Mit Metaphern wie die letze Reise" oder
die letzte Ehre" umschreibt man den sachlich notwendigen Transport eines
Leichnams zum Friedhof, der zu allen Zeiten weit mehr war als ein technischer Vorgang. Als
ein Teil des gesamten Bestattungsbrauchtums lassen Zeremoniell und Gerätschaft des
Totentransportes die sozialen, medizinischen, ökonomischen und religiösen Dimensionen
des Totenkultes deutlich werden.
Die Ausstellung in Kassel will den technischen Vorgang
und seine symbolische Bedeutung gleichermaßen beleuchten und zeigt deshalb Realien des
Totengeleites sowie bildliche Darstellungen. Zeugnisse der antiken Kultur und der
mittelalterlichen Kunst werden ebenso berücksichtigt wie jene der beginnenden Neuzeit und
der Gegenwart, darunter auch zukunftsweisende Entwürfe für eine zeitgemäße
Bestattungskultur.
Das Gerät, auf dem der Verstorbene zum Grab gebracht
wurde, steht im Mittelpunkt: Zu sehen sind Totenbretter, Tragen, Bahren, Transportsärge,
Pestkarren, Leichenkutschen, Konduktwagen und Bestattungslimousinen ebenso wie die Wiener
Leichentramway oder der dreiachsige Eisenbahn-Sargtransportwagen der Deutschen
Waggon-Leihanstalt".
Neben dem kulturhistorischen Aspekt soll auch die
Ehrfurcht vor dem Verstorbenen in einer Gesellschaft wach gehalten werden, die durchaus in
Teilen zu einer technisch-ökonomisch optimierten Leichenentsorgung tendiert.
Zu sehen sein werden ca. 300 Exponate von 40 Leihgebern
aus Holland, Großbritannien, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ältestes Objekt
ist das Relief eines ägyptischen Sandschlittens (14. Jh. v. Chr.), jüngstes Objekt sind
die Sargtragen von Pim Felen, Niederlande (Jetztzeit), zu den seltensten Objekten
gehörten der Pestkarren aus Wurzen (17. Jh.) und die Totenkörbe aus Thüringen.
Die Ausstellung wird gezeigt vom 18. September 1999 bis
zum 30. Januar 2000. Sie wurde realisiert in Zusammenarbeit mit den Partnermuseen der
European Federation of Funeral Museums (EFFM) - jener Museen, die sich der Bestattungs-,
Friedhofs- und Trauerkultur widmen und sich im Juli 1998 in Wien zusammengeschlossen
haben.