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Kulturberichte 2/99: Raum für Reger - Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des Max-Reger-Instituts in der Alten Karlsburg in Karlsruhe-Durlach

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Susanne Shigihara

Am 25. Februar 1999 fand mit der feierlichen Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des Max-Reger-Instituts in der Alten Karlsburg in Karlsruhe-Durlach eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, den weder Elsa Reger, als sie am 25. Oktober 1947 die nach ihr benannte Stiftung und das angegliederte Institut gründete, noch ihr verstorbener Gatte, der Komponist Max Reger (1873-1916), jemals hätten voraussehen können.

StatistikAuf der Covergrafik der Einladung zur Eröffnungsfeier wird der Aufstieg Regers und seines Instituts sinnfällig: von 9 m2 im Jahr 1947 über 48 m2 im Jahr 1972, 96 m2 1985, 180 m2 1996 bis zum gewaltigen Sprung auf 300 m2 im Jahr 1999. Kurz vor der Jahrtausendwende hat das Max-Reger-Institut nun in alten Mauern eine hochmoderne „Infrastruktur" erhalten - Basis für eine ganze Palette erweiterter Aufgaben, die in den kommenden Jahren in Angriff zu nehmen sind.

Schon als in der Zeit vor 1995 die Verlegung des in seiner Existenz bedrohten Max-Reger-Instituts von Bonn nach Karlsruhe diskutiert wurde, stellten Räumlichkeiten in der zum größten Teil leer stehenden Alten Karlsburg Durlach, die sich im Besitz des Badenwerks befindet, das Fernziel dar. Nachdem 1998 die Interimszeit des Instituts im städtischen Gebäude in der Röntgenstraße wegen des geplanten Verkaufs der Immobilie zu Ende gehen musste, gelang es dem Badenwerk - trotz zahlreicher Schwierigkeiten und Verzögerungen durch Anwohnereinsprüche - in Rekordzeit die umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen in dem für das Max-Reger-Institut vorgesehenen Gebäudeteil durchzuführen. So konnte im Oktober 1998 der Einzug des Instituts stattfinden, im Januar 1999 die seit langem geplante Überführung des Brüder-Busch-Archivs aus Hilchenbach-Dahlbruch bei Siegen und Ende Februar 1999 die offizielle Einweihung.

Das neue Domizil
Die Alte Karlsburg in Karlsruhe-Durlach -
neues Domizil des Max-Reger-Instituts

Im Herzen Durlachs, der idyllisch am Fuße des Turmbergs gelegenen „Mutterstadt" des erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegründeten Karlsruhe, ist das Max-Reger-Institut nun in einem Gebäude beheimatet, das in den ursprünglichen Teilen aus der Renaissance stammt. An seinen unterschiedlichen historischen Schichten kann man die wechselhafte Geschichte Durlachs ablesen, das 1689 im Zuge der Pfälzischen Erbfolgekriege eine fast totale Zerstörung erlitt. Einer der beiden erhaltenen wertvollen Wendeltreppentürme aus der Straßburger Steinmetzschule bildet den Eingang zu den Räumen des Instituts und in einem im Erdgeschoss gelegenen Raum wurde gegen Ende der Bauarbeiten sogar ein unversehrt unter Putz schlummerndes Renaissanceportal entdeckt.

Die mäzenatischen Verdienste des Badenwerks als Eigentümer der denkmalgeschützten Immobilie, die darüber hinaus auch umfangreiche Remisengebäude umfasst, können nicht hoch genug veranschlagt werden. Ist doch das Max-Reger-Institut nun nicht nur räumlich großzügig, zentral gelegen und in ästhetisch hoch befriedigender Umgebung untergebracht, sondern auch mit einer modernen Datennetzverkabelung auf zwei Etagen ausgerüstet, die die Möglichkeit bietet, zahlreiche voll funktionsfähige Computerarbeitsplätze zu installieren. Neben der Übernahme der Kosten für die Instandsetzung der Räumlichkeiten engagiert sich das Badenwerk - und hier ist in allererster Linie dem Vorstandsvorsitzenden der Energie Baden-Württemberg AG, Gerhard Goll, Dank zu sagen - durch die Erlassung eines großen Teils der Miete auf lange Sicht.

Nicht von ungefähr konnten deshalb alle Redner aus Stadt und Land, die während der Eröffnungsfeier im Festsaal der Karlsburg - des nach dem großen Brand neu gebauten, der „Alten Karlsburg" gegenüberliegenden Schlosses von Durlach - zu Wort kamen, dem „gelungenen Coup" der nun endgültigen Etablierung des Instituts in Baden-Württemberg applaudieren.

Bei der ersten Eröffnungsfeier des Max-Reger-Instituts am 31. Januar 1996 waren von allen Beteiligten große Hoffnungen in die günstigen Arbeitsbedingungen in Karlsruhe gesetzt worden. Etwas mehr als drei Jahre nach der Verlegung des Instituts von Bonn nach Karlsruhe ließ sich jetzt feststellen, dass seine Verankerung als Kulturfaktor der Region in erstaunlicher Weise gelungen ist.

So fand bereits die erste in Karlsruhe veranstaltete Konzertreihe zum Thema Brahms - Reger - Ravel - Debussy, mit der im Herbst/Winter 1996/97 das Max-Reger-Institut seinen Einstand gab, große Beachtung und ein von Konzert zu Konzert anwachsendes Publikum im schönen Kammermusiksaal von Schloss Gottesaue, dem Sitz der Staatlichen Hochschule für Musik.

Der 50. Jahrestag der Gründung der Elsa-Reger-Stiftung am 25. Oktober 1997 bot Anlass zu  einer „Jubelfeier" in der Karlsruher Musikhochschule, bei der Mitglieder des Kuratoriums wie Siegfried Palm oder Siegfried Mauser und Karlsruher Professoren wie Nachum Erlich und Gunther Hauer den musikalischen Teil beisteuerten. Launig-entspannte Redebeiträge zollten Regers Neigung zum Humor Tribut und eine in großer Zahl herbeigeströmte Gästeschar aus nah und fern konnte sich beim anschließenden Empfang in der Cafeteria von Schloss Gottesaue bestens amüsieren.

Zum großen „Rundumschlag", mit dem sich das Max-Reger-Institut dem Karlsruher Publikum in seiner ganzen Arbeitsvielfalt vorstellte, wurde im Jahr 1998 ausgeholt, dem Jahr von Regers 125. Geburtstag. In einer konzertierten Aktion unter dem Titel „Rege(r)s Karlsruhe 1998" fand sich eine beeindruckende Anzahl von Veranstaltern und Einrichtungen zu einer umfassenden Veranstaltungsreihe zusammen, die sich von Regers Geburtstag am 19. März bis zum
Abschlusskonzert am 15. November 1998 erstreckte. Schon die Aufstellung der mitwirkenden Einrichtungen ist aussagekräftig genug: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Badisches Konservatorium Karlsruhe, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Christkönig-Kirche Karlsruhe, Christuskirche Karlsruhe, Karlsruher Kammermusikfreunde, Kulturverein unter der Sternwarte, Piano-Podium Karlsruhe e. V., Staatliche Hochschule für Musik Karlsruhe und Volkshochschule Karlsruhe, unterstützt vom Kulturreferat der Stadt Karlsruhe, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Zusätzlich zu den zahlreichen Konzerten der verschiedenen Veranstalter präsentierte das Max-Reger-Institut in der Badischen Landesbibliothek eine Ausstellung, bei der - sozusagen in der Nachfeier des 50-Jahr-Jubiläums im Vorjahr - die Sammeltätigkeit des Instituts den roten Faden bildete sowie ein opulenter Überblick über die Autographenschätze geboten und von einem ausführlichen Katalog begleitet wurde. *

An die Ausstellungseröffnung am 15. September schloss sich vom 16. bis 18. September 1998 ein Internationaler Reger-Kongress im Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek an, der an allen drei Tagen eine für einen wissenschaftlichen Spezialkongress erstaunlich zahlreiche Zuhörerschaft fand und viele neue Erkenntnisse zutage förderte.

Dem Kongress folgte nahtlos der Umzug des Instituts vom Haus des Oberrheinischen Dichtermuseums in der Innenstadt Karlsruhes in die Alte Karlsburg nach Durlach, was die nur aus wenigen Personen bestehende Besetzung des Instituts vor nicht geringe logistische Herausforderungen stellte.

Als am 25. Februar 1999 dann eine alle Erwartungen übertreffende Zahl von Gästen der Einladung zur Einweihung der neuen Institutsräume gefolgt war, konnten der Kuratoriumsvorsitzende des Max-Reger-Instituts und Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Karlsruhe, Prof. Dr. Siegfried Schmalzriedt, Staatssekretär Michael Sieber vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe Heinz Fenrich und das Vorstandsmitglied der Energie Baden-Württemberg Dr. Klaus Kasper in großer Einhelligkeit die gelungene Integration des Instituts in die baden-württembergische Kulturlandschaft begrüßen und der weiteren Arbeit des Max-Reger-Instituts alles erdenklich Gute wünschen.

25.2.1999
Feierstunde am 25. Februar 1999 im Festsaal der Karlsburg Durlach
V. l. n. r.: Pavel Fieber, Generalintendant des Badischen Staatstheaters; Wolfgang Sieber, Verwaltungsdirektor des Badischen Staatstheaters; Michael Sieber, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg; Dr. Susanne Popp, Geschäftsführerin des Max-Reger-Instituts; Heinz Fenrich, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe; und Dr. Klaus Kasper, Vorstandsmitglied der Energie Baden-Württemberg

Nach einer Grußadresse des Vorstands der Brüder-Busch-Gesellschaft, vorgetragen von Wolfgang Burbach, dem Schöpfer und langjährigen Leiter des mittlerweile ins Max-Reger-Institut übersiedelten Brüder-Busch-Archivs, und einer heiteren Dankesrede Max Regers, im Duo vorgetragen von Dr. Susanne Popp, der Geschäftsführerin des Max-Reger-Instituts, und Dr. Susanne Shigihara, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin, bot Markus Becker, der derzeit Regers Klaviergesamtwerk auf CD einspielt, mit einer fulminanten Interpretation von Regers Telemann-Variationen op. 134 den Ausklang des ersten Teils der Feier im Festsaal der Karlsburg, dem sich ein gemeinsamer Gang über den Durlacher Schlossplatz in die neuen Räumlichkeiten in der Alten Karlsburg anschloss. Hier wurde bei Regerbällchen, Sekt, badischem Wein und anderen Köstlichkeiten Regers Einzug in die neuen Räume im alten Gemäuer gebührend gefeiert, auch kam der Namenspatron in Gestalt seiner genialen Paraphrase über den Donauwalzer noch einmal selbst zu Wort - dargeboten von dem jungen Karlsruher Pianisten Ruben Meliksetian.

Bei der am darauf folgenden Tag sich anschließenden jährlichen Kuratoriumssitzung des Max-Reger-Instituts bestand Einigkeit darüber, dass das Institut nun unter besten Bedingungen an seine umfangreichen Zukunftsaufgaben gehen kann: die Erarbeitung eines neuen Werkverzeichnisses und die Erstellung einer kritischen Gesamtausgabe der Werke Regers.

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Auf der Suche nach dem Werk. Max Reger - sein Schaffen - seine Sammlung. Eine Ausstellung des Max-Reger-Instituts Karlsruhe in der Badischen Landesbibliothek zum 125. Geburtstag Max Regers, hrsg. von Susanne Popp und Susanne Shigihara, Selbstverlag der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe 1998

Diese Publikation kann für 32,- DM auch im AsKI-Shop erworben werden

Dr. Susanne Shigihara ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Max-Reger-Instituts, Karlsruhe

 

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