Eröffnung der Gedenkstätte für Walter Benjamin und die Exilierten der Jahre 1933 - 1945 in Portbou

Titelbild KULTURBERICHTE 2/94: Dani Karavan, <Passagen> (Eingang zum Korridor) Gedenkort für Walter Benjamin und die Exilierten der Jahre 1933 - 1945, Portbou 1994, Foto: Frank Mihm, Kassel

Schwerer ist es das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten. Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin

Dieses Zitat Walter Benjamins aus dem ersten Band seiner Gesammelten Schriften (G.S. 1, 1241), eingraviert auf eine Glasplatte am Ende von Dani Karavans stählernem Korridor zum Meer, bildete das Motto der feierlichen Eröffnung des Gedenkorts in Portbou, der in der Trägerschaft des AsKI für Walter Benjamin und das Exil der Jahre 1933 bis 1945 entstanden ist und am 15. Mai der Öffentlichkeit übergeben wurde. Dani Karavan machte in seiner Eröffnungsansprache deutlich, daß seine Form gewordene Ehrung Walter Benjamins nicht im Sinne eines Denkmals zu verstehen sei, vielmehr als Zeichen einer Hommage, die eine vorsichtige und fragmentarische Annäherung an einen der größten Denker dieses Jahrhunderts und sein besonderes Schicksal versuche. Dabei solle sein Kunstwerk offen sein für ein Eingedenken im Benjaminschen Sinne: Das fordere die Gegenwart zu Toleranz und Verständigung mit Flüchtlingen und Emigranten auf, insbesondere auch zur Solidarität mit den namenlosen Opfern des Bosnien-Krieges.

Dani Karavan, Gedenkort für Walter Benjamin in Portbou, Eröffnung am 15. Mai 1994, Foto: Roman Mensing, Münster

Solidarität der Demokraten gegen wiederaufkeimenden Rechtsradikalismus und ausgrenzenden Nationalismus forderten übereinstimmend auch die übrigen Festredner: die Ministerpräsidenten Hans Eichel und Erwin Teufel sowie der katalanische Präsident Jordi Pujol. Übereinstimmend mit dem Bürgermeister von Portbou, Francisco Martínez-Díaz, und dem Vertreter des AsKI, Konrad Scheurmann, machte der katalanische Präsident deutlich, daß die Eröffnung des bewegenden Kunstwerks von Dani Karavan zwar den Endpunkt der Arbeiten und der Auseinandersetzungen um dieses Werk bedeute, gleichzeitig aber den Beginn einer übernationalen Anstrengung für Portbou als einen Ort, als ein Sinnbild für eine weitgespannte Diskussion über Toleranz und Verständigung darstellen solle. Die Notwendigkeit einer solchen Initiative unterstrichen spanische Überlebende des KZ Mauthausen bereits durch ihre stumme Anwesenheit.

Dani Karavan, Gedenkort für Walter Benjamin in Portbou am 15.5.1994, Korridor - Blick auf den Meeresstrudel durch die abschließende Glasscheibe mit Benjamin-Zitat, Foto: Roman Mensing, Münster

Durch ein Grußwort erinnerte der Initiator des Gedenkortes, Herr Bundespräsident Richard von Weizsäcker, an "Walter Benjamin, diesen großen humanen Denker". Grußbotschaften des israelischen Außenministers Shimon Peres, der israelischen Kulturministerin Shulamit Aloni, der Präsidenten der UNESCO, Federico Mayor, und der Menschenrechtsorganisation Fédération Internationale des Ligues des Droits de l'Homme, Daniel Jacoby, von Abgeordneten des deutschen Bundestages dokumentierten neben zahlreichen Vertretern der internationalen Medien und Persönlichkeiten der Kultur und Kulturpolitik im sommerlichen Portbou die internationale Verbundenheit mit dieser strengen und konzentrierten Erinnerung an das Schicksal von namenlosen und berühmten Opfern des Faschismus und ihre implizite Aufforderung zum Frieden.Prof. Dr. Michael Benjamin, Lisa Fittko, Dani Karavan, Dr. Arthur Lehning am 15.5.1994 in Portbou, Foto: Roman Mensing, Münster

In Anwesenheit der Ehrengäste Mrs. Lisa Fittko - Benjamins Fluchthelferin über die Pyrenäen -‚ Helga Prinzessin zu Löwenstein und Dr. Volkmar von Zühisdorif als Repräsentanten der Flüchtlingshilfeorganisation "American Guild", Dr. Arthur Lehning und von Familienangehörigen Walter Benjamins sowie zahlreichen interessierten Bürgern aus Portbou setzten ein Vortrag von José Maria Valverde, Barcelona, und von Lisa Fittko am Nachmittag im Rahmen einer Lesung von Gedichten zum Exil den Beginn einer Kulturarbeit über Grenzen.

Dr. Konrad Scheurmann
Geschäftsführer des AsKI

Danksagung

Der Gedenkort zur Erinnerung an Walter Benin ist eröffnet und findet international große Anerkennung, wie die unerwartet große Resonanz in der Tages- und Fachpresse sowie in Fernsehen und Hörfunk zeigen. Für den AsKI waren das fünf Jahre intensiver Arbeit, die neben Realisierung des Gedenkortes auch die Erarbeitung einer umfangreichen Ausstellung zu Walter Benjamin und dem Gedenkprojekt sowie die Herausgabe des Buches "Für Walter Benjamin" bedeutete, das mittlerweile in vier Sprachen übersetzt ist.

Eröffnung des Gedenkortes für Walter Benjamin in Portbou am 15.5.1994: Hans Eichel, Ministerpäsident des Landes Hessen richtet ein Grußwort an die Gäste, Foto: Roman Mensing, Münster
Zum Abschluß dieses so bedeutungsvollen Projektes möchte ich all denen Dank sagen, die zum Gelingen beigetragen haben. Für die Finanzierung des Kunstwerkes ist in erster Linie den Ministerpräsidenten der Bundesländer, die hier-die Initiative ergriffen haben, zu danken, vor allen Herrn Teufel und Herrn Eichel, aber auch dem Präsidenten von Katalonien, Herrn Jordi Pujol der sich mit einem großen Betrag an der Finanzierung beteiligt hat. Dem Bürgermeister von Portbou, Herrn Martínez-Díaz, sowie der Gemeinde Portbou insgesamt für die freundliche Unterstützung und ausgezeichnete Kooperation ebenso mein Dank wie den Architekten Pere Gaspar i Farreras und Jan Störmer, den Firmen in Figueras, Llanca, Darnius und Portbou für ausgezeichnete und qualitätvolle Arbeit.

Eröffnung des Gedenkortes für Walter Benjamin in Portbou am 15.5.1994: v.l.n.r.: Erwin Teufel, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Dr. Waldemar Ritter, BMI, Helga Prinzessin zu Löwenstein, Foto: Roman Mensing, Münster

Ich danke auch all jenen, die aus privatem Engagement oder aus ihrer Funktion in Kultur und Kulturpolitik das vom Bundespräsidenten angeregte mit Sympathie begleitete Projekt durch Spenden oder ideelle Förderung gestützt haben. Ganz besonders möchte ich aber Frau Dr. Ingrid Scheurmann und Herrn Dr. Konrad Scheurmann für ihr unermüdliches und kämpferisches Engagement danken, mit dem sie, unterstützt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der AsKI-Geschäftsstelle, Ausstellung, Publikation und Gedenkort konzeptionell erarbeitet, durchgesetzt und organisiert und mit dem Künstler Dani Karavan, dem ebenfalls mein uneingeschränkter Dank für sein ausgezeichnetes Kunstwerk gilt, gemeinsam und überzeugend zum Erfolg geführt haben.

Helga Prinzessin zu Löwenstein, Dr. Volkmar v. Zühlsdorff am 15.5.1994 in Portbou, Foto: Roman Mensing, Münster

Mit dem erfolgreichen Abschluß dieses Projektes hat der AsKI international Bekanntheit und Ansehen gewonnen. Dies setzt aus meiner Sicht Maßstäbe für die künftige Arbeit.

Dr. Sieghardt v. Köckritz
Vorsitzender des AsKI

Dani Karavan, Gedenkort für Walter Benjamin in Portbou, Plattform mit Sitz hinter dem Friedhof, Foto: Roman Mensing, Münster

Zusammenspiel des sinnlich Wahrnehmbaren und des Gedanklichen, des Materiellen
des Ideellen, das die Kunst und das gesellschaftliche Leben der Gegenwart wie nie
or prägt, wurde von Walter Benjamin vorempfunden und für uns vorgezeichnet. Die
sage der Zeiten war für ihn offen. Er hat sie gegen alle Widerstände durchquert.

Zitat aus dem Grußwort Richard von Weizsäckers zur Eröffnung des Gedenkorts


AsKI KULTURBERICHTE 2/1994

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