Die Höhepunkte des römischen Goethe-Jahrs
konzentrierten sich auf den Spätsommer: Hohen Besuch erwartete das junge Goethe-Museum im
September. Staatsminister Dr. Michael Naumann, der Beauftragte der Bundesregierung für
Angelegenheiten der Kultur und der Medien, war nach Rom angereist, um am 23.9.1999 die
vierte Wechselausstellung der Casa di Goethe Stipendiaten 1" zu eröffnen.
Naumanns Behörde ist in der Nachfolge des Bundesministeriums des Innern seit September
1998 für die finanzielle Förderung der Casa di Goethe zuständig.
Aus Anlass des Besuches hatte der Botschafter der
Bundesrepublik Deutschland Fritjof von Nordensköld am Vorabend der Eröffnung zu einem
Konzert mit jungen Preisträgern von Jugend musiziert" mit anschließendem
Empfang in seine Residenz eingeladen. Die Ausstellung stellte die Arbeiten der ersten
Stipendiaten des von der DaimlerChrysler AG geförderten Programms vor, das seit Oktober
1998 wichtiger Bestandteil der Arbeit der Casa di Goethe ist. Erster Stipendiat war der in
Berlin lebende italienische Konzeptkünstler Mimmo Catania. Goethes Anwesenheit in Rom
suchte er in der Auseinandersetzung mit dem historischen wie dem aktuellen Ort aus der
heutigen Perspektive aufzuzeigen, u.a. mit einer Diaprojektion und Zeichnungen.
Im April 1999 bezog der ebenfalls in Berlin ansässige
Künstler Martin Zeller das Stipendiatenappartement. Die Casa di Goethe zeigte seine
großformatigen, sehr farbintensiven Rom-Fotografien, die Fragmenten der modernen urbanen
Landschaft gleichkommen. In Rom entstanden auch zum ersten Mal Schwarzweißarbeiten, von
modernen Verkehrsadern durchschnittene Stadtansichten.
Die Berliner Schriftstellerin Sigrid Damm, die sich mit
zahlreichen Veröffentlichungen sowohl als Wissenschaftlerin wie als Autorin einen Namen
gemacht hat, zog im Sommer 1999 in die Stipendiatenwohnung am Corso. Ihr 1998 erschienenes
Buch Christiane und Goethe. Eine Recherche", das in Deutschland einen
außergewöhnlich großen Erfolg hat, soll demnächst ins Italienische übersetzt werden.
In der Ausstellung wurden ihre bisher veröffentlichten Bücher präsentiert, darunter
auch eine italienische und japanische Übersetzung von Cornelia Goethe" (1997).
Die Besucher hatten Gelegenheit, ihre Bücher in den Leseecken im Museum kennen zu lernen.
Zur Ausstellung erschien eine zweisprachige
Publikation (Stipendiaten 1") mit Abbildungen der Arbeiten von Mimmo
Catania und Martin Zeller sowie Leseproben bereits erschienener Werke von Sigrid Damm.
Die Eröffnung dieser Ausstellung war Anlass für den ersten offiziellen
Besuch des Staatsministers für Kultur in der italienischen Hauptstadt, bei dem er auch
mit seiner italienischen Kollegin, Kulturministerin Giovanna Melandri, zusammentraf und
ein deutsch-italienisches Filmabkommen über Gemeinschaftsproduktionen und Filmaustausch
unterzeichnete.
Staatsminister Naumann hatte sich genügend Zeit
genommen, um vor der offiziellen Eröffnung das Museum und seine Mitarbeiter/innen
persönlich kennen zu lernen. Bei der Besichtigung der Bibliothek sowie der Büro- und
Magazinräume konnte er sich auch mit den beengten Arbeitsbedingungen in der Museumsetage
vertraut machen. Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe, führte den Minister und
seine Delegation, der auch Frau Dr. Monika Palmen-Schrübbers angehörte, anschließend
durch die neue Wechselausstellung sowie die ständige Ausstellung Goethe in
Rom", in der erstmals auch einige jüngst erworbene Blätter nach Gemälden von
Angelika Kauffmann zu sehen waren.
In seiner Eröffnungsrede lobte Naumann die sichere
Hand, die die deutsch-italienische Jury unter dem Vorsitz des AsKI-Vorsitzenden Dr.
Barthold C. Witte bei der Auswahl der Stipendiaten bewiesen habe. Vor allem die
Veranstaltungen mit Sigrid Damm, deren Buch Christiane und Goethe" gerade die
18. Auflage erlebe, werde dem Haus sicher nutzen.
Der Minister würdigte das Engagement des Hauptsponsors,
der DaimlerChrysler AG, dessen Vertreter Dr. Giovanni Buttitta weitere Unterstützung
zusicherte, und dankte auch der anwesenden Hertha Klier-Gumprecht, deren Spende 1997 die
Faksimile-Edition von Goethes Reisetagebuch" ermöglicht hatte, die ihm zuvor
als Geschenk überreicht worden war.
Michael Naumann betonte, dass sein Haus trotz der
angespannten Haushaltslage versuchen werde, die Casa di Goethe langfristig bei der Suche
nach zusätzlichen Räumlichkeiten zu unterstützen, gerade auch im Hinblick auf die
Fachbibliothek. Er zeigte sich beeindruckt von der sensiblen Restaurierung der
historischen Räume und sprach seinen Dank an die anwesenden Architekten Roberto Einaudi
und Fabiana Zeli aus.
Ein besonderer Höhepunkt im Jubiläumsjahr war zuvor
natürlich der 28. August gewesen, Goethes 250. Geburtstag - trotz Ferienzeit nahmen
unerwartet viele Römer an den Festveranstaltungen teil. In Zusammenarbeit mit dem
Regionalpark der Appia Antica und der museumspädagogischen Abteilung der Galleria
Borghese gab es kulturelle Angebote für Erwachsene und Kinder an mehreren Orten der
Stadt. Die Casa di Goethe war bei freiem Eintritt bis Mitternacht geöffnet; mehr als
3000, fast überwiegend italienische Gäste kamen und feierten mit. Die Medien, vor allem
auch das Fernsehen, hatten zuvor ausführlich über das Ereignis berichtet. Um 12 Uhr
(Goethes Geburtsstunde) konnte der Innenhof des Palazzo erstmalig genutzt werden. Unter
Palmen und bei strahlendem Sonnenschein gab es ein Glas Prosecco und eine kurze
Begrüßung durch den Hausherrn": Paolo Lorimer, Goethe-Darsteller im 1997 von
der Casa di Goethe produzierten Videofilm Non posso dire altro se non che sono
qui!", stieß mit den Besuchern auf den runden Geburtstag an und las den Beginn von
Dichtung und Wahrheit" sowie einen kurzen Ausschnitt aus der
Italienischen Reise".
Die Jüngeren kamen in der Galleria Borghese auf ihre
Kosten: Die museumspädagogische Abteilung organisierte in Zusammenarbeit mit der Casa di
Goethe ein Laboratorio didattico" zu Goethes Farbenlehre" für
Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren. In den neuen Räumen der Galleria lernten die jungen
italienischen Teilnehmer in zwei Stunden einiges über den Italienaufenthalt des deutschen
Dichterfürsten, besuchten einen Teil des Borghese-Museums und entwarfen eigene
Farbkreise.
Auch die mit der Galleria Borghese durchgeführten drei
literarischen Spaziergänge durch die Villa Borghese, die mit einer Führung in der Casa
di Goethe endeten, stießen auf großes Interesse und waren schon Tage vorher ausgebucht.
Der Festtag endete mit einer szenischen Lesung von
Goethetexten aus der Italienischen Reise" und dem Faust" mit Giorgio
Diberti, Paolo Serra und Patrizia Punzo im reizvollen Ambiente der ehemaligen Papierfabrik
Cartiera Latina", heute Sitz des vor kurzem gegründeten Regionalparks der
Appia Antica. Auch hier herrschte sehr großer Andrang, die Hälfte der rund 500 Besucher
musste der Lesung stehend folgen.
Die Stipendiaten-Ausstellung und das Geburtstagsfest
fanden im Rahmen des römischen Goethe-Jahrs 1999 ANNO DI GOETHE statt, das von der Casa
di Goethe, der Stadt Rom (Comune di Roma/Assessorato alle Politiche Culturali) und vom
Goethe-Institut Rom organisiert wurde.
Die gute Zusammenarbeit mit den deutschen und
italienischen Partnern hat ganz wesentlich zum Gelingen der römischen
Geburtstagsparty" beigetragen und wird sicher auch in Zukunft Früchte tragen.

Goethes 250. Geburtstag in Rom
Einladung in die Casa di Goethe
|