Noch bis zum 21. November 1999 zeigt die Kunsthalle in
Emden anlässlich seines 150. Geburtstages neue Perspektiven auf das Spätwerk des
deutschen Expressionisten Christian Rohlfs.
Mit über 130 Temperabildern und einem reich bebilderten
Katalogbuch ist diese große Geburtstagsausstellung die bislang umfangreichste, die sich
dem reichen Alterswerk des Künstlers widmet. Ausstellung und Katalogbuch breiten erstmals
den zentralen Aspekt seines Spätwerkes Das Licht in den Dingen" in
erstaunlicher Vielfalt aus.
Rohlfs` fast 70 Jahre währendes Schaffen hat ganz
unterschiedliche Phasen durchlaufen. Sein Weg führte ihn vom Realismus und
Impressionismus über den Expressionismus zu einem individuellen Altersstil, der sich
jeglicher summarischen Etikettierung entzieht. Vor allem im letzten Lebensjahrzehnt wusste
Rohlfs seine Ausdrucksmittel auf bewundernswerte Weise noch einmal zu steigern, so dass -
unabhängig von früheren Höhepunkten des uvres - das Spätwerk die künstlerische
Quintessenz seines langen Malerlebens bedeutet. Auf dieses Spätwerk, das zwischen 1920
bis zu seinem Tod im Januar 1938 entsteht, konzentriert sich die Ausstellung.
1927 im Alter von 78 Jahren begibt sich Rohlfs auf
Anraten seines Arztes ins Schweizer Tessin nach Ascona. Er hält sich damit erstmals so
weit südlich auf, hatte der Maler doch die verführerische ,Süße` des Südens bis dahin
gemieden. Gerade das ungewohnte Erlebnis der Landschaft im südlichen Licht, die dank der
geschützten Lage stark mediterran geprägte Vegetation und das milde Klima sind
Ausgangspunkt zu einem erneuten Wandel, der einen faszinierenden, letzten großen
Werkabschnitt einleitet.
Mit größter Sicherheit, Eigenständigkeit und
künstlerischer Freiheit entwirft der Maler in dieser Zeit insbesondere Blumen und
Landschaften von gesteigerter Farbintensität. Lineare Begrenzungen werden aufgehoben,
Formen und Farbe scheinen allmählich hervorzuwachsen und ihre Kraft aus zartesten Nuancen
zu gewinnen. Rohlfs` souveräner Gestaltungswille und seine ästhetisch ausgereifte
Virtuosität schaffen Bilder, in denen das Licht nicht auf den Dingen liegt, sondern aus
ihrem Inneren hervorschimmert und strahlt.