Mehr Licht": Goethes legendäre letzte Worte
sind die Signatur der Epoche der Aufklärung, deren Leitgedanke es war, das Dunkel von
Unwissenheit und Unbildung zu vertreiben. Die bildende Kunst der Aufklärung steht im
Mittelpunkt der Ausstellung, die Städel und Liebieghaus aus Anlass des Goethejahres
gemeinsam konzipiert haben und die noch bis zum 9. Januar 2000 im Ausstellungshaus des
Städel zu sehen ist.
In ganz Europa stellen sich in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts Malerei, Bildhauerei und Graphik in den Dienst der Aufklärung. Die Kunst
wendet sich damit neuen Aufgaben zu, sie wird zur Vermittlerin von Bildung und Erziehung.
Wo bislang hauptsächlich Adel und Kirche dominierten, treten nun Bürger und
Intellektuelle als Auftraggeber, Kritiker und Kunstinteressierte auf. Der Mensch in seiner
Ganzheit wird wichtig, seine Standeszugehörigkeit hat nicht länger Vorrang; Gefühl und
Intellekt werden zentrale Kategorien der Kunstproduktion und -rezeption. Ein neuer Stil,
gekennzeichnet durch die Klarheit der Formen, durch Einfachheit und Linearität entwickelt
sich.
Die Kunstzentren Rom, Stockholm, London, Schweiz, Wien,
Paris, Madrid, Venedig, München, Berlin und Sankt Petersburg bilden die Stationen der
Ausstellung. Mit ihnen sind dominante Themen der Zeit verbunden. Erstmals werden in
größerem Umfang Hauptwerke der russischen Kunst des 18. Jahrhunderts aus dem Russischen
Museum in Sankt Petersburg in Deutschland zu sehen sein. Ein besonderer Teil der
Ausstellung ist der Druckgraphik gewidmet, die durch zahlreiche neue Erfindungen zu einer
spezifischen Verbreitungsform der Kunst der Aufklärung wurde.
Unter den Museen, die das Projekt mit Leihgaben
unterstützen, sind das Metropolitan Museum (New York), die National Gallery (London), der
Louvre (Paris), die Eremitage (Sankt Petersburg) und die Accademia (Venedig). Zu sehen
sind Werke von Canaletto, Antonio Canova, Jacques-Louis David, Jean-Honoré Fragonard,
Johann Heinrich Füßli, Thomas Gainsborough, Angelika Kauffmann, Giovanni Battista
Piranesi, Joshua Reynolds, Giambattista und Giandomenico Tiepolo und vielen anderen
Künstlern.
Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Katalog
erschienen. Er ist an der Museumskasse erhältlich oder kann über den
Städel-Katalogversand bestellt werden, Preis: 48 DM.