Neue Mitglieder im AsKI: Wartburg-Stiftung Eisenach

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Im Dezember 1999 wurde die Wartburg als erste deutsche Burg in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

In der Begründung des Erbekomitees heißt es: „Die Wartburg ist ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa. Sie fügt sich vorzüglich in ihre waldreiche Umgebung ein und ist in vieler Hinsicht ,die ideale Burg'. Gleichwohl originale Bereiche aus der Epoche des Mittelalters bewahrt wurden, verdankt sie Silhouette und Äußeres im wesentlichen der Wiederherstellung im 19. Jahrhundert, wodurch die Höhepunkte ihrer militärischen und lehensherrschaftlichen Macht in glänzender Weise demonstriert wurden."

 

Die Wartburg von Nordosten, Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach Schon die mittelalterliche Geschichte der Wartburg lässt sich mit bekannten historischen Persönlichkeiten belegen, den Thüringer Landgrafen und der heiligen Elisabeth. Im ausgehenden 16. Jahrhundert sollte die Burg auch denkmalhafte Züge annehmen - zunächst nicht als Baudenkmal, sondern als Stätte eines welthistorisch bedeutsamen Ereignisses, des Aufenthalts und Wirkens Martin Luthers. Von Mai 1521 bis März 1522 hatte der gebannte und geächtete Reformator auf der Wartburg Zuflucht gefunden und im Dezember mit der Übertragung des Neuen Testaments aus der griechischen Urfassung ins Deutsche begonnen. Treffend umschrieb Goethe, ein häufiger Wartburggast, 1819 die Bedeutung der lutherischen Bibelübersetzung: „Und so sind denn die Deutschen ein Volk erst durch Luthern geworden." Die Lutherstube wurde zum Ziel ungezählter Pilger.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besannen sich die Romantiker auf das Mittelalter und die Symbolhaftigkeit des Ortes und schufen dadurch die Basis für die Idee zur Ausgestaltung der Wartburg als nationales Denkmal. Deren Geschichte wurde Gegenstand literarischer und bildkünstlerischer Widerspiegelung, der sich ab 1838 folgerichtig eine architektonische ,Wiederherstellung' der Wartburg anschloss, die nicht nur in dynastischem Sinne herbeigesehnt, sondern im Volksbewusstsein längst zum Denkmal geworden war. Besonders eindrucksvoll demonstrierte dies die erste bürgerliche Nationalkundgebung der Deutschen, das Wartburgfest der studentischen Burschenschaften im Oktober 1817. Einen schließlich ,dramatischen' Überzug erhielt die Burg mit Richard Wagners Oper ,Tannhäuser'.

Rittersaal im Palas, Erdgeschoss, © Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr die Feste eine ihrer bedeutendsten Bauphasen. Lange verschwundene Teile, wie der Bergfried, die Dirnitz und das Gadem, wurden auf den alten Fundamenten neu errichtet. Erhaltenes, wie der romanische Palas, der als höchst bedeutsames Bauwerk erkannt worden war, wurde aufwendig restauriert und ausgestattet.

Dabei schien es Bauherr Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach wichtig, die namhaftesten Künstler unter Vertrag zu nehmen, um mit der erneuerten Wartburg ein in die Welt wirkendes nationales Gesamtkunstwerk zu schaffen. Nach diesem Konzept entstanden Innenausstattungen des Palas, die heute zu den exzellentesten Beispielen historistischer Kunstauffassung gezählt werden.

Lutherstube in der Burgvogtei, © Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach Nach Abdankung der deutschen Monarchen war 1922 die Wartburg-Stiftung Eisenach, Stiftung öffentlichen Rechts, gegründet worden, die auf ein 80jähriges kontinuierliches Bestehen verweisen kann. Die Stiftung hat den Zweck und die Aufgabe, die Wartburg und ihre Kunstschätze in würdiger Form als bedeutsame Kulturstätte, Denkmal und Museum zu erhalten und der interessierten Allgemeinheit zu öffnen. Dazu zählen ebenso vielfältige künstlerische Veranstaltungen, Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen. Zu den wesentlichen Aufgaben zählen die Erforschung von Wartburg-Geschichte und Baugeschichte in ihren historischen Zusammenhängen. Ein wissenschaftliches Jahrbuch wird seit 1992 wieder herausgegeben. Die internationale Wartburggesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, gegründet 1992, hat Sitz und ehrenamtlich tätige Geschäftsstelle auf der Wartburg. In Zusammenarbeit mit anderen Partnern, beispielsweise der Luther-Gesellschaft oder der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten werden wissenschaftliche Tagungen ausgerichtet. Zu den rund 80 künstlerischen Veranstaltungen im Kalenderjahr zählen Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen.

Blick in die ständige Ausstellung Frühe Neuzeit, © Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach Die Wartburg ist Austragungsort für das Finale des „kleinen Cicero", eines Rednerwettstreits der Debattierclubs deutscher Hochschulen und Universitäten, gefördert von der ZEIT-Stiftung. Mit dem Suhrkamp-Verlag und dem städtischen Kulturamt entstand die Reihe „Gedanken auf der Wartburg" - Schriftstellerlesungen unveröffentlichter Texte, Konzertreihen von DeutschlandRadio und Gastspiele des mdr-Musiksommers zählen ebenso dazu, wie das „Sommertheater" - Ballett, Oper und Sinfoniekonzerte des Thüringer Landestheaters Eisenach - sowie „Sommernächte", d. h. jeweils eine Museums-, eine musikalische und eine Blues-Nacht auf dem Haupthof der Burg. Das Minnesängerfest „geteiltez spil - Ein Sängerstreit auf der Wartburg" wurde 2002 ins Leben gerufen und soll künftig zweijährlich stattfinden.

Festsaal im Palas der Wartburg, © Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach Die Stiftung vergibt seit 1992 jährlich den Wartburgpreis für besondere Verdienste um die europäische Einigung. Dabei finanziert sich die Wartburg-Stiftung in Personal- und Sachkosten im Wesentlichen selbst und nahezu ausschließlich aus dem Verkauf von Eintritts- und Veranstaltungskarten. Dadurch erhält die Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Bedeutung. Denkmalpflege- und Baumaßnahmen werden durch die öffentliche Hand als jeweils konkrete Projekte gefördert. Durch ihre Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze galt die Wartburg stets als Symbol für deutsche Integration und Einheit. Und so präsentiert sie sich national, als europäisches Denkmal und seit kurzem stolz und sich der Ehre wohl bewusst als Welterbe der Menschheit.

 

Günter Schuchardt

Ltd. Burghauptmann der Wartburg-Stiftung

 

 

 

AsKI KULTURBERICHTE 3/2003

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