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Kulturberichte 2/99: Kiste, Kutsche, Karavan - auf dem Weg zur letzten Ruhe / Ausstellung im Museum für Sepulkralkultur, Kassel

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Reiner Sörries

Apisstier
„Der Apisstier trägt einen Mumiensarg"
Darstellung auf dem Fußbrett eines Sarges
25. Dynastie, um 700 v. Chr.
Kunsthistorisches Museum Wien

Mit Metaphern wie „die letze Reise" oder „die letzte Ehre" umschreibt man den sachlich notwendigen Transport eines Leichnams zum Friedhof, der zu allen Zeiten weit mehr war als ein technischer Vorgang. Als ein Teil des gesamten Bestattungsbrauchtums lassen Zeremoniell und Gerätschaft des Totentransportes die sozialen, medizinischen, ökonomischen und religiösen Dimensionen des Totenkultes deutlich werden.

Die Ausstellung in Kassel will den technischen Vorgang und seine symbolische Bedeutung gleichermaßen beleuchten und zeigt deshalb Realien des Totengeleites sowie bildliche Darstellungen. Zeugnisse der antiken Kultur und der mittelalterlichen Kunst werden ebenso berücksichtigt wie jene der beginnenden Neuzeit und der Gegenwart, darunter auch zukunftsweisende Entwürfe für eine zeitgemäße Bestattungskultur.

Das Gerät, auf dem der Verstorbene zum Grab gebracht wurde, steht im Mittelpunkt: Zu sehen sind Totenbretter, Tragen, Bahren, Transportsärge, Pestkarren, Leichenkutschen, Konduktwagen und Bestattungslimousinen ebenso wie die Wiener Leichentramway oder der dreiachsige Eisenbahn-Sargtransportwagen der „Deutschen Waggon-Leihanstalt".

Neben dem kulturhistorischen Aspekt soll auch die Ehrfurcht vor dem Verstorbenen in einer Gesellschaft wach gehalten werden, die durchaus in Teilen zu einer technisch-ökonomisch optimierten Leichenentsorgung tendiert.

Zu sehen sein werden ca. 300 Exponate von 40 Leihgebern aus Holland, Großbritannien, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ältestes Objekt ist das Relief eines ägyptischen Sandschlittens (14. Jh. v. Chr.), jüngstes Objekt sind die Sargtragen von Pim Felen, Niederlande (Jetztzeit), zu den seltensten Objekten gehörten der Pestkarren aus Wurzen (17. Jh.) und die Totenkörbe aus Thüringen.

Die Ausstellung wird gezeigt vom 18. September 1999 bis zum 30. Januar 2000. Sie wurde realisiert in Zusammenarbeit mit den Partnermuseen der European Federation of Funeral Museums (EFFM) - jener Museen, die sich der Bestattungs-, Friedhofs- und Trauerkultur widmen und sich im Juli 1998 in Wien zusammengeschlossen haben.

invisible.gif (85 Byte) Prof. Dr. Reiner Sörries  ist Direktor der Stiftung Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel

 

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