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Kulturberichte 2/99: Kunsthalle in Emden - Richtfest des Erweiterungsbaus für die Schenkung Otto van de Loo

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Achim Sommer

„Dann müssen wir wohl anbauen." - Mit diesen lapidaren Worten kommentierte Henri Nannen im Dezember 1995 die ersten Absichten des Münchner Sammlers und Galeristen Otto van de Loo, der sich mit dem Gedanken trug, Werke seiner Sammlung an die Kunsthalle in Emden zu geben. Am 30. September 1999, kaum vier Jahre später, feierte die Kunsthalle das Richtfest ihres Erweiterungsbaus, der die nun zu einem großen Werkkomplex angewachsene Schenkung Otto van de Loo aufnehmen und dauerhaft präsentieren wird. Dazwischen lagen Phasen, in denen intensiv geplant und entwickelt wurde - Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft halfen das ehrgeizige Projekt auch finanziell auf eine gute Basis zu stellen. Eine erzwungene halbjährige Unterbrechung des Baus bedeutete Zeitverlust und erhebliche Kosten, konnte letztlich aber seine Verwirklichung nicht ausbremsen.

Modell der Kunsthalle mit Erweiterungsbau - Foto Studio Wrede, Emden

Die Architekten Friedrich und Ingeborg Spengelin aus Hannover, die bereits für den Entwurf der 1986 eröffneten Kunsthalle in Emden und  der fünf Jahre später ihre Arbeit aufnehmenden Malschule verantwortlich zeichneten, konzipierten die stimmige Erweiterung des architektonischen Ensembles. Eske Nannen gelang es, (fast) jeden - vom Sachbearbeiter bis hin zum Ministerpräsidenten - für den Erweiterungsbau positiv einzunehmen und die Finanzierung aus Mitteln der Europäischen Union, der Niedersächsischen Stiftungen, des Landes und des Bundesinnenministeriums sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sicherzustellen. Die Stadt Emden unterstützt das Projekt mit Sachleistungen und das Arbeitsamt mit Zuschüssen aus AB-Maßnahmen.

Otto van de Loo, der bereits 1990 mit der von ihm zusammengestellten Ausstellung „Am Anfang war das Bild" in der Kunsthalle in Emden gastierte, gab durch seine großzügige Offerte, die er im Mai 1997 auch vertraglich zusicherte, den entscheidenden Anstoß zur Erweiterung der Kunsthalle in einer dem Umfang der Schenkung angemessenen Größe.

Das Raumprogramm weist im Obergeschoss fünf Säle und zwei Kabinette für die Werke der Sammlung van de Loo sowie drei in die Präsentation einbezogene Emporen aus, die die durch die Sheddächer erzeugte Raumhöhe ausnutzen. Im Erdgeschoss gewinnt die Kunsthalle einschließlich des bisherigen Magazins drei neue Räume, die den Werken der Sammlung Henri Nannen vorbehalten bleiben. Insgesamt bietet der Erweiterungsbau rund 850 m2 neu gestalteter Ausstellungsfläche. Die bestehenden Kapazitäten werden mit einer Gesamtausstellungsfläche von 1600 m2 mehr als verdoppelt.

Der Anbau ermöglicht durch zwei Übergänge zwischen den bestehenden und den neuen Ausstellungssälen und -kabinetten seitlich des Skulpturenhofes Rundgänge auf beiden oberen Geschossebenen. Durch einen zentralen Aufgang mit Aufzugsanlage für Besucher und Lasten, Depot- sowie Abstellräume im Erd- und Kellergeschoss von rund 720 m2, Restauratorenwerkstatt und weitere Werkstatträume (rund 140 m2) sowie einer überdachten Anlieferung mit angeschlossenem Annahmeraum für Kunsttransporte wird die Infrastruktur des gesamten Museums wesentlich verbessert. Ergänzt wird der Gebäudekomplex durch ein umgebautes und erweitertes ehemaliges Wohngebäude, in dem Verwaltung und Bibliothek bereits eingezogen sind. Ein Verbindungsbau mit Konferenzraum ermöglicht den Durchgang zur „alten" Kunsthalle.

Im Oktober 2000 wird der Erweiterungsbau mit der Schenkung eröffnet werden. Das Publikum darf auf die Bildschätze gespannt sein, die Otto van de Loo hier im Norden ausbreiten wird und die ihre suggestive Wirkungskraft nicht verfehlen werden.

Van de Loo entdeckte als „Pilot-Galerist" gleichsam in richtungsweisenden Such- und Selektionsflügen neue Bildwelten und „seine" Künstler, die er über lange Zeiträume betreute und für deren Kunst er in 40 Jahren Galerietätigkeit vehement gestritten hat. Die Schenkung umfasst rund 130 Werke sowie einige umfangreiche Werkgruppen und Zyklen kleinformatiger Arbeiten. Insbesondere sind Künstler der Gruppe CoBrA, wie Asger Jorn, Karel Appel, Constant, Pierre Alechinsky etc., die Gründungsmitglieder der Künstlergruppe Spur aus München Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und H P Zimmer sowie Künstler des Informel, wie etwa Antoni Tàpies, Antonio Saura, Emil Schumacher mit bedeutenden Arbeiten vertreten. Diese und die Werke weiterer, auch jüngerer Maler wie etwa von Gunter Damisch oder des faszinierenden Außenseiters Alfred Kremer bilden eine willkommende Ergänzung und Fortschreibung der Sammlung Henri Nannen mit ihrem Schwerpunkt des deutschen Expressionismus in die Jahrzehnte nach 1945. Neben die Sammlung Henri Nannen wird mit der Schenkung van de Loo eine weitere Sammlung von ganz eigenem Profil und hervorragender Qualität treten, die in ihrer spezifischen Programmatik eine Vielzahl neuer - für viele Betrachter sicherlich immer noch ungewöhnlich und unbändig wirkender - Akzente setzen und damit die Identität der Kunsthalle in Emden substanziell bereichern und stärken wird.

invisible.gif (85 Byte) Dr. Achim Sommer ist wissenschaftlicher Leiter der Kunsthalle in Emden
 

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