Mit Mitteln der Stiftung
Deutsche Klassenlotterie Berlin kann die Stiftung Deutsche Kinemathek den Nachlass von
Gert Fröbe (1913-1988) ankaufen.
Die Sammlung Fröbe" dokumentiert u. a. ausführlich die gesamte
Nachkriegskarriere dieses großen Schauspielers, der in einem seiner ersten Filme
Berliner Ballade" als abgemagerter Heimkehrer 1948 unter der Regie von R. A.
Stemmle spielte. Zu seinen bekanntesten Filmen gehörten Es geschah am hellichten
Tag" (1958), in dem Fröbe - neben Heinz Rühmann als Kommissar - einen triebhaften
Kindermörder darstellte; der James-Bond-Film Goldfinger" (1964) mit Fröbe als
Titelfigur eines Verbrechers, der die Welt beherrschen will, sein Gegenspieler: Sean
Connery; und Fröbe in der Rolle eines Kriminalinspektors in Ingmar Bergmans Das
Schlangenei" (1976). In den letzten Jahren vor seinem Tod widmete er sich dem
Kinderfilm (Der Räuber Hotzenplotz" und Der kleine Vampir").
Der Nachlass Gert Fröbe, aus dem Besitz seiner zweiten
Frau und Witwe Karin Fröbe, umfasst ca. 2.000 Fotos, ca. 550 Autogrammkarten, ca. 45
Regalzentimeter Schriftgut (Korrespondenz, Programmhefte, Presseausschnitte, Einladungen,
Noten), zwölf Skripte (darunter acht z. T. handschriftlich bearbeitete Drehbücher), eine
Reihe persönlicher Dokumente (Familienunterlagen, Ausweise, Urkunden, Skizzen,
Tonbänder, ca. 20 Min. 16-mm-Filmmaterial), neun Plakate, sechs Auszeichnungen und die
persönliche Staffelei Gert Fröbes - er war ein begabter Maler und erhielt 1936 den
Sächsischen Staatspreis für Malerei. Darüber hinaus sollen acht Objekte (sechs weitere
Auszeichnungen, ein Aquarell, ein Ölbild) als Leihgaben überlassen werden.
Auch aus der Zeit vor 1945 gibt es Zeugnisse seiner
persönlichen und beruflichen Entwicklung. Besonderes Interesse verdient ein
handschriftlicher Brief Fröbes an seine Mutter aus dem Jahr 1946, in dem er seine
Situation eindringlich skizziert. Dokumente zu seinem Entnazifizierungsverfahren und eine
ausführliche Darstellung der Folgen seines Daily News"-Interviews spiegeln die
nationale und internationale Bedeutung von Fröbe als Schauspieler mit deutscher
Vergangenheit. Fröbe hatte einem Reporter der Daily News" nicht verschwiegen,
dass er seit 1934 Mitglied der NSDAP war. Die Zeitung veröffentlichte das Interview unter
dem reißerischen Titel Natürlich war ich ein Nazi". Die israelische Regierung
verbot daraufhin eine weitere Aufführung des Films Goldfinger" in Israel. Erst
als sich herausstellte, dass Fröbe nicht in Filmproduktionen des Dritten Reiches
aufgetreten war, und sich jüdische Zeugen meldeten, denen Fröbe in Wien zur Zeit des
Anschlusses" das Leben gerettet hatte, wurde der Schauspieler wieder
rehabilitiert.
Ebenfalls mit Mitteln der Stiftung Deutsche
Klassenlotterie kann die Kinemathek den Nachlass von Max Colpet (1905-1998)
ankaufen.
Colpet, als Jude und Staatenloser seit 1933 auf der
Flucht, arbeitete als Autor für Bühne, Film und Fernsehen. Er war eng mit Marlene
Dietrich und Billy Wilder befreundet. Colpet verstand sich als Marlene Dietrichs
Interessenvertreter, er übersetzte ihre Autobiographie ins Deutsche. Sein Nachlass
enthält u. a. umfangreiche Korrespondenz mit Marlene Dietrich und die ungeschnittenen
Tonbänder des Marlene-Dietrich-Interviews von Maximilian Schell.