Das Gemälde Knabe vor zwei stehenden und einem
sitzenden Mädchen" von Otto Mueller (1874-1930) wurde 1979 von Henri Nannen in
London erworben. Das Bild gehört seit Eröffnung der Kunsthalle in Emden (1986) zu den
tragenden Werken der Sammlung. Ende 1998 erfuhr die Stiftung Henri und Eske Nannen, dass
dieses Gemälde von Otto Mueller eine dunkle, der Stiftung bis dahin unbekannte
Vergangenheit hat: Das Bild gehörte ursprünglich zur großen Sammlung des jüdischen
Rechtsanwalts Dr. Ismar Littmann (geb. 1878) in Breslau.
Dr. Littmann, der sich 1934 das Leben nahm, war eine der
engagiertesten Sammlerpersönlichkeiten der Weimarer Republik. Im Februar 1935 gab die
Familie Littmann neben anderen Werken auch das Gemälde von Otto Mueller zu einer
Versteigerung des Berliner Auktionshauses Max Perl (Unter den Linden). Zwei Tage vor der
Auktion wurden eine Reihe der von Littmann eingelieferten Gemälde von der Gestapo bei
Perl beschlagnahmt und später in die Nationalgalerie als Depositum gebracht.1937 tauchte
das Bild in der Münchner Ausstellung Entartete Kunst" wieder auf. Als
Eigentümer wurde die Nationalgalerie Berlin" angegeben. 1940 erhielt der
Kunsthändler Böhmer das Gemälde zur internationalen Vermarktung, er bezahlte 40 Dollar
an die zuständigen Stellen.
Nach Bekanntwerden der wahren Herkunft beschlossen Eske
Nannen sowie Vorstand und Stiftungsrat, nach Erben des Sammlers Dr. Littmann zu forschen,
um mit ihnen Kontakt aufzunehmen.
Ende April 1999 besuchte Ruth Haller, letztes noch
lebendes Kind von Dr. Littmann, die Kunsthalle in Emden. Am 7. Mai 1999 entschieden
Vorstand und Stiftungsrat der Stiftung Henri und Eske Nannen, das Bild an die Nachkommen
von Dr. Ismar Littmann zurückzugeben. Der Beschluss erfolgte einstimmig und wurde in
einer Pressekonferenz am 7. Juni 1999 der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Die Stiftung
wird versuchen, das Kunstwerk von den Eigentümern zu erwerben und hegt Hoffnungen, dieses
Hauptwerk von Otto Mueller für die Sammlung zu erhalten.