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Kulturberichte 2/99: Kunsthalle in Emden - Christian Rohlfs

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Achim Sommer

Tatjana-Zyklus: Russisches Volkslied (Elegie V) - Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Stiftung Vogt
Christian Rohlfs
Tatjana-Zyklus: Russisches Volkslied (Elegie V)
1931, Kreide
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte Münster, Stiftung Vogt

Noch bis zum 21. November 1999 zeigt die Kunsthalle in Emden anlässlich seines 150. Geburtstages neue Perspektiven auf das Spätwerk des deutschen Expressionisten Christian Rohlfs.

Mit über 130 Temperabildern und einem reich bebilderten Katalogbuch ist diese große Geburtstagsausstellung die bislang umfangreichste, die sich dem reichen Alterswerk des Künstlers widmet. Ausstellung und Katalogbuch breiten erstmals den zentralen Aspekt seines Spätwerkes „Das Licht in den Dingen" in erstaunlicher Vielfalt aus.

Rohlfs` fast 70 Jahre währendes Schaffen hat ganz unterschiedliche Phasen durchlaufen. Sein Weg führte ihn vom Realismus und Impressionismus über den Expressionismus zu einem individuellen Altersstil, der sich jeglicher summarischen Etikettierung entzieht. Vor allem im letzten Lebensjahrzehnt wusste Rohlfs seine Ausdrucksmittel auf bewundernswerte Weise noch einmal zu steigern, so dass - unabhängig von früheren Höhepunkten des Œuvres - das Spätwerk die künstlerische Quintessenz seines langen Malerlebens bedeutet. Auf dieses Spätwerk, das zwischen 1920 bis zu seinem Tod im Januar 1938 entsteht, konzentriert sich die Ausstellung.

1927 im Alter von 78 Jahren begibt sich Rohlfs auf Anraten seines Arztes ins Schweizer Tessin nach Ascona. Er hält sich damit erstmals so weit südlich auf, hatte der Maler doch die verführerische ,Süße` des Südens bis dahin gemieden. Gerade das ungewohnte Erlebnis der Landschaft im südlichen Licht, die dank der geschützten Lage stark mediterran geprägte Vegetation und das milde Klima sind Ausgangspunkt zu einem erneuten Wandel, der einen faszinierenden, letzten großen Werkabschnitt einleitet.

Mit größter Sicherheit, Eigenständigkeit und künstlerischer Freiheit entwirft der Maler in dieser Zeit insbesondere Blumen und Landschaften von gesteigerter Farbintensität. Lineare Begrenzungen werden aufgehoben, Formen und Farbe scheinen allmählich hervorzuwachsen und ihre Kraft aus zartesten Nuancen zu gewinnen. Rohlfs` souveräner Gestaltungswille und seine ästhetisch ausgereifte Virtuosität schaffen Bilder, in denen das Licht nicht auf den Dingen liegt, sondern aus ihrem Inneren hervorschimmert und strahlt.

invisible.gif (85 Byte) Dr. Achim Sommer ist wissenschaftlicher Leiter der Kunsthalle in Emden

 

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