Der Anreger - Deutsches Rundfunkarchiv Frankfurt am
Main/Potsdam-Babelsberg verabschiedet Prof. Dr. Leonhard
Am Montag, den 1. Oktober 2001 wurde Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard auf den Tag
genau nach 10-jähriger Tätigkeit offiziell als
Vorstand des Deutschen Rundfunkarchivs Frankfurt
am Main/Potsdam-Babelsberg (DRA) im Hessischen Rundfunk in Frankfurt verabschiedet;
nachdem er sich zuvor Ende September bereits von
seinen Mitarbeitern in Potsdam-Babelsberg in einer Feierstunde verabschiedet hatte.
In seiner kurzen Ansprache dankte Leonhard neben seinem Vorgänger Dr. Heckmann, der
ihm ein wohlbestalltes Arbeitsfeld übergeben
hatte, allen, die durch ihre Arbeit und Kooperation
die Integrierung der DDR-Rundfunkarchive in das DRA ermöglicht hatten.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse in New York betonte Leonhard in seinen Dankesworten
die wichtige Funktion der Kulturvermittlung. An
Herrn Prof. Dr. Klaus Berg, den Intendanten des
Hessischen Rundfunks und Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Deutschen Rundfunkarchivs,
gewandt, plädierte Leonhard dafür, zukünftig
beispielsweise bestimmten Kultursendungen bessere Sendeplätze zu reservieren. Auch auf
das Rundfunkarchiv sähe er neue Aufgaben
zukommen. Das DRA galt ihm immer als wichtiges Bindeglied und kollektives Gedächtnis
zwischen Ost und West.
In seiner neuen Funktion als
Generalsekretär des Goethe-Instituts InterNationes e.V.
wandte er sich speziell an Hilmar Hoffmann, den
noch amtierenden Präsidenten der
Goethe-Gesellschaft, und betonte, es gelte in diesem
Zusammenhang verstärkt, das "Deutschland-Bild"
neu zu definieren.
Gewandt an seinen Nachfolger Hans-Georg Stülb (geb.1952), vormals Schallarchivleiter
des NDR-Hamburg und neu in der Reihe der Institutsleiter innerhalb des AsKI, betonte
Leonhard die Wichtigkeit, die neuen Bereiche
untereinander, etwa die Mediatheken mit Arte, ARD und
ZDF und ausländischen Sendern, zu vernetzen
und stärker als bisher zwischen den
Arbeitsfeldern zu vermitteln.
Die Verdienste Leonhards umrissen neben
Prof. Berg, Dr. Michael Harms als Leiter der
Hauptabteilung Dokumentation und Archive des
Südwestrundfunks in Baden-Baden, Martina Kreß stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats
DRA, auch Anke Leenings. Die Musikwissenschaftlerin, Leiterin der Verwaltung und ständige
Vertreterin des Vorstandes DRA Ffm, hob in ihrer
sehr persönlichen Dankesrede nicht nur darauf
ab, dass die Bezeichnung DRA nicht zuletzt die Umkehrung von ARD sei und diese
Verbindung eine sehr wichtige und glückliche darstelle,
sie buchstabierte auch LEONHARD neu und charakterisierte ihn damit:
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L = labor omnia vincit improbus
(unablässige Arbeit besiegt alles) - könnte Leonhards Wahlspruch sein. |
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E = Ein Ziel aufs Innigste wünschen -
meinte in diesem Falle die Vernetzung der Mediatheken, ein großer Wunsch Leonhards. |
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O = oratio pro domo (eine Rede in eigener
Sache) - war besonders im Zusammenhang mit notwendigen Geldern gegenüber
dem Verwaltungsrat immer wieder von Leonhard zu vertreten. |
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N = Nimm alle Kraft zusammen - wie es in
Ludwig Uhlands Ballade "Des Sängers Fluch" heißt - spielt auf Leonhards bei
einem Unfall gerissene Achillesverse an, was ihn nicht in seiner Arbeit für das DRA "bremsen" konnte. |
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H = Heiliger Bürokratius - ein Patron, der
Leonhard nun wirklich eher fremd war. |
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A = Allwissend bin ich nicht, doch vieles ist
mir bewusst - ein Satz aus Goethes Faust - bezieht sich auf die Tatsache,
dass Leonhard überdies auch ein Fußballfan und Eisenbahn-Spezialist ist. |
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R = Raste nie, doch haste nie - ein Satz
von Otto Erich Hartleben - ist ein zarter Hinweis darauf, dass Leonhard von seinen Mitarbeitern einiges verlangte, aber
nie in unproduktive Hektik verfiel, und dass letztlich alles angemessen erledigt werden konnte. |
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D = Do ut des (ich gebe, damit [auch] du
gibst) - nach Otto von Bismarck - ein Hinweis darauf, dass Leonhard nicht nur
fragte, was das DRA für die Einzelnen tun kann, sondern vielmehr, was der Einzelne für das DRA tun kann. Alles solle in
einem rechten Verhältnis stehen, das ist der Wunsch, der für ihn immer dahinter
stand.
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Hans-Gerhard Stülb
Hans-Gerhard Stülb neuer Vorstand des
Deutschen Rundfunkarchivs (DRA)
Neuer Vorstand des DRA ist Hans-Gerhard Stülb, zuvor Leiter der Archive des
Norddeutschen Rundfunks. Stülb hat Anfang Oktober - als Nachfolger von Prof. Joachim-Felix Leonhard
- sein Amt angetreten.
Hans-Gerhard Stülb absolvierte an der Technischen Universität Braunschweig ein
Studium der Germanistik und Geschichte (Lehramt).
Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit sowie Mitarbeit in
der Öffentlichkeitsarbeit, der Medienforschung und
in den Archiven des Norddeutschen Rundfunks wurde er 1988 Stellvertretender Leiter des
NDR-Schallarchivs in Hamburg. Im Mai 1991
übernahm er dessen Leitung. Seit Anfang 1993 war
Stülb Abteilungsleiter Archive, Bibliothek und
Dokumentation beim NDR.