Eine Sprache ist kein statisches, unveränderliches Gebilde, sondern sie wächst und verändert sich im Lauf der Zeit. Auch heute macht die deutsche Sprache vielfältige Wandlungen durch. Die audiovisuelle Revolution, die sich mit unser aller Billigung binnen weniger Jahrzehnte vollzogen hat, bewirkt erst in Ansätzen absehbare Veränderungen in der Welt des Gesprächs. Der internationale Austausch findet ebenso seinen Niederschlag in der Gegenwartssprache wie die zunehmend in die Gemeinsprache eindringenden Fachsprachen. Die Sprache der Politik und die Behörden-, Gesetzes- und Amtssprache sind durch den beschleunigten Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins vor große Herausforderungen gestellt. Zunehmend wird das Individuum von der "Sprachindustrie" der Massenmedien in die Rolle passiver Konsumenten verwiesen.
Die 1947 gegründete Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden (GfdS) hat sich zum Ziel gesetzt, unter Berücksichtigung sprachwissenschaftlicher Einsichten Entwicklungen im Bereich der Sprache aufmerksam und kritisch zu beobachten und daraus Empfehlungen für den allgemeinen Sprachgebrauch abzuleiten. Vor allem ist sie bemüht, in der breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Bedeutung, die Leistung und die Möglichkeiten der eigenen Sprache zu wecken und zu vertiefen. Insbesondere versucht die Gesellschaft, auf die Mediensprache und die damit verbundenen Sprachformen (z.B. Wort-Bild-Sprache des Fernsehens) einzuwirken. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen, durch Autorenabende und eine kritische Medienberatung setzt sie sich weltweit dafür ein, unsere Sprache auch im technischen Zeitalter menschlich zu gestalten und lebendig zu erhalten. So verleiht die GfdS den "Medienpreis für Sprachkultur" und den "Alexander-Rhomberg-Preis", einen Förderpreis für Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten.
Breiten Raum nimmt in der Arbeit der GfdS die Beratung von Privatpersonen, Behörden, öffentlichen Institutionen und Unternehmen ein, die mit Fragen und Bitten um Auskünfte oder Sprachgutachten an die Gesellschaft herantreten. Jede und jeder kann Texte in sprachlicher Hinsicht von der Gesellschaft bearbeiten lassen. Im Redaktionsstab beim Deutschen Bundestag in Berlin werden Gesetzentwürfe und Verordnungen auf Sprachangemessenheit und Verständlichkeit überprüft.
Die Bibliothek der Gesellschaft ist aus den Sammlungen des ehemaligen Deutschen Sprachvereins erwachsen und enthält u.a. seltene Dokumente der praktischen Sprachpflege im 19. und 20. Jahrhundert. Spezialbestände: Wörterbücher der deutschen Sprache, Mundart- und Fremdwörterbücher, Sammlung der Ausgaben des Rechtschreibdudens seit 1880. Dem Sprachberatungsdienst stehen außerdem eine ständig wachsende Belegsammlung und eine Auskunftskartei zur deutschen Gegenwartssprache zur Verfügung.
Mit der Herausgabe der Zeitschrift "Muttersprache" steht die GfdS in einer mehr als hundertjährigen Tradition. Die "Muttersprache" hat die Aufgabe, die Ergebnisse der germanistischen Sprachforschung einer breiten Öffentlichkeit darzustellen. Sie nimmt einen Platz zwischen Sprachwissenschaft und Öffentlichkeit ein. Die "Muttersprache" untersucht die Beziehungen zwischen der Sprachwissenschaft und anderen Disziplinen, mit Einschluss von Beiträgen zu fachsprachlichen Problemen wie auch von Fragen der Semantik, der Wort- und Begriffsgeschichte. Schwerpunkte: Sprachforschung, theoretische Grundlagen und Ergebnisse der Sprachpflege, Wortforschung, Sprachentwicklung, Fachsprachen, Deutsch im internationalen Vergleich.
"Der Sprachdienst" ist 1957 aus der Praxis der Gesellschaft für deutsche Sprache erwachsen; er ist zugleich ihr Mitteilungsblatt. "Der Sprachdienst" ist kein Fachorgan, sondern eine Sprachzeitschrift für alle und erörtert Ausgabe für Ausgabe vielerlei Fragen der deutschen Gegenwartssprache. Er pflegt als wichtigste Themen: Sprachentwicklung, Sprachkritik, Grammatik, Stil, Terminologie, Wortgeschichte, Namenkunde (besonders Vor- und Familiennamen), Rechtschreibung und Zeichensetzung; ständige Rubriken: Fragen und Antworten, Buchbesprechungen, Berichte, Preisfragen.; regelmäßig Sprach-Jahresrückblicke und Statistik der beliebtesten Vornamen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle halten durch Vorträge und Veröffentlichungen und durch die Teilnahme an Tagungen die enge Verbindung zur germanistischen Fachdiskussion aufrecht. Über die Mitgliedschaft in Gremien und durch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen sichert sich die GfdS einen festen Platz im Kreise derer, die sich um eine allgemeine Belebung der sprachlichen Kultur in der Bundesrepublik bemühen; sprachpolitische und sprachkulturelle Entwicklungen, die sich durch die Schaffung eines gemeinsamen Europas ergeben, sollen dabei nicht aus den Augen verloren werden.













