Glücksfall für Marbach
Das Deutsche Literaturarchiv erhält
Döblin-Nachlaß und Mörike-Handschriften
Am 5. Februar 1998 übergab der
Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, auch in seiner Eigenschaft als
amtierender Vorsitzender des Stiftungsrats der Kulturstiftung der Länder, den Nachlaß
Alfred Döblins und frühe Mörike-Handschriften dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach.
Döblins schriftstellerischer Nachlaß mit allen
großen Werkmanuskripten, darunter dem des zweimal verfilmten Romans "Berlin
Alexanderplatz", mit Briefen, politischen und persönlichen Dokumenten wurde vom
Deutschen Literaturarchiv als Depositum der Döblin-Erben zwischen 1961 und 1995 verwahrt
und genau erschlossen. Die drohende Zerstreuung dieses in exemplarischer Vollständigkeit
erhaltenen Bestandes, der ja auch einer der großen Exilnachlässe zu nennen ist, konnte
durch ein einzigartiges Zusammenwirken vieler Helfer verhindert werden.
Der Nachlaß kehrt damit in die umfangreiche
Döblin-Sammlung des Deutschen Literaturarchivs zurück, die in Marbach seit vier
Jahrzehnten systematisch aufgebaut worden ist. Depositum und Sammlung wurden in der
Döblin-Ausstellung von 1978 und in den inzwischen mehr als 30 Bänden der großen
Werkausgabe des Walter Verlags für eine große Öffentlichkeit aufgeschlossen. Die
Ausgabe kann jetzt fortgeführt werden.
Finanziert wurde diese spektakuläre Erwerbung
in schwieriger Zeit mit einer Summe von 3,3 Mio. DM durch den Bund, die Kulturstiftung der
Länder, das Land Baden-Württemberg mit der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg, den
Freundeskreis des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs, die
Daimler-Benz-Stiftung beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, die Deutsche
Forschungsgemeinschaft und die Deutsche Schillergesellschaft.
Mit drei Handschriften Eduard Mörikes, die der
in Marbach entstehenden Historisch-kritischen Ausgabe der Werke und Briefe Mörikes zur
Verfügung stehen werden, ist zugleich jener Teil der Marbacher Sammlung vermehrt worden,
der den Gründern vor hundert Jahren besonders wichtig erschien: die Literatur- und
Geistesgeschichte Schwabens, aus deren Sammlung sich vor einem halben Jahrhundert das
Deutsche Literaturarchiv entwickelt hat.
