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Kulturberichte 2/99: "Stipendiaten I" - Eröffnung der Ausstellung durch Staatsminister Naumann in der Casa di Goethe, Rom

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InvisibleGoethe-Jahr 1999

Dorothee Hock

Die Casa di Goethe blickt dem bevorstehenden Heiligen Jahr 2000 in Rom gelassen entgegen, hat sie doch gerade ein Jubiläumsjahr ganz anderer Art mitgestaltet: Auch in der italienischen Hauptstadt wurde der 250. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe mit einer Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen und Events gefeiert.

Eröffnung in Rom I
Eröffnung der Ausstellung "Stipendiaten I"
v.l.n.r.:
Hertha Klier-Gumprecht
Staatsminister Michael Naumann
Ursula Bongaerts

Die Höhepunkte des römischen Goethe-Jahrs konzentrierten sich auf den Spätsommer: Hohen Besuch erwartete das junge Goethe-Museum im September. Staatsminister Dr. Michael Naumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, war nach Rom angereist, um am 23.9.1999 die vierte Wechselausstellung der Casa di Goethe „Stipendiaten 1" zu eröffnen. Naumanns Behörde ist in der Nachfolge des Bundesministeriums des Innern seit September 1998 für die finanzielle Förderung der Casa di Goethe zuständig.

Aus Anlass des Besuches hatte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Fritjof von Nordensköld am Vorabend der Eröffnung zu einem Konzert mit jungen Preisträgern von „Jugend musiziert" mit anschließendem Empfang in seine Residenz eingeladen. Die Ausstellung stellte die Arbeiten der ersten Stipendiaten des von der DaimlerChrysler AG geförderten Programms vor, das seit Oktober 1998 wichtiger Bestandteil der Arbeit der Casa di Goethe ist. Erster Stipendiat war der in Berlin lebende italienische Konzeptkünstler Mimmo Catania. Goethes Anwesenheit in Rom suchte er in der Auseinandersetzung mit dem historischen wie dem aktuellen Ort aus der heutigen Perspektive aufzuzeigen, u.a. mit einer Diaprojektion und Zeichnungen.

Im April 1999 bezog der ebenfalls in Berlin ansässige Künstler Martin Zeller das Stipendiatenappartement. Die Casa di Goethe zeigte seine großformatigen, sehr farbintensiven Rom-Fotografien, die Fragmenten der modernen urbanen Landschaft gleichkommen. In Rom entstanden auch zum ersten Mal Schwarzweißarbeiten, von modernen Verkehrsadern durchschnittene Stadtansichten.

Eröffnung in Rom II
v.l.n.r.:
Barthold C. Witte
Sigrid Damm
Astrid Sepp (DaimlerChrysler AG)
Konrad Scheurmann

Die Berliner Schriftstellerin Sigrid Damm, die sich mit zahlreichen Veröffentlichungen sowohl als Wissenschaftlerin wie als Autorin einen Namen gemacht hat, zog im Sommer 1999 in die Stipendiatenwohnung am Corso. Ihr 1998 erschienenes Buch „Christiane und Goethe. Eine Recherche", das in Deutschland einen außergewöhnlich großen Erfolg hat, soll demnächst ins Italienische übersetzt werden. In der Ausstellung wurden ihre bisher veröffentlichten Bücher präsentiert, darunter auch eine italienische und japanische Übersetzung von „Cornelia Goethe" (1997). Die Besucher hatten Gelegenheit, ihre Bücher in den Leseecken im Museum kennen zu lernen.

Zur Ausstellung erschien eine zweisprachige Publikation („Stipendiaten 1") mit Abbildungen der Arbeiten von Mimmo Catania und Martin Zeller sowie Leseproben bereits erschienener Werke von Sigrid Damm.

Die Eröffnung dieser Ausstellung war Anlass für den ersten offiziellen Besuch des Staatsministers für Kultur in der italienischen Hauptstadt, bei dem er auch mit seiner italienischen Kollegin, Kulturministerin Giovanna Melandri, zusammentraf und ein deutsch-italienisches Filmabkommen über Gemeinschaftsproduktionen und Filmaustausch unterzeichnete.

Staatsminister Naumann hatte sich genügend Zeit genommen, um vor der offiziellen Eröffnung das Museum und seine Mitarbeiter/innen persönlich kennen zu lernen. Bei der Besichtigung der Bibliothek sowie der Büro- und Magazinräume konnte er sich auch mit den beengten Arbeitsbedingungen in der Museumsetage vertraut machen. Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe, führte den Minister und seine Delegation, der auch Frau Dr. Monika Palmen-Schrübbers angehörte, anschließend durch die neue Wechselausstellung sowie die ständige Ausstellung „Goethe in Rom", in der erstmals auch einige jüngst erworbene Blätter nach Gemälden von Angelika Kauffmann zu sehen waren.

In seiner Eröffnungsrede lobte Naumann die sichere Hand, die die deutsch-italienische Jury unter dem Vorsitz des AsKI-Vorsitzenden Dr. Barthold C. Witte bei der Auswahl der Stipendiaten bewiesen habe. Vor allem die Veranstaltungen mit Sigrid Damm, deren Buch „Christiane und Goethe" gerade die 18. Auflage erlebe, werde dem Haus sicher nutzen.

Der Minister würdigte das Engagement des Hauptsponsors, der DaimlerChrysler AG, dessen Vertreter Dr. Giovanni Buttitta weitere Unterstützung zusicherte, und dankte auch der anwesenden Hertha Klier-Gumprecht, deren Spende 1997 die Faksimile-Edition von Goethes „Reisetagebuch" ermöglicht hatte, die ihm zuvor als Geschenk überreicht worden war.

Michael Naumann betonte, dass sein Haus trotz der angespannten Haushaltslage versuchen werde, die Casa di Goethe langfristig bei der Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten zu unterstützen, gerade auch im Hinblick auf die Fachbibliothek. Er zeigte sich beeindruckt von der sensiblen Restaurierung der historischen Räume und sprach seinen Dank an die anwesenden Architekten Roberto Einaudi und Fabiana Zeli aus.

Ein besonderer Höhepunkt im Jubiläumsjahr war zuvor natürlich der 28. August gewesen, Goethes 250. Geburtstag - trotz Ferienzeit nahmen unerwartet viele Römer an den Festveranstaltungen teil. In Zusammenarbeit mit dem Regionalpark der Appia Antica und der museumspädagogischen Abteilung der Galleria Borghese gab es kulturelle Angebote für Erwachsene und Kinder an mehreren Orten der Stadt. Die Casa di Goethe war bei freiem Eintritt bis Mitternacht geöffnet; mehr als 3000, fast überwiegend italienische Gäste kamen und feierten mit. Die Medien, vor allem auch das Fernsehen, hatten zuvor ausführlich über das Ereignis berichtet. Um 12 Uhr (Goethes Geburtsstunde) konnte der Innenhof des Palazzo erstmalig genutzt werden. Unter Palmen und bei strahlendem Sonnenschein gab es ein Glas Prosecco und eine kurze Begrüßung durch den „Hausherrn": Paolo Lorimer, Goethe-Darsteller im 1997 von der Casa di Goethe produzierten Videofilm „Non posso dire altro se non che sono qui!", stieß mit den Besuchern auf den runden Geburtstag an und las den Beginn von „Dichtung und Wahrheit" sowie einen kurzen Ausschnitt aus der „Italienischen Reise".

Eröffnung in Rom III
v.l.n.r. im Uhrzeigersinn:
Ursula Bongaerts
Martin Zeller
Mimmo Catania
Sigrid Damm

Die Jüngeren kamen in der Galleria Borghese auf ihre Kosten: Die museumspädagogische Abteilung organisierte in Zusammenarbeit mit der Casa di Goethe ein „Laboratorio didattico" zu Goethes „Farbenlehre" für Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren. In den neuen Räumen der Galleria lernten die jungen italienischen Teilnehmer in zwei Stunden einiges über den Italienaufenthalt des deutschen Dichterfürsten, besuchten einen Teil des Borghese-Museums und entwarfen eigene Farbkreise.

Auch die mit der Galleria Borghese durchgeführten drei literarischen Spaziergänge durch die Villa Borghese, die mit einer Führung in der Casa di Goethe endeten, stießen auf großes Interesse und waren schon Tage vorher ausgebucht.

Der Festtag endete mit einer szenischen Lesung von Goethetexten aus der „Italienischen Reise" und dem „Faust" mit Giorgio Diberti, Paolo Serra und Patrizia Punzo im reizvollen Ambiente der ehemaligen Papierfabrik „Cartiera Latina", heute Sitz des vor kurzem gegründeten Regionalparks der Appia Antica. Auch hier herrschte sehr großer Andrang, die Hälfte der rund 500 Besucher musste der Lesung stehend folgen.

Die Stipendiaten-Ausstellung und das Geburtstagsfest fanden im Rahmen des römischen Goethe-Jahrs 1999 ANNO DI GOETHE statt, das von der Casa di Goethe, der Stadt Rom (Comune di Roma/Assessorato alle Politiche Culturali) und vom Goethe-Institut Rom organisiert wurde.

Die gute Zusammenarbeit mit den deutschen und italienischen Partnern hat ganz wesentlich zum Gelingen der römischen „Geburtstagsparty" beigetragen und wird sicher auch in Zukunft Früchte tragen.

Goethes 250. Geburtstag in Rom - Einladung in die Casa di Goethe
Goethes 250. Geburtstag in Rom
Einladung in die Casa di Goethe

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Die Publikation Stipendiaten der Casa di Goethe 1: Mimmo Catania, Sigrid Damm, Martin Zeller, 72 S. mit zahlreichen farbigen und s/w-Abb., zum Preis von 12 DM zzgl. Versandkosten kann im AsKI-Shop bestellt werden.
Dorothee Hock ist Mitarbeiterin der Casa di Goethe, Rom

 

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