Das Kleist-Museum ist eine Literaturinstitution von nationaler Bedeutung und internationaler Ausstrahlung. Es hat die Funktionen eines Museums, einer Forschungs- und Studienstätte und einer Einrichtung kultureller Bildung und Begegnung.
Im Zentrum der Aufgaben des Kleist-Museums stehen Person, Werk und Wirkung des in Frankfurt an der Oder geborenen Schriftstellers Heinrich von Kleist (1777–1811). Die herausragende dauerhafte Bedeutung seiner Werke sowohl innerhalb der deutschen Literatur als auch innerhalb der Weltliteratur machen ihn zu einem herausgehobenen Gegenstand der nationalen Kulturpflege. Neben seiner literarischen Bedeutung machen gerade die Tradition seiner Familie, seine Biographie und seine Wirkungsgeschichte Kleist auch zu einem herausragenden Schriftsteller für Brandenburg und für Frankfurt (Oder), das sich »Kleiststadt« nennt.
Das Kleist-Museum hat weitere Aufgaben und Schwerpunkte. Das sind die Dichter aus der Familie von Kleist, ihr Werk und ihre Wirkung, nämlich Ewald v. Kleist (1715-1752) und Franz Alexander v. Kleist (1769-1798), und der Heinrich v. Kleist nahestehende Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843), ein wichtiger Schriftsteller der Romantik. Hinzu kommen weitere Schriftsteller, die von Bedeutung für Kleist oder für die Region sind (Ludwig Tieck, Gottfried Benn, Günter de Bruyn u.a.). Das Kleist-Museum ist auch Dokumentations- und Forschungszentrum für diese Nebenschwerpunkte, teilweise in Kooperation mit anderen Einrichtungen.
Das Museum wurde 1969 im Gebäude der ehemaligen Garnisonschule (Faberstraße 7) in Frankfurt (Oder) eingerichtet, die 1777 von Martin Friedrich Knoblauch erbaut worden war. Bauherr war Prinz Leopold von Braunschweig. Die Dauerausstellung des Museums umfasst vier Räume. Etwa 250 Dokumente geben einen Überblick über Kleists Leben und Werk und informieren über Aspekte seiner Wirkung.
Bibliothek und Archiv des Kleist-Museums befinden sich seit dem Sommer 2002 in der Großen Oderstr. 26/27, etwa an der Stelle, an der Kleists nicht erhaltenes Geburtshaus und Leopold von Braunschweigs Haus (Kommandantenhaus) gestanden haben. Mit 40.000 Bestandseinheiten, darunter etwa 10.000 Bände Spezialliteratur zu Kleist und seinem literaturgeschichtlichen Umfeld, verfügt das Haus über die derzeit umfangreichste Kleist-Sammlung. Der Ausbau der Sammlungen konzentriert sich auf den Erwerb weltweit auffindbarer Primär- und Sekundärzeugnisse zu Quellen, Leben und Werk Kleists. Das schließt neben Werken der schöngeistigen und wissenschaftlichen Literatur auch solche der bildenden Kunst, der Musik und aus dem Theaterbereich ein. Im Kleist-Museum befindet sich die Sammlung Kleist/Minde-Pouet-Nachlass als Dauerleihgabe der “Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin”.
Das Kleist-Museum setzt auf das enge Zusammenspiel von Sammlungen, Dauer- und Wechselausstellungen, Forschung, Publikationen und Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit mit Lehrern und Schülern, Lehrenden und Studierenden insbesondere der Europa-Universität Viadrina sowie der Ausbau des Einsatzes neuer Medien nehmen darin einen besonderen Platz ein. Das Kleist-Museum wird weiterhin die Funktion einer Stätte kultureller Bildung und Begegnung für Stadt und Land mit einer interregionalen und internationalen Anbindung verknüpfen, sowohl nach Westen als auch nach Osten. Und es wird dabei als Haus für Literatur den Spannungsbogen zwischen Kleist, dem wohl modernsten unserer ´Klassiker´, und der Literatur der Gegenwart weiter in den Blick nehmen.


