Bürgerschaftliches Engagement für AsKI-Institute: Beethoven-Haus Bonn - Bürgerschaftliches Engagement bei wichtigen Baumaßnahmen

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Der Verein Beethoven-Haus trägt seit 1889 Sorge für Beethovens Geburtshaus. Ohne die Tatkraft jener 12 Bonner Bürger, die den Verein gründeten, um das Geburtshaus vor dem Abriss zu bewahren, würde dieses wohl gar nicht mehr existieren.

 

Schon 1889-1893, dann 1935-1937, 1969 und zuletzt 1994-1996 waren mehr oder weniger umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an diesem Gebäude nötig.

Ludwig van Beethoven, Kupferstich von Johann Joseph Neidl (1774/76-1805) nach einer Zeichnung von Gandolph Stainhauser von Treuberg, Wien 1801, © Foto: Beethoven-Haus Bonn Die Restaurierung der Jahre 1994-1996 war die bisher umfassendste denkmalpflegerische Maßnahme.(1) Da das Beethoven-Haus in seinem institutionellen Haushalt keinerlei Mittel zur Verfügung hatte, um diese ca. 3,2 Mio. DM teure Maßnahme zu finanzieren, war es auf breite Unterstützung angewiesen. Amtlich zuständige Stellen wie das Bundesinnenministerium, das Land Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverband Rheinland, die NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz trugen maßgeblich zur Realisierung und zum Gelingen dieses Projektes bei. Der Verein musste und wollte dennoch über 1 Mio. DM einwerben und auf diesem Wege zusätzlich eine möglichst breite ideelle Basis für den Verein in der Zukunft schaffen. Daher wurde eine groß angelegte Spendenaktion unter dem zunächst durchaus umstrittenen, später aber sogar preisgekrönten Motto "Wer rettet mein Geburtshaus?" initiiert, die sich als ebenso arbeits- wie erfolgreich erwies. Von Straßensammlungen, bei denen einige führende Mitarbeiter des Hauses persönlich Spenden von 50 Pfennig bis 20 DM einwarben, bis hin zu einem Benefizkonzert von Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis, das brutto über 270.000 DM einbrachte, gab es eine ganze Reihe von Initiativen.

Autographe Fagottstimme zu Beethovens Ouvertüre >Die Weihe des Hauses< op. 124, © Foto: Beethoven-Haus Bonn Am "einträglichsten" und erfolgreichsten erwiesen sich die Benefizkonzerte, mit denen schon Beethoven selbst Bedürftigen seiner Zeit zu helfen bemüht war. Eine spontane Zusage des argentinischen Pianisten und ausgezeichneten Beethoven-Interpreten Bruno Leonardo Gelber war die Initialzündung zu einer Vielzahl von Konzerten, für die sich bedeutende Künstler wie Igor Oistrach, Takahiro Sonoda (er gab ein Benefizkonzert in der Suntory Hall, Tokyo), Lars Vogt, das Orchester der Beethovenhalle und viele andere bereit erklärten. Dem schloss sich auf Initiative des damaligen luxemburgischen Botschafters Dr. Adrien Meisch ein Benefizkonzerte-Zyklus an, dessen Erträge ebenfalls der Restaurierung des Geburtshauses zugute kamen. Die dabei entstandene Konzertreihe "Beethoven International", in der viele Länder ihre Art, Beethoven zu interpretieren, vorstellen und deren Programme zusätzlich musikalische Zeitgenossen Beethovens oder auch aktuelle Komponisten aus den jeweiligen Ländern einbeziehen, die auf Beethovens Musik Bezug nehmen, besteht bis auf den heutigen Tag und dient nunmehr der Förderung der Beethoven-Pflege im Ausland.

Unterstützung erhielt das Beethoven-Haus damals ferner von zahlreichen Stiftern, Patronen und Sponsoren. In Japan wurde sogar von dortigen Beethoven-Verehrern eine eigene kleine Spendenaktion gestartet. Zusätzlich wurden Einnahmen durch eine große Beethoven-Ausstellung erzielt, die während der Zeit der Schließung des Museums in Nagasaki und Tokyo gezeigt wurde.

Derzeit sind wir wieder genötigt, für die dringende Sanierung des direkt neben dem Beethoven-Haus gelegenen Hauses "Im Mohren", das außerdem das sog. "Digitale Beethoven-Haus" aufnehmen soll, um Unterstützung zu bitten. Mitte 2004 soll die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes abgeschlossen sein.

Das Digitale Beethoven-Haus wendet sich an die Besucher des Beethoven-Hauses (und online unter www.beethoven-haus-bonn.de an die ganze musikalische Welt). Es wird die Möglichkeit bieten, sich anhand der weltweit größten und vielseitigsten Beethoven-Sammlung, die in einem digitalen Archiv erfasst und erschlossen ist, im "Digitalen Salon" von Computerterminals aus 5.000 Dokumente und 2.700 Audiodaten in höchster Qualität (im Internet in reduzierter Qualität) einzusehen und anzuhören und sich auf diese Weise intensiv mit Leben und Werk Beethovens auseinander zu setzen. Dabei wird u.a. auch das music&score-Verfahren Anwendung finden. Zusätzlich wird mittels einer in ein mittelalterliches Kellergewölbe eingebauten "Virtuellen Installation" Beethovens Musik mit modernster Computertechnik visualisiert, dabei werden auch über dreidimensionale Computergrafik und Sound-Wiedergabe musiktheoretische, dramaturgische und kulturhistorische Strukturen des Werks offen gelegt.

Gewölbekeller Juli 2003, © Foto: Beethoven-Haus Bonn Die Kosten von insgesamt 4,8 Mio. € für dieses zukunftsweisende Projekt (davon 1,6 Mio € für die Baumaßnahme) werden hauptsächlich vom Bund und von der Stadt Bonn aus Ausgleichsmitteln nach dem Bonn-Berlin-Gesetz getragen. Um den beträchtlichen Eigenanteil des Beethoven-Hauses aufzubringen, wurde wiederum eine Benefizkonzert-Reihe ins Leben gerufen, dank der freundlichen Zusage bedeutender Künstler: Das Artemis-Quartett, das Trio Jean Paul, Evgeni Koroliov, Matthias Kirschnereit, András Schiff, Heinrich Schiff und Stefan Vladar stellen sich erneut ohne Honorar zur Verfügung. Diese Konzertreihe wird bis Anfang 2005 fortgeführt. Der finanzielle Ertrag der in dem architektonisch wunderbaren, aber leider nur 199 Personen fassenden Kammermusiksaal H. J. Abs veranstalteten Konzerte wächst dadurch beträchtlich, dass Förderer und Sponsoren (teils auch mehrere gemeinsam) für je ein Konzert die Patenschaft übernehmen. Sie spenden aus Anlass des Konzertes 50.000,- € und können dafür ihre Gäste zu diesem Konzert einladen. Die wichtigste Tageszeitung der Bundesstadt Bonn, der General-Anzeiger, die IVG-Immobilien-AG sowie die Stadtwerke Bonn mit Partnern haben es sich nicht nehmen lassen, für Konzerte die Patenschaft zu übernehmen. Weitere Paten werden noch gesucht. Zweifelsohne kann man sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als mit der Musik Beethovens, interpretiert von herausragenden Künstlern, maßgeblich dazu beitragen zu können, dass das Erbe Beethovens gerade in seiner Heimatstadt angemessen gepflegt und lebendig gehalten wird. In Zeiten, in denen die Kulturförderung der öffentlichen Hände in die Krise geraten ist, darf keine Gelegenheit verpasst werden, bürgerschaftliches Engagement, das die Grundlage des Vereins Beethoven-Haus und vieler anderer Mitgliedsinstitute des AsKI ist, anzuregen, zu erhalten und wirksam werden zu lassen.

(1) Siehe: Das Beethoven-Haus in Bonn. Bericht über seine Restaurierung1994-96, hrsg. von Michael Ladenburger, Bonn 1996

 

Michael Ladenburger

Dr. Michael Ladenburger ist Leiter des Museums und Kustos der Sammlungen des Beethoven-Hauses

 

 

Stiftung Beethoven-Haus Bonn

Der Verein Beethoven-Haus mit über 1.000 Mitgliedern als Träger des Gesamtensembles Beethoven-Haus wird bei der Erfüllung seiner Aufgaben von der öffentlichen Hand (Bund, Land Nordrhein-Westfalen, Bundesstadt Bonn) unterstützt. Diese öffentlichen Mittel haben einen Anteil von 40 % am Gesamthaushalt. Der größere Anteil von 60 % wird aufgebracht durch Drittmittel, Mitgliedsbeiträge, private Spenden und eigenwirtschaftliche Aktivitäten.

Die 1999 gegründete, rechtlich selbständige Stiftung Beethoven-Haus hat den Zweck, die heutigen neuen Aufgaben und Aktivitäten, die von der öffentlichen Hand nicht zusätzlich finanziert werden können, zu unterstützen.

Hierzu zählen insbesondere neue Vermittlungsformen im Museum, Sammlungserwerbe, Sonderveranstaltungen im Kammermusiksaal, die Präsentation von Arbeitsergebnissen im Internet, Projekte in der internationalen Zusammenarbeit sowie eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Eine Verstetigung der Förderung sowie die Umsetzung längerfristig angelegter Projekte ist nur zu erreichen, wenn die Stiftung über ein ausreichend hohes Stiftungskapital verfügt. Dieses wird u. a. durch Benefiz-Konzerte aufgestockt.



 

AsKI KULTURBERICHTE 2/2003

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