Klassik Stiftung Weimar: Ereignis Weimar - Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik (1757-1807) Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar

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Goethe-Nationalmuseum am Frauenplan, © Klassik Stiftung Weimar – Foto: Jens Hauspurg

Weimar ist als Geburtsstätte der Klassik ein zentraler Ort unseres kulturellen Erbes. Goethe, Schiller, Herder und Wieland sind Namen, die der politisch eher unbedeutenden Stadt bis heute weltweite Beachtung sichern.

Wie aber kam es dazu, dass Weimar zu dieser Metropole der deutschen Geistesgeschichte wurde? Welchen Anteil hatte im späten 18. Jahrhundert die Politik der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach und ihres Sohnes, des späteren Großherzogs Carl August, an der einzigartigen kulturellen Blüte, die sich um 1800 in ihrem Fürstentum entfaltete?

Porträt Herzogin Anna Amalia (1739-1807), Unbekannter Künstler, Vorlage nach Johann Ernst Heinsius, 1780, Pastell, © Foto: Klassik Stiftung Weimar

Aus Anlass des 200. Todestages von Herzogin Anna Amalia und des 250. Geburtstags ihres Sohnes Carl August präsentiert die Klassik Stiftung Weimar eine Ausstellung zum Entstehen der Weimarer Klassik, die Antworten auf diese Fragen sucht. Vor dem Hintergrund der Biographien beider Herrscherpersönlichkeiten werden die Entwicklungen in Politik, Literatur, Kunst und Wissenschaft gezeigt, die Weimar und Jena in den Jahren von 1757 bis 1807 zu Zentren der deutschen Geistesgeschichte gemacht haben. Der Ausstellungstitel "Ereignis Weimar" steht als Kennwort für einen Kulturraum, der sowohl den Hof und die Residenzstadt Weimar, als auch die Universität Jena in sich begreift. In Weimar kulminierte die klassische deutsche Literatur, während in der benachbarten Universitätsstadt die Vertreter der Kantischen und idealistischen Philosophie sowie der Kreis der Frühromantiker in neue Welten des Denkens vorstießen.

Kultur war bzw. wurde in Weimar nicht wie anderswo nur funktionale Kulisse von Politik, sondern in zunehmendem Maße deren wichtigstes Medium und damit auch ihr bedeutendstes Kapital. Die im 18. Jahrhundert üblichen Formen dekorativ-monumentaler, vor allem auf die bildenden Künste gestützter Herrschaftsinszenierung waren den Weimarern schon aufgrund ihrer extrem begrenzten finanziellen Möglichkeiten ebenso verschlossen wie ein ausgreifendes, teures Mäzenatentum. Konsequenter als andere mussten sie auf die Kumulation intellektueller und literarisch-künstlerischer Kompetenz setzen. Sich auf diesem Gebiet zu profilieren, generierte politisches Kapital. Dieses Verständnis von Kulturpolitik verlangte, die Autonomie des geistigen und kulturellen Lebens zu tolerieren und seinen Vertretern innerhalb gewisser Grenzen keine Tabus zu setzen. Das historische Verdienst Carl Augusts und Anna Amalias besteht darin, diese Notwendigkeit erkannt und sie weitgehend politisch durchgehalten zu haben.

Indem bedeutende Intellektuelle und Literaten sich auf die Partnerschaft mit dem Herrscherhaus einließen, fanden sie im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine zwar nicht üppige, aber doch hinreichende und vor allem ausbaufähige Wirkungsplattform. Der dadurch entstehende Mythos nutzte allen Beteiligten: Die Regenten gewannen europaweit Ansehen und Aufmerksamkeit, die Dichter und Aufklärer verfügten über ein anerkanntes Zentrum für ihre literarisch-wissenschaftliche Erziehungsarbeit in nationaler und weltbürgerlicher Absicht, die Gelehrten in und um die Universität konnten ihre Wirkungsgrundlagen erweitern. Georg Melchior Kraus, Anna Amalias <Tafelrunde>, 1795, © Klassik Stiftung WeimarUnter dem Titel "Ereignis Weimar" vereint die Ausstellung im Schlossmuseum über 500 Exponate aus den vielfältigen Sammlungen in Weimar und Jena sowie von nationalen und internationalen Leihgebern. Sie illustrieren den Weg des bescheidenen Herzogtums hin zur kulturellen Großmacht. Wissenschaftliche Grundlage für die Weimarer Ausstellung, die vom 1. April bis 4. November 2007 im Stadtschloss Weimar zu sehen ist, sind neue Erkenntnisse des Sonderforschungsbereichs "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" der Friedrich-Schiller-Universität Jena, mit dem die Klassik Stiftung bei der Konzeption der Schau eng zusammengearbeitet hat. Der umfangreiche Ausstellungskatalog gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und illustriert ihn mit zahlreichen Abbildungen


Termine zum Anna Amalia Jahr 2007

  • "Anna Amalia von Weimar. Eine Biographie". Buchvorstellung und Lesung mit Dr. Joachim Berger und Leonie Berger, Mainz. Goethe- und Schiller-Archiv (19. April 2007)
  • Tagung zu Carl August und Anna Amalia an der "Hochschule für Musik Franz Liszt" in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena (2.-5. September 2007)
  • Wiedereröffnung des Stammgebäudes der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (24. Oktober 2007)

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