Tod und Sterben, Bestatten und Erinnern, das sind die zentralen Themen, mit denen sich das in Deutschland einzigartige Museum für Sepulkralkultur beschäftigt. Es ist das jüngste Museum in Kassel und wurde 1992 eröffnet. Der Begriff „Sepulkralkultur“, der sich vom lateinischen sepulcrum ableitet und „Grabkultur“ bedeutet, erfährt hier eine thematische Erweiterung, insofern alle kulturellen Erscheinungen, die sich in Zusammenhang mit den „letzten Dingen“ entwickelt haben, berücksichtigt werden. Das Museum konzentriert sich geografisch auf den mitteleuropäischen Raum und zeitlich auf die Epoche zwischen ausgehenden Mittelalter, der beginnenden Neuzeit und der Gegenwart. Inhaltlich wird historisches Totenbrauchtum in einer Dauerausstellung mit gegenwärtigen Entwicklungen in Beziehung gesetzt, nicht zuletzt, um zu zeigen, dass in jüngster Zeit neben der „Anonymisierung“ und „Tabuisierung“ individuelle Gestaltung und Selbstbestimmung im Umgang mit Sterben und Tod wieder an Bedeutung gewinnt.
Kann die Dauerausstellung die komplexe Thematik des Totenbrauchtums und Totengedenkens in ihrer ganzen Bandbreite nur anreißen, fokussieren die zahlreichen Sonderausstellungen Detailaspekte, hierzu zählen Karikaturen (1992), die Geschichte des Sarges (1993), Trauerschmuck vom Barock bis zum Art Deco (1995), der Monumentale Totentanz (1998), die Geschichte des Totentransportes (1999), Totenmasken (2000) aber auch Spiele, Tod und Jenseits (2003) und die Geschichte des Bestatterberufes (2006), um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Das Zentralinstitut für Sepulkralkultur betreibt Grundlagenforschung durch wissenschaftliche Untersuchungen zu historischen Friedhöfen, Grabzeichen, ereignis- und personenbezogenen Denkmälern und Bestattungsbrauchtum ebenso wie durch prospektive Erforschung von Entwicklungstrends, die zum Teil Niederschlag finden in den „Kasseler Studien zur Sepulkralkultur“. Zudem unterhält sie eine umfangreiche Spezialbibliothek, ein Musik- und Fotoarchiv sowie eine Rechtssammlung mit einschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Satzungen. Seit 1956 erscheint fünfmal im Jahr die Zeitschrift "Friedhof und Denkmal", die sich zu einer anerkannten, unabhängigen Fachzeitschrift entwickelt hat und sowohl neue Entwicklungen als auch kulturgeschichtliche Themen vorstellt.
Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur sind eine Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. (AFD), die 1951 gegründet wurde. Es ist das Ziel der AFD, die sich heute ändernden Einstellungen zu Sterben und Tod wahr zu nehmen, die u.a. geprägt sind von der Suche nach neuen Beisetzungs- und Friedhofsformen sowie alternativen Formen der Erinnerung. Sie versteht sich auch als Forum zur Präsentation und Diskussion neuer Ideen, darüber hinaus unterstützt sie ideell die von ihr als richtig erkannten Bestrebungen und gibt somit Impulse, um die Death Education der Allgemeinheit auf breiter Ebene zu fördern.


