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Ausstellung im Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg

Bernhard Heiliger
Kopf Walter Gropius, 1959, Zementguss
Berlin, Bernhard-Heiliger-Stiftung |
Das Museum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt seit dem Spätherbst (18.11.2001
- 13.01.2002) die von der Bernhard-Heiliger-Stiftung in Berlin konzipierte Ausstellung
"Bernhard Heiliger - Die Köpfe", die seit einem Jahr
quer durch die Museen in Deutschland, von Berlin
über Wuppertal, Magdeburg, Neu-Ulm,
Regensburg und schließlich Künzelsau wandert.
Bernhard Heiliger (1915 Stettin - 1995
Berlin) zählt zu den herausragenden deutschen
Bildhauern der Nachkriegszeit. Er hinterließ ein
äußerst vielfältiges Werk, das sich von der Figuration
zur reinen Abstraktion entwickelte. So sind seine Großskulpturen heute in zahlreichen
deutschen Städten vertreten (u.a. Bonn, Villa Hammerschmidt und ehem. Bungalow des Bundeskanzlers; Bremen, Bürgerschaftshaus;
Esslingen, Neckarbrücke; Frankfurt a. M.,
Justus-von-Liebig-Schule; Karlsruhe, Technische Universität;
München, Tucherpark; Nürnberg,
Germanisches Nationalmuseum; Stuttgart,
Landesbibliothek; Ulm, Universitätsklinik; Untertürckheim,
DaimlerChrysler). Auch im Regensburger Stadtpark
an der Westfassade des Museums Ostdeutsche Galerie ist eine Wandplastik ("Montana III") des
Bildhauers zu sehen, aus deren amorphen dunklen Strukturen einer Stammform sich polierte
goldene Flächen einer Flügelform entfalten, als
Zeichen der Versöhnung zwischen realer Natur
und technischer Abstraktion. Heiligers Schaffen
war aber zeitlebens eng mit der Stadt Berlin
verknüpft, wo Werke wie die "Flamme" auf dem
Ernst-Reuter-Platz oder das "Auge der Nemesis" vor
der Schaubühne auf dem Kurfürstendamm
stehen. In Berlin lehrte er fast vierzig Jahre an der
Hochschule der Künste, hier befand sich auch
sein Grunewalder Atelier, heutiger Sitz der aus
dem Nachlass hervorgegangenen Bernhard-Heiliger-Stiftung.
Neben seinen freien Arbeiten schuf Heiliger eine Serie von Porträtköpfen, die zu den
wichtigen Werken ihrer Gattung zählen. Die nach
1945 schwierige Aufgabe, den Darzustellenden
möglichst treffend zu charakterisieren und dabei
zugleich ein modernes Kunstwerk zu schaffen, fand eine neuartige Lösung zwischen formaler
Radikalität und mimetischer Präzision, von
allgemeinem Typus und individueller Physiognomie.
Bernhard Heiliger
Kopf Theodor Heuss, 1960
Zement und Gips
Berlin, Bernhard-Heiliger-Stiftung
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Die Porträtierten waren größtenteils mit
Heiliger befreundet. Es sind unter anderem
Künstler (Karl Hofer, Alexander Camaro, Boris
Blacher), Schauspieler (O. E. Hasse, Ernst
Schröder), Kunsthistoriker (Karl Ludwig Skutsch,
Christian Adolf Isermeyer, Kurt Martin, Graf
Philippe d'Arschot), Autoren (Hans Blüher, Martin Heidegger), Sammler (Ehepaar Schniewind),
Tänzerinnen (Dore Hoyer, Katherine Dunham)
sowie Freundinnen und Ehefrauen. In drei Fällen
hatte Heiliger Aufträge aus der Politik
angenommen (Ernst Reuter, Theodor Heuss und Ludwig
Erhard). Diese Köpfe
machten Heiliger einer breiten Öffentlichkeit
bekannt, brachten ihm Ruhm ein. Sie wurden "in ihrer
Gesamtheit ... und über das Individuelle
hinausgehend zum Gesicht der damaligen Zeit"
(Gottfried Sello). Und fast alle Köpfe sind nur aus dem
Interesse an der Spiegelung eines Charakters entstanden, wenn ihm - so Heiliger selbst
- ein "besonders einprägsames Gesicht begegnet,
das meiner Formenwelt entsprach."
Heiligers Porträtauffassung ist mitnichten
konventionell, vielmehr schuf er "frei
erfundene Skulpturen ... mit gewissen Physiognomien".
Typisch für dieses Verständnis sind die zwei
Köpfe des Berliner Bürgermeisters "Ernst
Reuter" aus den Jahren 1954/55. Zu diesem Zeitpunkt
lebte das Modell nicht mehr, und Heiliger
entwickelte aus der Intuition ein prägnantes Porträt, das
physiognomische Details und überindividuellen
Typus in einer untrennbaren Einheit verband. Aus Respekt vor seinem Gegenüber vermied er
bei seinen Porträts grundsätzlich jegliche
schmeichelnden Pathosformel oder gar
karikaturhafte Übersteigerung. In der künstlerischen Entwicklung Heiligers
ist nach 1945 eine immer stärkere Zurücknahme
des formalen Details zugunsten einer mehr archaisierenden Formensprache erkennbar. Seine kugeligen "Frauenköpfe" vom Ende der
vierziger Jahre weichen späteren Gesichtern mit
kantigen Profilen und Graten der Lineatur. Die
Auftragsarbeit der Amerikanerin "Eline
McKnight" von 1950 - mit hochgerecktem Hals als Sockel
und Büste - zugleich steht noch in der Tradition
expressiver Vereinfachung. Dagegen steigerte er fünf Jahre später das Bildnis des
"Grafen
Philippe d'Arschot" zu einem Porträt zwischen
geistiger Anspannung und formaler Autonomie. Den Durchbruch erlangte Heiliger schließlich 1951
mit dem "Karl Hofer"-Porträt. Der Kopf des
damals 73-jährigen Hochschuldirektors erregte
großes Aufsehen in der Fachwelt. "Er ist von einer
entwaffnenden Ähnlichkeit und gleichzeitig ganz
und gar plastisch. Wie Heiliger das zuwege
gebracht hat, ist rätselhaft." (Will Grohmann)

Bernhard Heiliger
Kopf Katherine Dunham, 1954
Bronze- und Zementguss
Berlin, Bernhard-Heiliger-Stiftung |
Die allgemeine Verblüffung lag in der
Auflösung der Symmetrie, die ansonsten im Aufbau
seiner Köpfe ruhte. Von der Basis schwingen Kopf
und Schulter gestenreich nach oben. Die dynamische Anspannung durchfährt das gesamte
Gesicht, das sich in entgegengesetzte Richtung zum
Körper dreht. "Er hatte zentrale Vorstöße der
modernen Plastik - die Dynamik einer aufsteigenden Form, den großlinig flüssigen
Zusammenklang des Gesamtkonturs wie der Binnenzeichnung,
die Rhythmik konkaver Mulden und konvexer Wölbungen - ins psychologische Raffinement
einer Portraitbüste überführt. Dieser Kopf besteht
die Nagelprobe der Formautonomie und
verblüfft doch durch Ähnlichkeit. Der
zusammengekniffene Schlitz des Mundes, die witternd
vorgeschobene Nase, die tief unterschnittene
Brauenlinie mit den kleinen eingebohrten Augenlöchern - das alles charakterisiert, ohne jede deskriptive
Anpassung, Hofers wache Skepsis, spürsinnige
Aufmerksamkeit, bis hin zum verhalten
visionären Blick." (Manfred Schneckenburger)
Mit diesem Kopf wird ein Paradigma der modernen bildhauerischen Porträtgestaltung
gesetzt, über die physiognomische Treue hinaus
das Wesen des Gegenübers erst durch Haltung, Neigung, Drehung und Umriss des ganzen
Kopfes zu bestimmen. So erschließt sich für den
Betrachter der Charakter anderer Köpfe durch
unterschiedliche Annäherung, schräg z. B. beim
Kunsthistoriker "Kurt Martin" oder frontal z. B.
beim Schauspieler "Ernst Schröder". Es sind
wahre "Kopflandschaften" (Heiliger), deren
materielle Beschaffenheit auch zum Ausdrucksträger
ihres Wesens werden.
Neben Bronzen entstanden vor allem Zementgüsse, deren raue Oberfläche sich besonders
für den Eindruck einer zerfurchten Epidermis mit
tiefen Senken und Buchten eignet. Der Blick des Auges mit gebohrten Pupillen verändert
sich durch den Grad der Ritzung und Kerbung, einmal verinnerlicht kontemplativ beim Musiker
"Boris Blacher", dann kantig kämpferisch beim
Kunsthistoriker "Kurt Martin" und schließlich
gelassen würdevoll beim Bundespräsidenten i.R. "Theodor Heuss". Am Beispiel des Mimen
"Ernst
Schröder" vermag eine Ritzzeichnung dessen
Gesichtszüge als Maske zu tarnen.
In der Bronze erscheinen dagegen die vom Licht glänzend getroffenen Formen nobel
glatt und herrschaftlich kompakt. Das pyknische Gesicht von "Ludwig Erhard" wirkt eher
geschönt angesichts seines wuchtigen Schädels.
Ohren und Haare verschmelzen sich mit dem Kopfmassiv.
Von den knapp 80 überlieferten Köpfen
werden in Regensburg 35 herausragende Beispiele aus dem geistigen Kulturleben von 1945 bis
1965 zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein
Katalog mit 160 Seiten und zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen, herausgegeben von
Marc Wellmann im Auftrag der
Bernhard-Heiliger-Stiftung Der Katalog enthält kritische Aufsätze,
biographische Informationen zu den Dargestellten und ein Werkverzeichnis aller Köpfe (Preis an
der Museumskasse 29 DM/14,80 EUR).
Bernhard Heiliger
Kopf Karl Hofer, 1951, Zement
Berlin, Nationalgalerie,
Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz |
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Weitere Station der
Ausstellung
Hirschwirtscheuer, Museum für die Künstlerfamilie
Sommer, Künzelsau (24.1. - 24.3.2002) |
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