Uwe Förster (1935-2002)
Gabriele Weidle-Kehrhahn
Im August dieses Jahres starb Uwe Förster,
langjähriger Leiter des Sprachberatungsdienstes der Gesellschaft für deutsche
Sprache (GfdS) und wissenschaftlicher Betreuer aller Zweigvereine.
Wegen
"systemkritischer Haltung" hatte Förster, der 1935 in Dresden geboren
wurde, in der DDR nicht studieren dürfen. Er ging an die Freie Universität in
West-Berlin und promovierte dort 1965 als Stipendiat der Studienstiftung des
deutschen Volkes bei dem Germanisten und Übersetzer des Nibelungenliedes Helmut
de Boor.
Seit 1967 war Uwe Förster wissenschaftlicher
Mitarbeiter der GfdS, seit 1971 auch Vorsitzender des Zweigvereins Wiesbaden.
Sieben Jahre (von 1987 bis 1993) stand er mit seinen Kollegen ebenfalls der
ZDF-Nachrichtensendung "heute" sprachberatend zur Seite. Im
Frankfurter Auschwitz-Prozess fungierte Förster als Gutachter, und an der
Überprüfung der Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, die das Katholische
Bibelwerk in Stuttgart herausgab, arbeitete er ebenso mit. Förster
veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Sprach- und Literaturgeschichte, zur
Stilistik und Rhetorik.
In den Ruhestand verabschiedete sich Uwe
Förster vor zwei Jahren mit einem Sammelband seiner Schriften:
"Sprachpflege auf wissenschaftlicher Grundlage. Beiträge aus drei
Jahrzehnten" (hrsg. von der Gesellschaft für deutsche Sprache, Duden
Verlag 2000).
Der AsKI-Geschäftsstelle war Uwe Förster
besonders verbunden: Man traf sich nicht nur bei den von der Zweigstelle Bonn
veranstalteten Vorträgen, führte zu später Stunde Diskussionen u. a. über
die politischen Qualitäten des russischen Präsidenten Jelzin, man feierte auch
gemeinsam Försters 25-jähriges GfdS-Dienstjubiläum mit Wanderung und Gastmahl
in den Weinbergen des Rheinlandes.
Allen an der AsKI-Ausstellung "Von der
Idee zum Werk"(1991) Beteiligten wird es auch im Gedächtnis bleiben, mit
welcher Akribie sich Förster dem nur mit Schwierigkeiten visuell darstellbaren
GfdS-Beitrag "Wörter der achtziger Jahre" widmete. Knieend breitete
er auf dem Boden der engen Geschäftsstellenräume eine Fülle von Material aus,
um in Kooperation die Endauswahl zu treffen. Ebenso beharrlich betreute er die
Anfertigung der Ausstellungstafeln - all dies in einer für ihn traurigen Phase
seines Lebens: Kurz zuvor war seine Frau überraschend gestorben. In seinem
Katalogbeitrag zur Ausstellung stellte er die Prognose, dass einige der Wörter
des Jahres 1989 zu "Stichwörtern des Jahrhunderts" avancieren
würden. Nicht nur für die Losung "Wir sind das Volk" hat sich das
bewahrheitet, Gleiches gilt z. B. auch für die Begriffe "Tschernobyl"
(1986), "Aids" und "Perestroika" (1987).
Reinhard Appel nannte Uwe Förster einen
"Sprachpapst ohne dogmatische Attitüde" - dieser Charakterisierung
kann man sich nur anschließen.