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Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes in Nürnberg Sabine
Jung
Im AsKI-Mitgliedsinstitut Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, das in diesem Jahr
bekanntlich seinen 150. Geburtstag feiert, fand
vom 5. bis 8. Mai 2002 die Jahrestagung des
Deutschen Museumsbundes e. V. statt. Hausherr Generaldirektor Prof. Dr. Großmann begrüßte
die rund 300 Vertreter der beteiligten
Organisationen und Häuser aus ganz Deutschland.
Unter dem Vorsitz von Dr. Martin Roth,
Präsident des Deutschen Museumsbundes, wurde zum Thema referiert und debattiert. Sehr
begrüßt wurde die Zusammenlegung der
Jahrestagungen dreier Verbände: des Verbandes der
Restauratoren unter dessen neu gewähltem Präsidenten Kornelius Götz, des Bundesverbandes
Museumspädagogik unter Vorsitz von Beatrix
Commandeur sowie der Vereinigung der Denkmalpfleger in
der Bundesrepublik Deutschland unter dem Stellvertretenden Generalkonservator Dr. York Langenstein.
Im vorgeschalteten Rahmenprogramm wurden Exkursionen zu Museen innerhalb der
zentralstrukturierten städtischen
Museumslandschaft Nürnbergs sowie fünf Exkursionen in die
nähere und weitere Umgebung Nürnbergs angeboten.
Im Eröffnungsvortrag nahm Dr. Hanno Rautenberg (Redakteur im Bereich Architektur,
"DIE ZEIT", Hamburg) die Präsentationen und
Konzepte bundesdeutscher Museumslandschaft unter die Lupe, Thema: "Musealisiert das
Museum! Über den Wert und die Werte einer großen
Institution".
Seine Begriffspaare im Früher und Heute
ließen aufhorchen: Museumslandschaft - Erinnerungslandschaft, Vergangenheitswut
- Zukunftswahn, Schwellenängste - Reizschwellen;
Folgen für die Mediengesellschaft: Denkmäler
müssen schön sein. Bedeutend ist nur noch, was
gefällt, nicht was beunruhigt, Ziel ist die Augenlust;
nicht Aufklärung, sondern Verklärung wird gesucht.
So scheint die offizielle Wahrnehmung in vielen Institutionen zu sein. Alles ist stimmungsvolle
Kopie, Inszenierung, Schaustücke werden zu Belegstücken. Was ist da noch Original und
was Kopie? Besucher sind aber Suchende, sie suchen das Authentische, das Einmalige.
Rautenbergs Plädoyer: Museen könnten
Identität stiften. Augenblicklich seien es Orte der
Kompensation, der esoterischen Betrachtung und des Spektakels, gebraucht würden jedoch Stätten
der Selbstreflexion, Orte der Befragung der Welt,
ein Ort zur Musealisierung der Jetztzeit, mit
allen Zweifel und Fragen. Schließlich seien die
Musen ,Töchter der Erinnerung'.
Der Nestor der Runde, Prof. Dr. Hermann Glaser, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt
Nürnberg, knüpfte daran an. Er mahnte: "Zukunft braucht Herkunft - über die ästhetische
Erziehung des Menschen und den gesellschaftlichen Sinngehalt des Musealen". Museum sollte
sich dem Sog nach Schnelligkeit, dem ,Speed' entziehen und vielmehr Fluchtpunkt sein.
Letzteres als ein Positivum gemeint, im Sinne von
Rückzug, Zuwendung und Ruhepol. Kultur sieht
Glaser denn auch als Überlebenschance, weg
von der trivialen Welt der Spaßkultur: Statt des bewusstlosen Glücks sollte das Museum
letztlich eher das Gefühl des unglücklichen
Bewusstseins erhalten. Zwanghafte gute Laune scheint ihm
mit dem Verlust von Kindheit in Verbindung zu stehen. Kindheit wiederum ist das eigentliche
Potenzial einer kreativen Gesellschaft.
Museen heißt denn auch Musensitz und hat nichts mit ,mall', einem Superkaufhaus, gemein.
Zu den vier Themenschwerpunkten gehörten: I. "Grundlagen der Museumsarbeit", Moderation Dr. Martin Roth:
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Manus Brinkman (Generalsekretär,
ICOM, Paris) referierte "Chaos oder Dogma?
- Auf dem Weg zu einem globalen Ethik-Begriff" |
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Rantan Vaswani (Professional Development &Ethics
Adviser, Museums Association,
London) war leider verhindert und konnte nicht über Museums-Ethik in Großbritannien
berichten. |
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Mit "Professionalität - Teamarbeit - Ethos" beleuchtete Dorothee Dennert
(Museumspädagogin, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn)
sehr praxisorientiert Museen und ihren Bildungsauftrag. |
II. Ethische Aspekte der Restaurierung und Rekonstruktion:
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Ebenfalls praxisbezogen legten Kornelius Götz / Dr. Cornelia Weyer (Präsident /
Vizepräsidentin VDR - Verband der Restauratoren, Bonn) ihre Sicht der
Restaurierungsethik - der ,gute' Wille und die Praxis - dar. Diese Aspekte sammelte und diskutierte man anschließend auf dem Podium. |
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Ein Empfang des neuen Bürgermeisters Dr. Ulrich Maly im Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände beschloss den zweiten Tag. |
III. Museumsethik - Sammeln und Ausstellen, Moderator: Dr. Hartwig Lüdtke von der
Museumsstiftung Post und Telekommunikation (Mitglied des AsKI e.V.), Bonn:
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Dr. Franz Sonnenberger (Direktor, Museen der Stadt Nürnberg) stellte das
Tagungsthema kritisch in Frage. "Brauchen wir eine
erweiterte Museumsethik", wobei er sich auf
den ICOM-Codex bezog, in den diese Idee aufgenommen werden sollte. |
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Dr. Ute Haug (wiss. Mitarbeiterin, Hamburger Kunsthalle), Dr. Anette Rein (Direktorin
Museum der Weltkulturen, Frankfurt/M.) sowie Prof. Dr. Christian Feest (Institut für
Historische Ethnologie, J. W.
Goethe-Universität, Frankfurt/M.) betrachteten den
Tagungsaspekt aus der Sicht der Aufarbeitung der Beutekunst-Problematik in den Museen,
aus ethnologischer Sicht und in Bezug zur ,Blauen Liste'. |
IV. Museumsethik und Forschung, Moderator Dr. Michael Eissenhauer (Staatliche
Museen Kassel):
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Den Forschungsaspekt verfolgte Prof. Dr. Dietrich Wegener (Vorsitzender des
Senatsausschusses Evaluierung, Wissenschaftsgemeinschaft G.W.Leibniz) hinsichtlich
der Qualitätsstandards an Museen weiter. |
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Dr. Rainer Schoch (Stellvertreter des
Generaldirektors des Germanischen Nationalmuseums) stellte das umfangreiche
Forschungsprogramm des Hauses vor und betonte die Wichtigkeit der Kernaufgaben des
Museums, wie z.B. Bestandskataloge und
wissenschaftliche Diskurse, die bei aller Dienstleistung
allzu schnell ins Hintertreffen geraten. Ein wichtiger Schritt dazu, noch dazu in Zeiten
knapper Mittel, ist die Besinnung auf die eigenen Bestände. |
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Prof. Dr. Fritz F. Steininger (Direktor des Senckenberg-Museums, Frankfurt/M.),
Paläontologe, zeigte Bezüge auf zur Situation
der Museumsethik und ihrer Aufgaben in Österreich und in Verbindung zur UNESCO
sowie innerhalb der Goethe-Forschung. |
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Hellmut Seemann (Präsident des AsKI-Mitglieds Stiftung Weimarer Klassik)
charakterisierte mit seinem fulminanten Abschlussvortrag "Zwischen Leuchttürmen und Heulbojen" die
Situation der Museen in den neuen Ländern. Durch
das gewählte ,maritime Kleid' nahm er der nach
wie vor durchaus prekären Situation der
Museumslandschaft der östlichen Bundesländer an
diesem Abend etwas von der Dramatik, gerade auch
im Vergleich mit der westlichen Museumslandschaft, die sich - wie sich allein an den Reaktionen
der Anwesenden zeigte - nicht so ohne weiteres evaluieren lässt, um dann ebenfalls in
Leuchttürme und Heulbojen eingeteilt werden zu können. |
Der vierte und letzte Tag war für die
einzelnen Fachgruppen reserviert. Der Gruppe
Technikhistorische Museen unter dem Vorsitz von Dr.
Urs Diederichs (Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid) galt mein besonderes Interesse. Sie
bot u. a. eine Führung durch das Museum für
Kommunikation Nürnberg (AsKI-Mitglied),
fachkundig ausgeführt durch den Leiter Dr. Stefan Kley,
und lieferte damit einen eindrucksvollen Abschluss.
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Zur Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes e.V. erscheint im Herbst 2002 eine Publikation.
Weitere Auskünfte: Deutscher Museumsbund e. V.,
Berliner Büro, Mechtild Kronenberger / Maike
Steinkamp, In der Halde 1, 14195 Berlin; Tel.: 030/841095-17;
Fax: 030/841095-19; E-Mail: office@museumsbund.de; Internet: www.museumsbund.de
Dr. Sabine Jung ist
Geschäftsführerin des AsKI e.V.
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