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Kulturberichte 2/99: "meine Harmonie mit der Ihrigen verbunden" - Beethoven und Goethe

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InvisibleGoethe-Jahr 1999

Eine Ausstellung des Beethoven-Hauses und der Stiftung Weimarer Klassik/Goethe- und Schiller-Archiv in Zusammenarbeit mit dem AsKI

Jochen Golz und Michael Ladenburger

Faust. Ein Fragment
„Faust. Ein Fragment"
aus: Goethe's Schriften, Leipzig 1790
Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar

„meine Harmonie mit der Ihrigen verbunden" - es war Beethoven, der diesen Wunsch seinem Brief an Goethe vom 15. Februar 1823 anvertraute, in dem er den Dichter bat, auf die Missa solemnis zu subskribieren. Dass dem Wunsch keine Erfüllung beschieden war, gehört zu den enttäuschenden Erfahrungen, an denen Beethovens Leben nicht arm war. Goethe hat den wahrhaft bewegenden, herzergreifenden Brief des Komponisten niemals beantwortet. Eine menschliche und künstlerische Gemeinschaft zwischen Dichter und Komponist ist nicht zustande gekommen. Indes stellen das Aufeinanderzugehen beider Künstler - reserviertes Interesse auf der einen, intensive schöpferische Auseinandersetzung auf der anderen Seite -, ihre persönlichen Begegnungen in den böhmischen Bädern und ihr fernerer Umgang miteinander Vorgänge von größter Faszination dar. Beide scheinen sich nicht nur ihrer eigenen Bedeutung, sondern auch durchaus des besonderen Reizes ihrer künstlerischen und ihrer persönlichen Begegnungen im Juli und September in Teplitz und Karlsbad bewusst gewesen zu sein. „zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen. Ich begreife recht gut wie er gegen die Welt wunderlich stehen muß" schreibt Goethe nach der ersten Begegnung an seine Frau. „Göthe behagt die Hofluft zu sehr mehr als es einem Dichter ziemt, Es ist nicht vielmehr über die lächerlichkeiten der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehn seyn sollten, über diesem schimmer alles andere vergessen können" urteilt Beethoven wenig später gegenüber seinem Leipziger Verleger Breitkopf & Härtel, ohne zu bedenken, dass bei aller künstlerischer Gleichwertigkeit die vollkommen unterschiedliche gesellschaftliche Stellung naturgemäß Spuren hinterlassen musste: hier der herzoglich-weimarische Geheimrat, der viele Jahre hohe Staatsämter bekleidete, dort der freischaffende Komponist, dessen Unabhängigkeit allerdings nicht zuletzt aus einer von drei Aristokraten großzügig gewährten Pension resultierte.

Flohlied
Flohlied „Aus Goethe's Faust"
op. 75 Nr. 3, Autograph, 1809
Beethoven-Haus, Bonn

Beethoven hat sich intensiv mit Goethes Werk auseinandergesetzt. Schon in jungen Jahren trachtete er, seiner Schriften habhaft zu werden. „indem ich nur im stande bin, ihnen Mit Der größten Ehrerbietung mit einem Unaussprechlichen tiefen Gefühl für Ihre Herrlichen Schöpfungen zu nahen" schrieb Beethoven, als er im Frühjahr 1811 dem Dichter seine „Musik zu Egmont" op. 84 ankündigte. Beethoven hatte damals nicht weniger als 18 Texte Goethes vertont, weitere zwei sollten später folgen. Goethe nimmt also im Vokalwerk Beethovens einen bevorzugten Platz ein.

Als Geburtsstunde des Ausstellungsvorhabens kann eine Mitgliederversammlung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e.V. gelten. Beethoven-Haus und Stiftung Weimarer Klassik fanden damals in einem ersten Gedankenaustausch großes gegenseitiges Interesse an einem solchen gemeinsamen Projekt, das von Anbeginn als schöne Gelegenheit zum gemeinsamen Handeln verstanden wurde. Es erschien reizvoll, die Sammlungen zu verzahnen, Zusammengehöriges zusammenzuführen, Beethoven aus der Sicht Goethes und Goethe aus der Sicht Beethovens in einer Geschlossenheit vorzustellen, wie es einem Haus allein nie möglich wäre.

Für eine so konzipierte Ausstellung sind beide Institutionen geradezu prädestiniert. Das Beethoven-Haus verfügt über einen großen Bestand an einschlägigen Beethoven-Autographen und konnte jüngst seinen Bestand an Goethe-Vertonungen mit dem „Flohlied" um eine bemerkenswerte Neuerwerbung bedeutsam erweitern. Die Handschrift, zuletzt 1890 öffentlich gezeigt, ist eine der Zimelien der Ausstellung. Das Goethe- und Schiller-Archiv seinerseits verwahrt neben zahlreichen einschlägigen Gedicht-Autographen unter den rund 20.000 Briefen an Goethe auch jene beiden kostbaren Briefe Beethovens. Zudem ist es in der glücklichen Lage, in seinen Magazinen das Corpus jener Korrespondenzen zu bewahren, die Goethes Beziehung zu Beethoven am anschaulichsten dokumentieren: die Briefwechsel mit seiner Frau, mit dem Ehepaar Willemer und dem Komponistenfreund Zelter. Und es darf nicht vergessen werden, dass die im Nachlass des Dichters befindliche Musikaliensammlung auch gedruckte und handschriftliche Dokumente zu Beethovens Goethe-Kompositionen bereithält, darunter Beethovens erste Niederschrift von „Wonne der Wehmut".

Die eigenen Bestände wurden ergänzt durch Leihgaben des Goethe-Nationalmuseums, Weimar und des Goethe-Museums Düsseldorf. So konnte eine Ausstellung entstehen, die in ihrer Geschlossenheit mehr darstellt als die Summe ihrer Teile. Ihr Zustandekommen verdankt sie einer Haltung hilfsbereiter Kooperativität, die dem Sinn und Zweck eines Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute gerecht wird.

Die gemeinsame Ausstellung wird nicht auf die Orte Weimar und Bonn beschränkt bleiben. Im kommenden Jahr ist sie auch in der vom Arbeitskreis getragenen Casa di Goethe in Rom zu sehen. Dem Auftrag der Casa di Goethe, deutsche Kultur im Ausland zu vermitteln, kann damit auf die schönste und einschlägigste Weise entsprochen werden.

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Ausstellungsstationen:
Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, 19. August - 23. September 1999
Bonn, Beethoven-Haus, 27. September - 5. Dezember 1999
Rom, Casa di Goethe, 17. Mai - 17. Juli 2000

Zur Ausstellung ist ein reich bebildeter Katalog erschienen (144 S.), 25 DM, erhältlich über das Beethoven-Haus, Bonngasse 20, 53111 Bonn.

Dr. Jochen Golz ist Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs, Weimar und Präsident der Internationalen Goethe-Gesellschaft

Dr. Michael Ladenburger ist Leiter des Museums und Kustos der Sammlungen des Beethoven-Hauses, Bonn

 

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