Fritz Bauer Institut - Ausstellung "Auschwitz-Prozeß 4 Ks 2/63"

www.fritz-bauer-institut.de

Zwei Kuratoren und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten seit zwei Jahren an der dokumentarischen und künstlerischen Präsentation der Ausstellung über das Verfahren gegen die Auschwitz-Verbrecher (vgl. AsKI-„Kulturberichte", Kleine Nachrichten 1/2003).

 

Das Fritz Bauer Institut, das schon im Namen „Studien und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust" den Sinn und Zweck der Stiftung klar umschreibt, betritt mit der Ausstellung „Neuland".


Zeuge Ludwig Holze (1. v. r.), Zeuge Wilhelm Rappl (2. v. r.), ehemalige SS-Angehörige der Fahrbereitschaft in Auschwitz, Vor dem Eingang des Bürgerhaus Gallus, 86. Verhandlungstag, Frankfurt am Main, 4.9.1964, © Foto: Günter Schindler Das Gerichtsverfahren 4 Ks 2/63 „gegen Mulka und andere" hat nicht nur ein Sonderkapitel in der Geschichte der deutschen Strafjustiz geschrieben, sondern mit seiner Fortwirkung sowohl der wissenschaftlichen Erkenntnis gedient als auch - und dies vor allem - das Gedächtnis der Opfer zur Sprache gebracht.

 

Die geplante Ausstellung ist bemüht, dem Anliegen und Anspruch des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer zu entsprechen, dessen 100. Geburtstag in diesem Sommer in Frankfurt gefeiert wurde. Daher genügt es nicht, die damaligen Vorgänge zu rekonstruieren. Es soll auch gezeigt werden, welche Folgen es hatte, dass im Verfahren „gegen Mulka und andere" erstmals von Experten das bis dahin von der historischen Wissenschaft erarbeitete Bild des Holocaust präsentiert werden konnte; dass bedeutende Literaten sich des Themas - endlich - annahmen; dass die Überlebenden, die Opfer begannen, selber zu erzählen und zu bezeugen.

Was im Einzelnen geplant und vorbereitet wurde, kann hier nur angedeutet werden. Man wird erfahren, wie Hitler den Antisemitismus gepredigt hat, wie die „Endlösung" Schritt für Schritt in Gang gesetzt wurde, wie die Komplizen und Schergen des NS-Regimes zusammenwirkten, damit eine förmliche Vernichtungsindustrie zustande kam. Man wird Himmler, Göring, Goebbels, Heydrich, Rudolf Höß und Adolf Eichmann sehen und hören; man wird den Auschwitz-Prozess einordnen und vergleichen können mit den Gerichtsverfahren der Alliierten (in Nürnberg), dem Höß-Prozess in Krakau, dem Eichmann-Prozess in Jerusalem. Man wird die Frage aufwerfen, was die internationale Rechtsordnung dadurch und seither gewonnen hat, was insbesondere die deutsche Strafjustiz für Folgerungen daraus gezogen hat.

Natürlich wird an erster Stelle eine Rekonstruktion des Prozesses im Haus Gallus (von 1964 bis 1965 Schauplatz der Verhandlung, die im Frankfurter Rathaus „Römer" eröffnet worden war) entstehen. Am Beispiel von sieben (der 17 verurteilten, drei wurden freigesprochen) Auschwitz-Verbrechern, deren Biographie und Personalität möglichst eingehend ermittelt wurden, wird man einiges über die „Psychologie" der SS, einiges zur Struktur/Methodik der totalen Herrschaft und zur Organisation der Konzentrationslager erfahren. Und man wird davon neben der verbalen auch eine bildliche sowie eine akustische Demonstration bekommen. Man wird sowohl die Täter, die Mörder und Mordgehilfen, wie Mulka und Boger, Kaduk und Stark, hören als auch von den überlebenden Opfern die fürchterliche Wahrheit über Auschwitz erfahren.

Schließlich nahm man mit jungen Künstlern Kontakt auf und führte intensive Gespräche zur aktuellen Auseinandersetzung mit dem Thema Auschwitz. Die Künstler kommen aus den USA und Kuba, aus Israel, Belgien, Italien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Dänemark und Deutschland. Dreizehn sind bis jetzt eingeladen.

 

Wer Rückfragen oder Interesse an der Ausstellung hat, die vom 25.3.-23.5.2004 im Haus Gallus, Frankenallee 111, Frankfurt/Main zu sehen ist, wende sich bitte an:

Fritz Bauer Institut
Dagi Knellessen
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069-798322-29; Fax -41
E-Mail: d.knellessen@fritz-bauer-institut.de

Die Ausstellung kann sowohl durch eine Spende als auch durch den Kauf einer Büste von Fritz Bauer (Auflage 100, Preis 500 EUR), angefertigt von der Münchner Künstlerin Sylvia Schreiber, unterstützt werden. Spendenkonto bei der:

Frankfurter Sparkasse
BLZ 500 502 01
Kt.-Nr. 200 308 670
(Spendenquittungen werden zugeschickt.)

 

AsKI KULTURBERICHTE 3/2003

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