Ein Toast auf den Toaster!

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Eine Ausstellung zu Technikgeschichte und Design der Toaster und zur Geschichte des Toastbrotes im Deutschen Brotmuseum Ulm

Für die einen sind sie Auslöser von Wohlgefühl, für die anderen einfach nur Grund für den ersten Ärger am Tag: Toaster. Alltagsgegenstand und Kultobjekt zugleich, die Vielfalt der Brotröster ist unerschöpflich. Seit wann gibt es geröstetes Brot und welche Hilfsmittel benutzten die Menschen vor Einführung der Elektrizität? Wie stellt man es an, daß der Toast "genau richtig" wird? Und schließlich: was haben ein Röstbrot und ein Trinkspruch gemeinsam? Reisende durch die Welt der Toasts und Toaster erleben viele Überraschungen...

Röstbrot - seit wann?

Erster in Serie produzierter elektrischer Toaster (mit Blumendekor), dritte Version, Einstecktoaster D-12 III, General Electric, USA, 1911, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmBereits in der Bibel wird geröstetes Brot erwähnt. Seine Wertschätzung zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch Länder und Epochen. Im Alten Ägypten und antiken Griechenland wurde Brot weniger aus aromatischen Gründen geröstet, sondern um es durch Austrocknen länger haltbar zu machen (Zwieback). Als Zwieback konnte Brot besser aufbewahrt werden. Erst später entwickelte sich geröstetes Brot wegen seines Aromas zur Delikatesse. Vermutlich brachten die Römer das geröstete Brot nach Britannien, wo es sich im Laufe der Jahrhunderte kultivierte. Schließlich führten es englische Siedler in Amerika ein.

Gut gefrühstückt? Drei von Hundert nehmen Toast

Klapptoaster, Prometheus Typ 02, Deutschland, 1910-1927, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmToastbrot - so wie wir es heute kennen - gibt es seit Mitte der 1950er-Jahre in Deutschland. Mit Hilfe einer Vermarktungsorganisation amerikanischer Weizenproduzenten und deutscher Toastgerätehersteller wurde Toast als gehobene und "praktische" Brotmahlzeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mit einem hohen Werbeaufwand populär gemacht. Toast ist ein feines Weizenbrot aus einem Mehl mit besonders hohem Eiweißgehalt. Durch den Zusatz von Milch, Fett und Zucker (bis zu 10% insgesamt) entstehen beim Erhitzen im Toaster die Röststoffe, die dem Toast den typischen Geruch und Geschmack verleihen. Qualitätsmerkmale des rechteckigen, ebenmäßig geformten Kastenbrotes sind die schwach ausgeprägte Kruste und die ebenmäßig-feinporige Struktur der Krume.

Die perfekt getoastete Brotscheibe - wie geht das?

Das Lebensmittel-Lexikon Leipzig 1979 verrät, wie die "gold- bis dunkelbraun gefärbte Brotscheibe von zartknuspriger Oberfläche und röstaromatischem Geschmack" entsteht. "Bei Gebrauch eines handelsüblichen Röstapparates (Toasters) beträgt die zum Toasten (250 -260°C) benötigte Zeit bei zweiseitiger Hitzeeinwirkung etwa 1,5 - 2 min. und bei einseitig beheizter Toastplatte 2 - 2,5 min."

Toastbrot wird in Deutschland meist industriell hergestellt. Über 90 Prozent des Toastbrotmarktes wird von der Backwarenindustrie bedient. In Europas größter Toastbrotfabrik in der Nähe Stuttgarts laufen täglich 200.000 Brote vom Band. Nach dem Backen gelangen dort die Brote in einen Reinluftraum, in dem sie gekühlt, geschnitten und in Folie verpackt werden. Ein solches Verfahren ermöglicht den Verzicht auf Konservierungsstoffe, die vom Verbraucher heutzutage meist abgelehnt werden.

Vom Bäcker hergestelltes Toastbrot hat einen Marktanteil von etwa 8 Prozent. Es wird nach dem Backen, Abkühlen und Schneiden in einer Spezialfolie aus Polypropylen noch einmal für etwa 90 Minuten in der Backkammer auf 110 Grad Celsius erhitzt. Auch damit wird eine Mindesthaltbarkeit von vier Wochen ohne den Zusatz von Konservierungsstoffen garantiert. Für Toastbrot wird in aller Regel ein spezielles Weizenmehl der Type 550 T (für Toast) verwendet. Im Angebot ist aber auch Vollkorn- und Dreikorntoast. Vornehmlich die handwerkliche Bäckerei bietet dazu eine Reihe von "Geschmacksrichtungen" durch Zusätze von Buttermilch bis Sonnenblumenkernen.

Der heiße Draht zum Erfolg

Wendetoaster Royal Rochester, E 641028, Robeson Rochester Corporation, USA, 1920er-Jahre, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmVor Nutzung der Elektrizität wurde Brot vor dem offenen Feuer oder über glühenden Kohlen geröstet. Hierzu verwendete man die unterschiedlichsten Hilfsmittel wie Gabeln, Zangen, Roste und Pfannen. 1893 wurde auf der "World's Columbia Exposition" in Chicago die erste elektrische Küche vorgestellt - allerdings enthielt sie noch keinen Toaster.

Ein Problem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst: die Entwicklung eines geeigneten Wärmeelements. Zum Brotrösten benötigte man einen Draht, der schnell und oft hintereinander zum Glühen gebracht werden konnte, ohne porös oder brüchig zu werden. Der junge Ingenieur Albert Marsh entwickelte im März 1905 einen Draht aus einer Nickel-Chrom-Verbindung, mit dem er den Weg zur Entstehung der ersten elektrischen Toaster ebnete. 1909 ging der erste uns heute bekannte elektrische Toaster, ein Einstecktoaster, in Serienproduktion. Sein Konstrukteur war Frank Shailor von der Firma "General Electric", USA. Beinahe zeitgleich brachten AEG und Rowenta in Deutschland elektrische Brotröster auf den Markt, vermutlich nach amerikanischem Vorbild.

Die Elektrifizierung der Städte in den 1920er- und 1930er-Jahren führte zu einem Boom in der Entwicklung elektrischer Haushaltsgeräte. So kann in diesen Jahrzehnten auch die größte Vielfalt an Toastertechniken beobachtet werden: Einstecktoaster aus simplen Metallgestellen neben prachtvollen Porzellanversionen; Klapptoaster, deren Klappen die Brotschnitte einfach nur festhielten, sog. Klemmtoaster, oder aber beim Öffnen gleich wendeten, sog. Wendetoaster; Drehtoaster und Karusselltoaster, deren Brotkorb mit einer Schwungbewegung um die eigene Achse gedreht werden konnte; tischähnliche Flachbett- und Kombinationsröster; Kipptoaster, deren Korb durch Antippen im Gerät verschwand und heraussprang; Einschubtoaster mit aufrechter Schublade und mechanische Durchfahrtoaster, die mit einem Zahnrad oder Motor angetrieben wurden; Springtoaster, die den Toast nach oben - sog. "Pop-ups" - oder nach unten herauswarfen. Viele Toastertypen wurden nach einiger Zeit wieder aufgegeben. Dies lag zum einen an der geringen Wirtschaftlichkeit einzelner Modelle. Zum anderen taten Erster Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise 1929 ihr Übriges. In Deutschland wurde die Herstellung von Haushaltsgeräten 1939 zugunsten der Kriegsgüterproduktion rapide gesenkt. Schließlich stellte man sie hier bis Ende des Zweiten Weltkrieges gänzlich ein.

Rowenta. 1950 - "Kennen Sie Toast?"

Wendetoaster 247421 Satrap (für AEG), Deutschland ab 1945, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmNach 1945 wurde die Toasterherstellung langsam wieder aufgenommen. AEG und Rowenta stellten zunächst Modelle aus der Vorkriegszeit her.

Mit der Gründung der beiden deutschen Republiken 1949 teilte sich auch die Produktionsentwicklung der Haushaltsgeräte. Bereits 1950 hatte die Bundesrepublik den Vorkriegszustand der Produktivität des ehemaligen Deutschen Reiches erreicht. Da die Toasterproduktion in Amerika trotz des Krieges in beschränktem Maße fortgeführt werden konnte, übernahmen Toasterhersteller in Deutschland die in den 1940er-Jahren in den USA entwickelten typischen Stromlinienformen. Diese Formgebung wurde in der Bundesrepublik bis in die Mitte der 1960er-Jahre beibehalten.

"Pop-ups" waren bis Ende des 2. Weltkrieges nur in den USA üblich. Erst durch den amerikanischen Einfluss etablierten sich diese vollautomatischen Toaster in der Bundesrepublik und mit ihnen die Toastkultur. In Deutschland hatte sich das Prinzip des Klapptoasters durchgesetzt, d.h. der manuellen bzw. halbautomatischen Geräte. Hatte man hier gewöhnlich von Brotröster, geröstetem Brot und Röstbrot gesprochen, so war nun mit der Einführung des "Pop-ups" von Toastern, Toast und Toastbrot die Rede. Beide Techniken liefen parallel.
In der DDR wurden Haushaltsgeräte nur sparsam hergestellt und erfuhren keine weiteren technischen Entwicklungen. Die Brotröster blieben vergleichsweise bescheiden und unauffällig. Das Prinzip des Klapptoasters war hier der gängige Typus, dessen Aussehen und Technik über mehrere Jahrzehnte beibehalten wurde.

Anfang der 1960er-Jahre kam in der Bundesrepublik eine neue Bewegung in das Design von Haushaltsgegenständen: der Funktionalismus. Die Geräte der Firma Braun sollten durch Ihre funktionale Einfachheit und die Reduktion auf das Wesentliche zum Kauf anregen. Schnell wurden diese hochwertigen Modelle von anderen Firmen aufgegriffen und zu geringeren Preisen angeboten. Marktforscher meldeten 1969 steigende Tendenz: Das Interesse der Deutschen am Toaster wuchs, jeder 4. Haushalt in Deutschland besaß nun schon einen!

Von der Stromlinie zur Pril-Blume

Drehtoaster, Universal E 9411 Landers, Frary & Clark, USA, um 1928, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmMit dem Übergang von den voluminösen Formen der 1950er-Jahre zu den konzentrierten Geräten des Funktionalismus und der darauf folgenden hohen Produktionsrate änderte sich in den 1970er-Jahren auch der Bezug des Konsumenten zu seinen Küchengeräten. Immer mehr Haushalte legten sich einen Toaster zu. Er war nun nicht mehr Luxusartikel, sondern Selbstverständlichkeit. Der Massenkonsum erreichte auch den Toaster. Klapptoaster waren in der Bundesrepublik nicht mehr gefragt. Der "Pop-up" war der Toaster schlechthin.

Die wesentliche Entwicklung im Aussehen der Toaster beschränkte sich auf die Farbgebung der Geräte. Die bisher üblichen chromblitzenden Gehäuse wichen bunten Ummantelungen, hierbei verwendete man hauptsächlich die Farben Braun, Beige, Orange und Gelb. Motive wie Blumen und Bäume wurden auf die großflächigen Seiten appliziert, sie passten sich dem Pril-Blumen-Stil mühelos an. Zunächst bestand das Gehäuse weiterhin aus Metall, doch kamen Ende der 1980er-Jahre vermehrt Kunststoffummantelungen auf.

Durch kleine technische Zusätze wurden in den 1990er-Jahren die Funktionen des Toasters erweitert, aber nicht wesentlich verändert. Wichtiger wurde mit der Zeit die Besonderheit der Form. Nach dem Vorbild der Autoindustrie erhielten die technischen Geräte runde, windschnittige Formen, die den Gedanken an Schnelligkeit und Präzision aufkommen lassen. Dieser Designtransfer ist schon aus den 1950er-Jahren bekannt, als sich die amerikanischen Stromlinienformen in den Alltagsgegenständen widerspiegelten.

Heute können in Deutschland drei augenfällige Designrichtungen bei Toastern verfolgt werden: 1. Geräte der 1950er-Jahre werden nachgeahmt. 2. Das Prinzip der Stromlinien wird weitergeführt, bis die eigentliche Funktion des Gerätes nicht mehr zu erkennen ist. 3. Das Gerät wird zum Spielzeug umgestaltet. In der ersten Kategorie besteht das Gehäuse aus Chrom, Aluminium oder metallfarbenem Kunststoff. Die anderen Typen zeichnen sich bei ihren Kunststoffgehäusen hauptsächlich durch monochrome Modefarben in Pastelltönen, Indigoblau, Schwarz oder Weiß aus oder sind mit verspielten bunten Elementen versehen. Zubehör zu den Geräten, wie Schablonen, mit dem freundliche Grüße zum Frühstück oder Geburtstagswünsche in den Toast eingebrannt werden können, machen ihr Benutzen zum spielerischen Erlebnis.

Möchten Sie wissen, wie das Wetter wird? Fragen Sie ihren Toaster!

Es sieht so aus, als habe sich die Technik der Toaster in den letzten Jahren nicht wesentlich weiterentwickelt, doch der Schein trügt. In den Medien häufen sich die Meldungen, in denen über Kombinationen von Haushaltsgeräten und Mikrokontrolltechnik berichtet wird. Dies ist das folgerichtige Resultat der Vernetzung anderer elektrischer Geräte.

Glastoaster, eines der Konzeptprodukte des Projektes La Casa Prossima Futura entworfen und ausgeführt von Philips Design Eindhoven, Niederlande, Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm, Foto: Deutsches Brotmuseum UlmVerschiedene Meldungen kursierten in der letzten Zeit in den Medien. Danach haben erfolgreiche Versuche stattgefunden, bei denen Informationen über PC und Internet an einen Toaster weitergegeben und Nachrichten in den Toast eingebrannt wurden, z.B. ein Sonnensymbol für schönes Wetter.

"Voice control" - die Steuerung von Geräten mittels menschlicher Stimme oder mit Geräusch allgemein soll auch die Zukunft des Toasters sein: Vielleicht stellt der Konsument morgens nicht mehr den Drehknopf von Röststufe 3 auf 2. Dann könnte sich in der Küche folgender Dialog abspielen: "Toast." - "Wie stark?" - "Mittel." - "Benutze mittelstark. Versenken ... Hochfahren - Fertig!" Ein Test in dieser Richtung wurde 1996 von amerikanischen Studenten erfolgreich durchgeführt.

In der Computerbranche hat das Wort "Toaster" eine neue Bedeutung erhalten. Werden größere Datenmengen auf Computer-Disks gespeichert - "gebrannt" -, so wird dieser Vorgang immer häufiger "toasten" genannt. Folgerichtig ist der CD-Brenner der "Toaster". Abschließend soll auf das Projekt "La Casa Prossima Futura" (Das Haus der nahen Zukunft) der Firma Philips Design hingewiesen werden. Es handelt sich hierbei um eine Zukunftsvision von Dingen des täglichen Lebens. Der (automatische) gläserne Toaster gehört zu den bemerkenswertesten Stücken. Sieht er nicht ein bisschen so aus wie die ersten elektrischen Toaster?

In der Ausstellung "Ein Toast auf den Toaster!" zeigt das Deutsche Brotmuseum Ulm vom 15. September bis 11. November 2001 ca. 130 Exponate aus seinem Bestand, dazu Leihgaben anderer Museen und privater Sammler.

Annette Hillringhaus / Monika Machnicki

 

Die Ausstellung "Ein Toast auf den Toaster! Eine Ausstellung zu Technikgeschichte und Design der Toaster und zur Geschichte des Toastbrotes" kann vom Deutschen Brotmuseum Ulm gegen Übernahme von Transport- und Versicherungskosten sowie Spesen für die Ausstellungsbegleitung ab Mitte Dezember ausgeliehen werden. Nähere Informationen unter Tel. 0731/69955.
Annette Hillringhaus M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Brotmuseum Ulm
Monika Machnicki M.A. ist Leiterin des Deutschen Brotmuseums Ulm

AsKI KULTURBERICHTE 2/2001

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