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Zur Maecenas-Ehrung von Wolf-Dietrich Speck von Sternburg
Jan Nicolaisen
Es kann als ein besonderer Glücksfall gelten, dass sich
eine der bedeutendsten deutschen Kunstsammlungen des 19. Jahrhunderts im Museum der
bildenden Künste Leipzig erhalten hat. Zur Sammlung des Kunstmäzens und Großkaufmanns
Maximilian Speck von Sternburg (1776-1856) gehören heute 202 Gemälde, 127 Zeichnungen,
645 Graphiken sowie Archivalien und eine umfangreiche Kunstbibliothek.

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Titelblatt, Archivexemplar
Museum der bildenden Künste Leipzig |
Der Gemäldebestand umfasst herausragende Meisterwerke
von Lucas Cranach d.Ä. bis zu Caspar David Friedrich. Wer war dieser Mann, der - aus
einfachen Verhältnissen stammend und mit vierzehn Jahren noch Analphabet - später Briefe
an Goethe schrieb und es zum Berater des Bayernkönigs Ludwig I. und des russischen Zaren
Ale-xander I. brachte? Wie kam es zu dieser Kunstsammlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg
einmal fast in die Hände der russischen Armee gefallen wäre?
Auf diese Fragen gibt eine Ausstellung Antwort, die noch
bis zum 9.1.2000 im Museum der bildenden Künste gezeigt und von einem umfangreichen
wissenschaftlichen Katalog begleitet wird: Maximilian Speck von Sternburg - Ein Europäer
der Goethezeit als Kunstsammler. Es handelt sich um den zweiten Teil einer Ausstellung,
deren erster Teil bereits im vergangenen Jahr zu sehen war. Präsentiert werden jetzt
Malerei, Zeichnung und Graphik vom 17. bis 19. Jahrhundert, wobei das Schwergewicht der
Schau auf dem 19. Jahrhundert liegt, also dem damals zeitgenössischen Kunstschaffen, in
das Speck von Sternburg als Förderer, Mäzen und Sammler aktiv eingriff. So beauftragte
er 1825 den Historien- und Porträtmaler Friedrich Wilhelm von Schadow mit dem Gemälde
der Mignon", der Figur einer jungen Frau aus Goethes Roman Wilhelm
Meisters Lehrjahre". Der Auftrag bringt die Goethebewunderung des kunstsinnigen
Kaufmanns unmittelbar zum Ausdruck. Das frisch restaurierte Gemälde, das ebenso vom
religiösen wie literarischen Geist der Zeit geprägt ist, zählt zu den Höhepunkten der
Ausstellung und ist gleichzeitig ein Hauptwerk der nazarenischen Malerei.

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Friedrich von Amerling
Bildnis Maximilian Speck von Sternburg, 1832
Öl auf Leinwand
Familienbesitz Speck von Sternburg
Dauerleihgabe im Museum der bildenden Künste Leipzig |
Maximilian Speck von Sternburg, der es als Wollhändler
und -produzent rasch zu Wohlstand bringen sollte, unternahm seit 1802 geschäftliche
Reisen, auf denen er die bedeutenden fürstlichen Galerien und Kunstsammlungen Europas
besuchte. In dieser autodidaktischen Schule des Sehens" hat er seinen Geschmack
ausgebildet und im Laufe der Zeit durch Bekanntschaften mit Künstlern und Gelehrten
geschärft. Auch mit Caspar David Friedrich, dem bedeutendsten Maler der Romantik in
Deutschland, stand Sternburg in Verbindung.
Zwei kostbare kleinformatige Bilder Friedrichs in seiner
Sammlung, Friedhof im Schnee"(1826/27) und Seestück bei Mondschein"
(um 1827/28), die wahrscheinlich im Auftrag Sternburgs entstanden sind, geben hiervon
Zeugnis. Die stimmungshafte Emotionalität, malerische Präzision und kompositionelle
Strenge machen die Bilder zu Meisterwerken der romantischen Malerei. Das Friedhofsbild
hing 1834 nachweislich im Leipziger Stadthaus der Familie Speck von Sternburg. Weitere
Maler wie Dahl, Schnorr von Carolsfeld, Klenze, Catel oder Ludwig Richter arbeiteten auf
Bestellung Maximilians.
Im Jahr 1834 errichtete Speck von Sternburg auf seinem
Landgut in Lützschena bei Leipzig, das er bereits 1822 erworben hatte, ein
Galeriegebäude, offenbar weil seine Kunstsammlung entsprechend angewachsen war. Im
Hintergrund mag hierbei auch das Bedürfnis des inzwischen in den erblichen
Freiherrenstand erhobenen von Sternburg nach Repräsentation gestanden haben. Daneben lag
dem Sammler zweifellos die öffentliche Wohlfahrt und Bildung am Herzen. So war die
Galerie an Wochenenden zu bestimmten Zeiten für das Publikum unentgeltlich zugänglich.
Auch Reisende konnten nach Anmeldung die Kunstsammlung besuchen, deren Ruhm sich noch zu
Lebzeiten des Sammlers schnell verbreitete. Die erhaltenen Gästebücher belegen die
Anziehungskraft der Galerie auf Besucher, die zum Teil von weit her - aus England,
Frankreich oder dem russischen Zarenreich - anreisten. Namhafte Besucher wie der
Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar, Friedrich von Rumohr, Johann David
Passavant, Ludwig Tieck, Karl Friedrich Schinkel und Carl Friedrich Lessing kamen nach
Lützschena.

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Friedrich Wilhelm von Schadow
Mignon, 1828
Öl auf Leinwand
Maximilian Speck von Sternburg Stiftung
im Museum der bildenden Künste Leipzig |
Auch die wissenschaftliche Erschließung
seiner Sammlung war Maximilian Speck von Sternburg wichtig, der erste
Bestandsverzeichnisse publizierte und testamentarisch verfügte, dass ein ganz
solider und ehrlicher Custos" mit einem festen Jahresgehalt zur Betreuung der
Kunstschätze eingestellt werden sollte. 1837 gehörte Speck von Sternburg zu den
Gründern des Leipziger Kunstvereins, der sich in seinen Statuten die Gründung eines
Städtischen Museums zum Ziel gesetzt hatte. Von besonderer Bedeutung war die
testamentarische Festlegung von 1852, seine Sammlung solle, im Fall keiner Majoratserben,
nicht zerstreut, sondern an das Städtische Museum in Leipzig übergeben werden.
Durch die Auflösung der Fideikommisse in den 20er
Jahren unseres Jahrhunderts bestand für die Nachkommen diese Verpflichtung nicht mehr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung im Zuge der Bodenreform enteignet und im
Leipziger Museum der bildenden Künste verwahrt. Nach der historischen Wende von 1989
erhielten die Erben Speck von Sternburgs die Sammlung zurück, die sie im November 1996
großzügig in die Maximilian Speck von Sternburg-Stiftung überführten. Mit der
Gründung dieser Stiftung, an deren Zustandekommen Wolf-Dietrich Freiherr Speck von
Sternburg - Familienchef und jetziger Präsident der Stiftung - wesentlichen Anteil hatte,
wurde der dauerhafte Verbleib der großen Kunstsammlung im Museum der bildenden Künste
gesichert.

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Lucas Cranach d.Ä.
Adam und Eva, 1533
Öl auf Holz (Winterlinde)
Maximilian Speck von Sternburg Stiftung
im Museum der bildenden Künste Leipzig |
Die Ausstellung im Museum der bildenden Künste
fasziniert auf zweierlei Weise - zum einen durch den Rang und die Schönheit einzelner
Meisterwerke, zum anderen und nicht weniger durch die Begegnung mit dem persönlichen
Geschmack des Sammlers. Denn dieser wird auch in Bildern von geringerer künstlerischer
Qualität widergespiegelt, die oftmals einen betont liebreizenden und heimeligen Charakter
haben. Gerade beim Betrachten dieser Bilder, seien es Landschaften oder die immer
wiederkehrenden Motive aus dem bürgerlichen Familienleben mit Müttern und Kindern, meint
man sich auch ein Bild von der Persönlichkeit und dem Menschen Maximilian Speck von
Sternburg machen zu können.
Stiftungsrat:
 | Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg (München, Präsident) |
 | Dr. Peter Haverbeck (Hannover, Stellvertreter des Präsidenten,
Vorsitzender des Fördervereins des Museums der bildenden Künste Leipzig) |
 | Ilse Freifrau Speck von Sternburg (Sulingen) |
 | Professor Dr. Thomas W. Gaehtgens (Kunsthis-torisches Institut der Freien
Universität Berlin, Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte Paris) |
 | Dr. Georg Girardet (Beigeordneter für Kultur der Stadt Leipzig) |
 | Henning Rengshausen (Dresden, Ministerialrat im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) |
 | N.N. (Vorstand der Stiftung, Direktor/in des Museums der bildenden
Künste Leipzig) |
Katalog zur Ausstellung: Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer
der Goethezeit als Kunstsammler, 496 Seiten, 68 Tafeln und 275 s/w-Abbildungen, an der
Museumskasse 49 DM (im Buchhandel 98 DM). Vom 28.Januar bis 30. April 2000 wird die
gesamte Sammlung im Haus der Kunst in München präsentiert.

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Dr. Jan
Nicolaisen, Leiter der Abteilung
Öffentlichkeitsarbeit im Museum der bildendenden Künste Leipzig |
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