Die Wilhelm-Busch-Gesellschaft ist einen langen Weg gegangen. Trägerin eines ursprünglich kleinen Museums von lokaler Bedeutung, ist sie heute verantwortlich für das einzige deutsche Satiremuseum, das höchste internationale Anerkennung genießt. In dreimonatigem Wechsel präsentiert das Museum Ausstellungen aus den unterschiedlichsten Bereichen der grafischen Kunst mit den Schwerpunkten Karikatur und kritische Grafik, Cartoon und Comic.
Ausgangspunkt war eine Bürgerinitiative zur Erhaltung des Geburtshauses von Wilhelm Busch in Wiedensahl im Jahre 1927. Drei Jahre später erfolgte dort am 24. Juni 1930 die Vereinsgründung. Erste Ziele dieser Gesellschaft waren die Wiederherstellung des Geburtshauses und die Ausrichtung des 100. Geburtstags von Wilhelm Busch am 15. April 1932. Persönliche Erinnerungsstücke von Wilhelm Busch sowie Stiftungen und Ankäufe seiner Bilder bildeten den Grundstock des ersten Wilhelm-Busch-Museums, das am 13. Juni 1937 in Hannover am Georgsplatz eröffnet wurde. Während der schweren Luftangriffe im Oktober 1943 wurde Hannover weitgehend zerstört, darunter auch das Museumsgebäude. Glücklicherweise aber waren die Bestände des Museums rechtzeitig in das Sterbehaus von Wilhelm Busch in Mechtshausen am Westrand des Harzes ausgelagert worden.
Nach dem Krieg eröffnete die Gesellschaft ihr Museum am 9. Januar 1950 in dem erhalten gebliebenen Teil des 1779-1782 erbauten Georgenpalais’ wieder. Das auch als "Wallmodenschlößchen" bekannte Palais liegt reizvoll inmitten eines englischen Landschaftsgartens, dem sogenannten Georgengarten, der Teil der weltberühmten Herrenhäuser Gärten ist. Neben Busch wurden nun auch andere Grafiker und Karikaturisten ausgestellt, so etwa Olaf Gulbransson, Alfred Kubin oder Adolf Oberländer. Mit dem Erfolg dieser Ausstellungen bahnte sich allmählich der zweite Schwerpunkt in der Tätigkeit des Wilhelm-Busch-Museums an: Karikatur und kritische Grafik. Nach dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Westflügels und dem Zugewinn an räumlichen Möglichkeiten dehnte sich dieses Sammlungs- und Arbeitsgebiet aus, was schließlich 1986 in der Namenserweiterung "Deutsches Museums für Karikatur und kritische Grafik" seinen Niederschlag fand.
Die Sammlung Wilhelm Busch umfasst über 330 Ölgemälde, ca. 1200 Zeichnungen und Skizzen nach der Natur, über 2000 Originalzeichnungen zu Bildergeschichten, 900 Briefe und mehr als 750 Blätter Prosa- und Gedichthandschriften. Die Bestände der Sammlung "Karikatur und kritische Grafik" umfassen ca. 23.000 Blätter. Schwerpunkte liegen hier u.a. bei den Vertretern des "Goldenen Zeitalters" der englischen Satire mit William Hogarth, George Cruikshank, James Gillray und Thomas Rowlandson; bei Künstlern des deutschen "Simplicissimus" und bei zeitgenössischen internationalen satirischen Künstlern wie F.K. Waechter, Tomi Ungerer, Jean-Jacques Sempé, Ronald Searle und André François.
Die Wilhelm-Busch-Gesellschaft tritt mit anerkannten wissenschaftlichen Arbeiten zu ihren Sammlungsgebieten hervor. Das Oeuvre von Wilhelm Busch edierte sie in Form von Werkausgaben der Ölbilder, der Zeichnungen nach der Natur sowie einer zweibändigen Briefausgabe. Im Jahre 2002 erscheint die historisch-kritische Gesamtausgabe aller Bildergeschichten von Busch. Ein Standardwerk ist der Band "Bild als Waffe", der fünfhundert Jahre Karikatur und kritische Grafik dokumentiert und kommentiert. Die ausstellungsbegleitenden Kataloge bieten umfassende Informationen über Einzelkünstler und thematische Bereiche sowie die Geschichte der internationalen satirischen Kunst. Im Mai 1999 wurde die bestehende Fachbibliothek ergänzt um die ca. 1000 Bände umfassende Privatbibliothek des angesehenen englischen Cartoonisten Ronald Searle.
Am 14. Juli 2000 wurde das Wilhelm- Busch-Museum nach über einjähriger Umbauzeit wieder eröffnet. Nach Abschluss des zweiten Bauabschnitts fand am 14. März 2004 im Obergeschoss des Haupthauses die Wiedereröffnung der neu gestalteten Sammlungsräume statt. In einer repräsentativen Auswahl werden dort Werke aus den beiden Sammlungen des Museums gezeigt.
Heute präsentiert sich das renovierte Haus in einem attraktiven Ensemble, in dem Kunstgenuss und historische Gartenkultur miteinander verwoben sind: In regelmäßigem Wechsel gezeigte hochrangige satirische Kunst und ein restaurierter Palaisgarten laden zum Verweilen ein.














