Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste

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Mit der Gründung der Akademie der Künste im Jahr 1696 wurde zugleich der Grundstein für eine dazugehörige Sammlung gelegt, denn zur Ausbildung angehender Künstler gehörte im damaligen Verständnis eine Vorbildsammlung.

Sie wuchs im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts durch Schenkungen und Vermächtnisse von Mitgliedern und Förderern, aber auch durch gezielte Erwerbungen zu einer für Berlin bedeutenden öffentlichen Sammlung - trotz Einbußen durch Brand und verordnete Abgaben. So gehörten am Ende des 18. Jahrhunderts 27 Werke von Andreas Schlüter zum Bestand, heute sind es noch vier. Johann Gottfried Schadow quittierte im Jahre
1804 für die jährliche Inventur 2028 Bildhauerarbeiten, unter ihnen auch die berühmte Gipsabguss-Sammlung nach griechischen und römischen Antiken. Neunzehn seiner eigenen Skulpturen schenkte Schadow der Akademiesammlung - und schon wegen dieser mäzenatischen Haltung ihres Direktors bemühten sich die Mitglieder nach Schadows Tod um die Erwerbung von 1061 Zeichnungen seiner Hand, die der Akademie von der Familie zum Kauf angeboten wurden.

Andreas Schlüter, Maske eines sterbenden Kriegers, Anfang 18. Jahrhundert, Abguss eines Bozetto, Gips, Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung, Foto: Jörg P. Anders, BerlinDoch blieb die Sammlung immer ein wenig im Verborgenen, weil sie aus Platzmangel nicht ständig öffentlich gezeigt werden konnte. Dieser Zustand währt bis zum heutigen Tag. Inzwischen enthält sie jedoch zum größten Teil Arbeiten auf Papier und darf darum in Gänze nicht dauernd präsent sein. Für den Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz, ihrem angestammten Sitz seit 1907, ist wenigstens die feste Installation einiger Kunstwerke aus der Sammlung geplant, schon, um die Kontinuität der Institution sichtbar zu machen. Zu ihnen wird das im Jahr 2000 erworbene "Selbstbildnis mit Panamahut" von Max Liebermann gehören. Der Standort der Akademie am Pariser Platz ist ohne die Erinnerung an das Wirken des langjährigen Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste undenkbar.

Er öffnete die vordem "verzopfte" (Käthe Kollwitz) Einrichtung durch ein progressives Ausstellungsprogramm den jüngeren Generationen und erweiterte die Akademie durch die Gründung der Sektion für Dichtkunst. Künstlerische Arbeiten seiner eigenen Hand jedoch gelangten nicht mehr in die Sammlung, dazu fehlte es in der ab 1933 gleichgeschalteten Akademie an Courage. Grundsätzlich muss betont werden, dass der Bestand der Kunstsammlung neben dem Historischen Archiv am eindrücklichsten die Akademiegeschichte widerspiegelt, wenn auch Aderlässe die Proportionen verändert haben bzw. nicht mehr schließbare Lücken rissen. Die einschneidendsten Verluste brachten die Folgen des Zweiten Weltkrieges: Mit dem Abtransport durch die Trophäenkommission der Roten Armee 1945 schien die Auflösung der Sammlung besiegelt. Doch kehrten 1958 gemeinsam mit Teilen des Berliner Museumsgutes auch die wertvollsten Zeichnungen von Daniel Chodowiecki, Johann Gottfried Schadow und Carl Blechen - wenn auch nicht vollzählig - in die Akademie Berlin-Ost zurück. Der weitaus umfangreichere Bestand, gemeinsam mit der kostbaren Bibliothek in drei schlesische Schlösser evakuiert, gilt noch heute als verschollen.

Max Liebermann, Selbstbildnis mit Strohhut (Panamahut), 1911, Öl auf Hartfaser, Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung, Foto: Roman März, BerlinNach der Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin 1950 hatten sich bereits die ersten Mitglieder, in der Mehrzahl zurückgekehrte Emigranten, für die Einrichtung einer Kunstsammlung ausgesprochen, keinesfalls programmatisch und ganz ohne Wissen um die ehemals vorhandene Sammlung. Sie fühlten sich mitverantwortlich für ihre Unterbringung und Bearbeitung und ermunterten mit Engagement und Überzeugungskraft zu Schenkungen. Die erste Mitgliedergeneration nach den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft und Emigration sah in dieser Akademie ihre geistige Heimat und übereignete ihr darum wertvolle Einzelstücke und ganze Nachlässe. So übergab Wieland Herzfelde die von George Grosz ihm, seinem Verleger, geschenkten und über mehrere Emigrationsstationen gehüteten Zeichnungen der Kunstsammlung - darunter das Blatt "Berlin - Friedrichstraße" -, und so gelangte beispielsweise der gesamte künstlerische Nachlass von John Heartfield in die Akademie, ebenso der des Ehepaares Alice Lex-Nerlinger und Oskar Nerlinger (s. Titelbild der "Kulturberichte").

Die 1954 gegründete Akademie der Künste Berlin-West nahm dagegen den Gedanken einer Kunstsammlung nicht wieder auf, verwaltete aber in ihrem Archiv die übrig gebliebenen "Reste" der früheren Sammlung, darunter die Hälfte des Amalfi-Skizzenbuches von Carl Blechen; der andere Teil befand sich in Berlin-Ost. Noch 1990 kamen zur Ausstellung Carl Blechen die Leihgaben aus zwei Akademien in die Nationalgalerie, und erst nach der Gründung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste im Herbst 1993 konnten die Skizzenbuchblätter wieder in ihre ursprüngliche Reihenfolge zusammengefügt werden.

Heute betreut die Kunstsammlung rund 60.000 Werke und noch einmal 30.000 Plakate. Bei näherem Betrachten erweisen sich Beschränkung und damit Konzentration auf den Akademiebezug, auf ihre Mitglieder und deren Wirkungs kreis, als tragfähiges Sammelkonzept. Auch in der Gegenwart wird der Kontakt zur Abteilung Bildende Kunst gepflegt, um das Interesse der jetzigen Akademiemitglieder an der Sammlung zu wecken: Denn vorrangige Aufgabe bleibt es, diese nicht nur zu hüten, sondern weiterzuführen, um kommenden Generationen die Arbeit der Akademie als einer Sozietät schaffender Künstler im wahrsten Sinne vor Augen führen zu können.

Gudrun Schmidt

Weitere Informationen zu den Beständen der Sammlung im Internet: http://www.adk.de
Die Sammlung befindet sich in der Luisenstraße 60, 10117 Berlin. Besichtigungswünsche bitte mit telefonischer Anmeldung: 030/285385-0

Gudrun Schmidt ist Leiterin der Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin

AsKI KULTURBERICHTE 1/2001

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