Günther Pflug
Der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute
ist ein Zusammenschluß von Institutionen, die auf so unterschiedlichen Feldern tätig
sind, daß nur ein sehr weit gefaßter Kulturbegriff sie zu verbinden versteht. Nicht nur
die klassischen Felder, die wir so gern die schönen Künste nennen, sind hier vereinigt.
Auch die Geschichte, das Recht, die Medien des Films und des Rundfunks wirken im AsKI mit
und formen damit einen Kulturbegriff, der die gesamte Breite des aktuellen geistigen
Lebens umfaßt.
Für einen solchen Zusammenschluß einen
Vorsitzenden zu finden, der nicht nur die verschiedenen Tendenzen administrativ
zusammenhält, sondern sie darüber hinaus miteinander zu verbinden versteht, ist
sicherlich eine schwere Aufgabe - ihn gefunden zu haben, ein großes Glück.
Barthold C. Witte, dessen siebzigsten Geburtstag
wir in diesen Tagen feiern, ist der seltene Glücksfall für den AsKI. Als Historiker von
der familiären Tradition der Niebuhrs her, ist er auf diesem Gebiet doch auch selbst
durch zahlreiche Veröffentlichungen wissenschaftlich ausgewiesen. Als Journalist und
Redakteur ist er als Herausgeber einer ebenso politisch wie kulturell anspruchsvollen
Zeitschrift hervorgetreten, die in ihrem liberalen Geist Maßstäbe gesetzt hat. Viele
Jahre lang war er ein führender Kulturpolitiker in der Bundesrepublik, dem die Künste,
die Sprache, die Menschenrechte nicht nur eine berufliche Aufgabe, sondern eine
Herzensangelegenheit sind. Seine literarischen Kenntnisse und Sympathien, sein Engagement
und sein Urteilsvermögen hat er in zahlreichen Jurysitzungen für literarische Preise
einzusetzen gewußt. Seine Begeisterung für die Musik hat ihn nicht nur in das Kuratorium
des "Kissinger Sommers" geführt, sondern auch bei der Rettung des Bonner
Beethoven-Festes wirkungsvoll aktiv werden lassen. Welches AsKI-Institut sähe in ihm
nicht einen kompetenten Vertreter des eigenen Tätigkeitsfeldes?
So hat der AsKI in Barthold C. Witte einen
Steuermann gefunden, der alle kulturellen Ozeane in langjähriger Erfahrung kennt, der mit
sachkundiger Hand das Schiff an den immer wieder auftauchenden administrativen Klippen
vorbeizulenken weiß, der eben langjährige Verwaltungserfahrung mit profundem
Kulturbewußtsein, aktuelle Medienbeherrschung mit geistiger Tradition zu verbinden weiß.
Rückschau und Weitblick, der AsKI
wird - hoffentlich noch viele Jahre - diese glückliche Verbindung zu schätzen, zu nutzen
wissen. An der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert ist dies eine gute Grundlage für die
Gestaltung der Zukunft. Die AsKI-Mitglieder haben diese Chance bereits in jenem
Zukunftskonzept wahrgenommen, das Barthold C. Witte - seit noch nicht zwei Jahren ihr
Vorsitzender - in den letzten Monaten entwickelt hat. Der Weg führt konsequent von einer
nationalen Repräsentanz, jenem gesamtstaatlichen Eigengewicht der Mitgliedsinstitute, zu
einer Einbindung in eine europäische Kulturgemeinschaft, bei aller Wahrung der nationalen
Eigenständigkeit. Die ersten Schritte auf diesem Weg zeichnen sich bereits ab. Auf dem
weiteren Weg wünschen alle im AsKI zusammengeschlossenen Institute - durch die Feder
ihres früheren Vorsitzenden - Barthold C. Witte ein gutes Gelingen.
