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Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Marlene Dietrich
im Filmmuseum Berlin Werner Sudendorf
Nennt man den Namen Marlene, dann erübrigt es sich, den Nachnamen Dietrich
hinzuzufügen. Marlene hat sich selbst geschaffen, und
ihr Regisseur Josef von Sternberg hat ihr
geholfen, auf der Leinwand das definitive Bild zu
finden, mit dem die Welt sie identifizierte.
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Marlene Dietrich
Hollywood 1932
Foto: Josef von Sternberg
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Was zeichnet die einzige Marlene aus, was verbindet sich mit dem Klang ihres Namens? Es
gibt die Filmschauspielerin, die mit ihren
Rollenfiguren berühmt wurde: Lola Lola, Amy Jolly,
Shanghai Lily, Blonde Venus. Das sind exotische, auch
leicht verrucht klingende Synonyme für erotische Energie, Gefahr, Verlockung, Selbstbewusstsein,
Lässigkeit, Luxus und Kaschemme, offenes
Geheimnis und Sirenengesang. Mit Marlene verbinden sich stets die gleichen Filmtitel: natürlich
"Der blaue Engel", dann "Morocco" und "Shanghai Express", vielleicht auch noch, des Titels
wegen, "Blonde Venus" und für die, die sie nur aus
dem Fernsehen kennen, "Witness for the
Prosecution" (Zeugin der Anklage). Fünf Filme, für die
erfahreneren Kinobesucher vielleicht auch acht
oder
zehn, sind in der Erinnerung präsent.
Gespielt hat Marlene in mehr als fünfzig Filmen. Man
kann auch sagen: Etwa 45 Filme haben es nicht geschafft, die fünf bis acht Hauptwerke aus
dem Gedächtnis zu tilgen. 1932, nach "Shanghai Express", war sie zu einer Ikone geworden,
aus der der Mythos wurde. Dieser Mythos hat etwas mit Überlebensfähigkeit zu tun. Die Dietrich
hat es geschafft, Marlene und Shanghai Lily, Marlene und Blonde Venus, Marlene und jegliche
andere Figur ihrer Filme zu sein.
Seit den fünfziger Jahren gab es Marlene,
die Diseuse: So wie sie keine außerordentlich
begabte Schauspielerin war, so fehlte es ihr auch an stimmlichem Volumen. Aber auf der Bühne
inszenierte sie nochmals die Ikone, die jetzt "persönlich" zu ihrem Publikum kam. Selbst, wer
ihre Shows nur aus dem Fernsehen kennt, bemerkt sofort, dass hier ein Profi sein Publikum
vollkommen beherrscht. Die Kunst der Verzögerung,
des Wartens auf die Nachwirkung einer Bemerkung, deren Zweideutigkeit nicht sofort verstanden,
aber
durch ihr Schweigen klar betont wird und sich schließlich in einem ansteigenden Raunen
des Publikums verdeutlicht - mit Tausenden von Menschen zelebrierte sie diese hohe Kunst der
Andeutung, der Performance als Verführung.
Sie kannte ihr Publikum und wusste genau, welche Tricks sie anwenden musste. Mal frech, dann
etwas lasziv, aber nicht zu sehr, dann wieder tragisch und schließlich das Rezitativ, der
Standard-Song als Hymne ewiger Jugend: "Falling in
Love again", das sie mit einem lachenden "I just
can`t help it" beendete. Bob Dylan widmete ihr
den Song "Forever young".

Tortenanschnitt mit Herbert Marshall (li.)
und Ernst Lubitsch am Set von "Angel"
Hollywood 1937 |
Zum 100. Geburtstag übernimmt das Filmmuseum Berlin die Rolle des Gastgebers
der Geburtstagsparty. Wen würde Marlene
Dietrich, wenn sie noch leben und diesen Tag als
ihren 100. Geburtstag akzeptieren würde, einladen?
Ganz oben auf ihrer Liste stehen
selbstverständlich ihr Ehemann Rudolf Sieber, ihre Tochter
Maria und Josef von Sternberg. Unter den Freunden finden wir sicher Maurice Chevalier, eventuell
Willi Forst, bestimmt Ernest Hemingway, Jean Cocteau und Erich Maria Remarque. Jean Gabin
wird ebenso dabei sein wie ihr Dirigent und
Arrangeur Burt Bacharach und ihre Freundin Edith Piaf;
auch Kollegen und Künstler wie Hans Albers,
Elisabeth Bergner, Grace Kelly, Maximilian Schell, Frank Sinatra und Billy Wilder werden
eingeladen. Marlene wäre nicht der große Star,
wenn sie nicht auch Personen einladen würde, zu
denen sie keine intensive Beziehung gehabt hat, die aber ihrem Image als Berühmtheit
angemessen sind. So kommen möglicherweise die Beatles und auch David Bowie gibt sich die Ehre.
Politiker wie Willy Brandt und Jacques Chirac
sowie Modeschöpfer wie Jean Louis, Christian Dior
und Karl Lagerfeld schließen sich der
Gratulatinscour an.
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Marlene Dietrich als Zirkusdirektorin anlässlich
einer Benefiz-Gala im Madison Square Garden
New York 1954
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Die Jubilarin selbst feiert ausgelassen mit, natürlich nur auf Partyfotos und in
Filmausschnitten. Als Hommage zeigen Schauspieler wie Liza Minnelli, Helmut Berger und Barbara Sukowa ihre Interpretationen von Schlüsselszenen aus
Dietrich-Filmen. Künstler wie Madonna, Bryan
Ferry, Ute Lemper, Udo Lindenberg und David Bowie singen als Geburtstagsständchen die
unvergesslichen Songs der Diva. An der Einladungsliste wird natürlich bis zum letzten Augenblick
gefeilt, und auch die Garderobe der Gastgeberin steht noch nicht endgültig fest. Aber als eine
Reminiszenz an die Anfänge ihrer
Show-Karriere wird sicher der Anzug als Zirkusdirektorin
aus dem New Yorker Madison Square Garden 1954 aufgeboten werden. So wird das
Filmmuseum Berlin den 100. Geburtstag Marlene Dietrichs
mit Gästen begehen, die sich aus dem Lebenskontext der Jubilarin ergeben und natürlich nur
das Beste über sie erzählen.
Den runden Geburtstag nimmt das Filmmuseum Berlin zum Anlass, neben dieser
kleinen Wechselausstellung auch die Marlene
Dietrich gewidmeten Räume der Dauerausstellung
völlig neu einzurichten. Es werden andere Kleider
und Kostüme, neue Fotos und auch neue Objekte
zu sehen sein, so dass der Besucher gleich zwei Ausstellungen besichtigen kann.
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Rückseite des Plattencovers zu "Phönix"
von Udo Lindenberg
mit Widmung für Marlene Dietrich
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Einen ersten Vorgeschmack darauf liefert ein großformatiger Bildband, den Peter
Riva, der
Enkel von Marlene, aus dem Fundus der Marlene Dietrich Collection zusammengestellt hat.
Das Buch erscheint gleichzeitig in New York,
London und Berlin. Mit über 350, teils farbigen Fotos
ist dies ein Fest für das Auge, ein Logbuch
durch die Zeiten des Glanzes, des Reichtums und
der Arbeit an der Legende. Und es ist natürlich
auch eine Hommage an Marlene Dietrich, eine Gratulation und eine Verbeugung vor ihrer
Lebensleistung.
Ebenfalls zur Ausstellung produzieren die Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung, die
Transit Film und das Filmmuseum Berlin in Kooperation mit
der Bertelsmann Music Group eine DVD zum "Blauen Engel", dem berühmtesten deutschen Film
von Marlene Dietrich. Erstmals werden die
seinerzeit parallel gedrehte deutsche und englische
Version im Vergleich zu sehen sein; dazu gibt es
viele unbekannte Dokumente, Fotos sowie bislang unveröffentlichte Ausschnitte aus ihren Shows. |
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Forever Young. Marlene Dietrichs 100. Geburtstag.
Eine Ausstellung im Filmmuseum Berlin vom 18.
Oktober 2001 bis zum 17. Februar 2002
Kataloge
 | Marlene Dietrich. Herausg. v. Jean
Jacques Naudet und Peter Riva. Nicolai Verlag, ca. 320 S.,
ca. 78 DM / ca. 40 EUR, ISBN 3-87584-111-5
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 | Der blaue Engel. DVD. Bertelsmann Music Group,
noch ohne Preis
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 | Werner Sudendorf: Marlene Dietrich. dtv portrait.
192 Seiten, 87 Fotos. 17,50 DM
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 | Newsletter der Marlene Dietrich Collection GmbH,
zu beziehen über: mdcb@filmmuseum-berlin.de
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Werner
Sudendorf ist Leiter der Sammlungen
Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek |
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