung.

 

Wattenpost, Museum für Kommunikation Hamburg ©   Foto: Fred Dott, Hamburg Schließlich begreifen sich die Museen als Orte der Kommunikation und laden mit einem breit gefächerten museumspädagogischen Programm und einem gut gefüllten Veranstaltungskalender zu einem Besuch ein. Auf diese Weise verbinden sich Mensch und Technik, Geschichte und Gegenwart und schließlich Erlebnis und Information. Zusätzlich stehen die Räumlichkeiten auch für externe Veranstaltungen zur Verfügung. In allen vier Häusern kommt zudem der Thematik "Internet und Neue Medien" - auch zum Selberausprobieren - besondere Bedeutung zu.

 

Das Spektrum der Sammlungen in der Museumsstiftung Post und Telekommunikation ist weit gefasst: Unter den Fahrzeugen finden sich Postkutschen, frühe Postomnibusse und Fahrräder ebenso wie fernmeldetechnische Fahrzeuge und Eisenbahnwaggons. Die Ausstattung von Poststuben und Postschaltern bis hin zu den jeweils zeitgenössischen Uniformen belegt die Zeitspanne vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die technischen Sammlungen dokumentieren die lange Geschichte und Entwicklung von Telegrafie, Telefon und des global umspannenden Satelliteneinsatzes.

Sendeeinrichtungen aus der Frühzeit des Rundfunks und Fernsehens stehen neben der hoch entwickelten Multimedia-Technologie. Neben die Objekte tritt eine entsprechende Gruppe von Archivalien; darunter sind historische Fotografien des Postbetriebes ebenso wie eine Vielzahl von Landkarten. Eine kleine, aber feine Sammlung von Kunstwerken ist ebenfalls zu nennen, die das Thema Kommunikation widerspiegelt. Und schließlich nimmt auch das "Archiv für Philatelie" mit seiner bedeutenden philatelistischen Sammlung, zu der u. a. das bekannte "Mauritius-Tableau" und der "Baden Fehldruck" gehören, einen entsprechenden Raum in den Beständen der Museumsstiftung ein.

 

Museum für Kommunikation Hamburg: Blick in einen der Ausstellungsräume © Foto: Fred Dott, Hamburg Inzwischen sind die ersten großen Maßnahmen innerhalb der Museumsstiftung abgeschlossen. Dazu zählen allen voran der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Berliner Museumsgebäude und die Einbringung der neuen Dauerausstellung in dieses Haus. Ein Meilenstein in der jungen Geschichte der Stiftung war die Eröffnung des "Museums für Kommunikation Berlin" im März 2000 durch den deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau und die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Dr. Klaus Zumwinkel, und der Deutschen Telekom, Dr. Ron Sommer. Doch bleibt für die Zukunft noch viel zu tun. So werden die Museen in Frankfurt, Hamburg und Nürnberg ebenfalls den veränderten Besucheransprüchen Rechnung tragen und ihre Dauerausstellungen weiter aktualisieren. Ebenso steht noch 2002 die IT-Vernetzung von Stiftungssitz und Museen an. © Foto: Museum für Kommunikation, Nürnberg "Schwarzer Einser" von 1849, die erste deutsche Briefmarke Museum für Kommunikation Nürnberg

 

Daneben verstehen sich die Stiftung und ihre Museen als interkulturelle Brückenbauer, die zur Kommunikation - auch über Sprachgrenzen hinweg - auffordern möchten. Mit der Etablierung des Netzwerks CECOMM (Conference of the European Communication Museums) im Jahr 2000 ist es der Museumsstiftung gelungen, eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen den Kommunikationsmuseen Europas über die Ländergrenzen hinweg zu schaffen. Die große Resonanz auf die erste Tagung war ermutigend und verdeutlichte den großen Bedarf nach einem solchen Netzwerk. CECOMM wird nun im zweijährigen Rhythmus tagen, dieses Jahr im Museum für Kommunikation Frankfurt.

 

Und was der "Blaue Peter" mit Kommunikation zu tun hat? Der "Blaue Peter" ist eine Flagge: ein blaues Rechteck auf weißem Grund. Sie bedeutet "Alle Mann an Bord, da Fahrzeug auslaufen will" und wird 24 Stunden vor dem Auslaufen eines Schiffes gehisst. Sicherlich nicht zufällig sind viele Hafenkneipen ebenfalls so benannt.

 

Hartwig Lüdtke

Dr. Hartwig Lüdtke ist Kurator der Museumsstiftung Post und Telekommunikation - Sitz der Stiftung in Bonn

 

Elektrisch betriebener Postzustellwagen der Firma Bergmann, München, 1922-27 Museum für Kommunikation Nürnberg, © Foto: Museum für Kommunikation, Nürnberg


 

 

AsKI KULTURBERICHTE 2/2002

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