Der Frankfurter Bankier und Handelsmann Johann Friedrich Städel (1728-1816) stiftete den Frankfurtern seine Gemälde, Handzeichnungen und Kupferstiche, seine Kunstbibliothek und ein beträchtliches Vermögen zur Gründung eines Kunstinstituts. Zur Aufgabe stellte der Stifter den Auf- und Ausbau einer qualitativ hochrangigen Sammlung, zu der jeder Bürger Zutritt hat.
In über anderthalb Jahrhunderten ist dem Städel ein weltweit beachteter Rang zugewachsen. Mit Schenkungen und Stiftungen von Kunstfreunden, mit Unterstützung des Städelschen Museums-Vereins, der Stadt, des Landes und des Bundes sowie den Spenden der Bürger konnte die Sammlung durch wichtige Werke immer wieder ergänzt und die Forschungs- und Bildungsarbeit gefördert werden.
Die Graphische Sammlung im Städel ist mit mehr als 100.000 Arbeiten auf Papier eine der bedeutendsten ihrer Art. Einzigartige Schwerpunkte sind deutsche und italienische Künstler der Spätgotik und Renaissance, Franzosen des 18. Jahrhunderts, deutsche Künstler des 19. Jahrhunderts und des Expressionismus. Für Namen wie Kirchner oder Beckmann zählt die Graphische Sammlung des Instituts weltweit zu den ersten Adressen.
Der Bestand der renommierten Städelschen Bibliothek umfasst ca. 100.000 Bände. Dazu kommen umfangreiche Sammlungen von Auktionskatalogen und die wichtigsten aktuellen Zeitschriften. Ihre Dienste werden von Studenten, Kunstwissenschaftlern, Galeristen aus aller Welt und privaten Kunstfreunden rege genutzt.
Forschung und wissenschaftliche Arbeit sind als eine zentrale Aufgabe des Hauses definiert. Weitere Schwerpunkte bilden die Restaurierungs-Werkstatt sowie die Museumspädagogik. Die Bildungsarbeit wendet sich an alle Altersgruppen. Führungen, Vorträge, Kurse, verschiedene Audioguides, Workshops und Seminare gehören zum vielfältigen Angebot des Städel Museums.
Nach Abschluss der Renovierungsmaßnahmen im Herbst 1999 hängen in der Städelschen Gemäldegalerie alte und neue Meisterwerke wieder in einem einzigartigen, spannungsreichen Dialog. Alle wichtigen europäischen Schulen vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart sind im Städel zu sehen. Im Ausstellungshaus in der Holbeinstraße werden regelmäßig interessante Sonderausstellungen präsentiert.
Zur Kunstsammlung im Städel haben alle Epochen mit ihren wechselnden Vorlieben und ihrem unterschiedlichen Geschmack beigetragen; das gibt der Sammlung einen ungewöhnlichen Reichtum und eine außerordentliche Vielfalt. Fast alle Schulen und Epochen der europäischen Malerei sind – oft mit Hauptwerken – vertreten. Von altdeutscher Malerei sind zahlreiche Altäre, z. T. aus Frankfurter Kirchen, und Bildnisse vorhanden, Werke u.a. von Lochner, Dürer, Grünewald, den beiden Holbein, Baldung, Cranach und Altdorfer. Ein besonderer Stolz des Hauses sind seine alten Niederländer, von Jan van Eyck und dem Meister von Flémalle über Hugo van der Goes und Memling bis zu Bosch und Quinten Massys. Italienische Malerei beginnt mit anonymen Bildern des 14. Jahrhunderts und führt von Fra Angelico, Botticelli und Bellini zu Moretto, Pontormo und Tintoretto. In der Barockmalerei überwiegen Holländer und Flamen: Rembrandt, Vermeer, Hals und viele andere, Rubens, Jordaens und Brouwer – daneben gibt es aber auch Bilder von Elsheimer, Velazquez, Poussin, Claude Lorrain, Watteau, Chardin und Tiepolo.
Besonders reich sind die Bestände aus dem 19. Jahrhundert: Einige Bilder sind vom Institut selbst in Auftrag gegeben worden (Overbeck, Veit, Schadow, Lessing, Schwind). Die deutsche Romantik ist mit guten frühen Beispielen von Pforr, Fohr und anderen vertreten, spätere Deutsch-Römer mit Böcklin und Marées; realistische Strömungen kommen auf mit Leibl, Trübner, Thoma, denen sich mit Liebermann und Corinth der "deutsche Impressionismus" anschließt. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Frankfurter Malerei dieser Zeit. Die französische Malerei kommt mit wenigen, aber vorzüglichen Werken von Delacroix, Courbet, Manet, Monet, Renoir und Degas vor.
Die große Sammlung des 20. Jahrhunderts wurde 1937 durch die Beschlagnahmung "entarteter Kunst" vernichtet; in der Zeit des Wiederaufbaus sammelte das Institut bevorzugt Werke von E. L. Kirchner (Sammlung Hagemann) und dem in Frankfurt tätigen Max Beckmann. In den letzten Jahren wurde mit Erwerbungen der Nachkriegszeit der Anschluss an die Kunst der Gegenwart gefunden.
Der wichtigste Förderer des Städel ist der Städelsche Museums-Verein e.V. Seinen Mitgliedern bietet er die Möglichkeit zu vertieftem Kunsterlebnis durch Vorträge, Seminare, Kunstreisen, den freien Eintritt in die Gemäldegalerie, Ermäßigungen bei Sonderausstellungen u.v.m. Über Veranstaltungen und Programme des Städel werden die Mitglieder aktuell und bevorzugt informiert.


