 | 1945 - Kapitulation und Wiederaufbau |
Die vorgelegte Auswahl aus über 800
Tondokumenten des Jahre 1945, die im Deutschen Rundfunkarchiv an den beiden Standorten
Frankfurt am Main und Berlin archiviert sind, soll und kann weder den Verlauf des Krieges
im Jahre 1945 nachzeichnen, noch sollen die Probleme beim Wiederaufbau Deutschlands
vollständig dokumentiert werden. Statt dessen wird versucht, an Hand einiger
exemplarischer Tonaufnahmen etwas von der Atmosphäre, vom sog. "Zeitgeist" des
Jahres 1945 zu vermitteln. Daher war es notwendig, den Tondokumenten stets eine gewisse
Dauer zuzugestehen, die über die eines bloßen Stimmporträts oder eines
Originalton-Zitats hinausgeht.
 | Wir sind wieder wer |
Planwirtschaft oder Marktwirtschaft - das waren
die Kampfparolen der politisch unterschiedlichen Systeme vor allem in den Gründerjahren
der beiden deutschen Staaten nach 1949 bis 1955. Beide erhoben den Anspruch, ein soziales,
demokratisches und erfolgreiches Deutschland wiederaufzubauen. Wohlstand und Frieden waren
die für beide deutsche Staaten propagierten Ziele. Dennoch ging jeder seinen eigenen Weg:
die Bundesrepublik den Weg einer offenen bürgerlichen Gesellschaft, die DDR den Weg der
Parteidiktatur. Während die Bundesrepublik Deutschland Mitte der 50er Jahre dank ihrer
Exportleistungen "Made in Germany" auf dem Weg zu einer erfolgreichen Konsum-
und Leistungsgesellschaft war, zeigten sich in der DDR Probleme und Schwächen beim
"planmäßigen" Aufbau des Sozialismus. Politische Ansprachen, Werbeaufnahmen
und vieles andere mehr, nicht zuletzt aber auch die beiden Reportagen (Ost und West) vom
Fußballweltmeisterschafts-Endspiel 1954 in Bern vermitteln eindrucksvoll das
Lebensgefühl dieser Zeit.
 | XI. Olympische Sommerspiele 1.-16. August 1936 in
Berlin |
Die prickelnde Atmosphäre der Live-Reportagen
von den Wettkämpfen der XI. Olympischen Sommerspiele in Berlin sowie historisch einmalige
Tondokumente von führenden Politikern, Sportlern und Sportfunktionären jener Zeit sind
hier zusammengestellt. Mit damals modernster Technik inszenierten die Nationalsozialisten
das bis dahin weltweit größte Medienspektakel, bei dem neben rund 1.800 Pressevertretern
aus 59 Ländern 42 Rundfunkgesellschaften mit 120 Reportern akkreditiert waren. Insgesamt
wurden 3.000 Rundfunkbeiträge von den Spielen ausgestrahlt, und erstmals konnte man aus
Berlin auch "Live-Übertragungen" des Fernsehens bewundern.
 | Parteiauftrag: Ein neues Deutschland I |
Sechs für die Staatsbildung und das
Staatsbewußtsein der DDR konstitutive Ereignisse sind hier in Reportagen und
Rundfunkankündigungen überliefert: die Gründung der DDR am 7.10.1949, die Wahl Wilhelm
Piecks zum Präsidenten der DDR am 11.10.1949, die Feierliche Festsitzung von Volkskammer
und Länderkammer zu Ehren des 70. Geburtstags von Josef Stalin in der Berliner Staatsoper
am 21.12.1949, die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin 1951,
Betriebsversammlungen nach dem 17. Juni 1953 und die Feier zum 10. Jahrestag der Gründung
der DDR.
 | Parteiauftrag: Ein neues Deutschland II |
Das akustische Bild der frühen DDR wird durch
Nachrichten, Rundfunksendungen, Lieder und Ansprachen aus den Jahren 1949 bis 1958
authentisch vermittelt. Beginnend mit der Übergabe von Verwaltungsfunktionen an die
Provisorische Regierung der DDR spannt sich der Bogen über das Nationale Aufbauprogramm
Berlin, die Kulturpolitik der SED, die Aktivistenbewegung um Adolf Hennecke bis hin zur
Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Zu hören sind dabei Karl
Steinhoff, Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Johannes R. Becher u.v.m.
 | Der Zeppelin in Deutschland 1900 bis 1937 |
Die vorgelegten Tondokumente vermitteln einen
kleinen akustischen Rückblick auf die Geschichte der lenkbaren Luftschiffe. Sie reichen
zurück bis ins Jahr 1908, in dem sich Graf Zeppelin für die Nationalspende bedankt, die
es ihm ermöglicht hat, den Bau der Zeppeline fortzuführen. Ludwig Dürr, der
Chefkonstrukteur, wie auch die Kapitäne der Luft, Hugo Eckener und Hans von Schiller,
kommen zu Wort und berichten über die Arktis-Expedition (1931) und die
Atlantiküberquerung (1924). Die großen Erwartungen an einen regelmäßigen
Passagierverkehr zwischen Europa und Amerika endeten jäh mit der Katastrophe des
Luftschiffs LZ 129 "Hindenburg" bei seiner Landung in Lakehurst (USA). Die
Reportage vom 6. Mai 1937 ist eines der erschütterndsten Tondokumente der Luftfahrt.
 | Stalinallee - Stalinstadt |
Die Tondokumente aus der ersten Hälfte der 50er
Jahre spiegeln das Ausmaß des Stalin-Kults in der DDR ebenso wie den Aufbauwillen des
jungen Staates wider. Zwei Vorzeigeprojekte des sozialistischen Deutschland trugen Stalins
Namen: eine Prachtstraße in der Hauptstadt Berlin und eine neue Stadt, die in der Nähe
der Stadt Fürstenberg an der Oder entstand. Reportagen und Interviews, Lieder und
Ansprachen dokumentieren Ereignisse, mit denen die Staatsführung versuchte, die
Bevölkerung für das neue System zu begeistern. Neben Bürgern Berlins und Stalinstadts
sind Friedrich Ebert, Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und Walter Ulbricht zu hören.
 | Hör doch mal hin... - Fundstücke aus den
Rundfunkarchiven an der Bertramstraße |
Die Abteilung Dokumentation und Archive des
Hessischen Rundfunks in Frankfurt und der Frankfurter Standort des Deutschen
Rundfunkarchivs haben aus Anlaß der Tage der offenen Tür am 20. und 21. September 1997
eine gemeinschaftlich produzierte CD mit ausgewählten Tonbeispielen aus beiden Archiven
vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart vorgelegt. Amüsantes und Erheiterndes -
sei es das Original des durch Loriot bekannt gewordenen "Rennbahn"-Sketches -
bis hin zu tagesaktuellen Ereignissen - etwa einem Interview mit dem Sieger der Tour de
France 1997 Jan Ullrich - lädt zum akustischen Verweilen ein.
 | Frauenstimmen 1908-1997 |
Das Deutsche Historische Museum Berlin, das DRA
und der SDR Stuttgart haben 41 Origi-nalaufnahmen als Dokumente der gesellschaftlichen,
politischen, künstlerischen und alltäglichen Lebenswirklichkeit von Frauen im 20.
Jahrhundert zusammengestellt. Berücksichtigung finden sowohl Aspekte der Frauenbewegung,
der Kampf um die juristische Gleichberechtigung und die Beteiligung am öffentlichen
Leben. Die Auswahl beginnt mit der englischen Frauenrechtlerin Christabel Pankhurst, die
mit einer 1908 gehaltenen Rede, in der sie ein gesetzlich verbrieftes Frauenwahlrecht
fordert, zu Wort kommt; sie endet mit einer Ansprache der Präsidentin des
Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach über Solidarität und Förderung von Frauen aus
dem Jahre 1997.
 | 1848 - geteiltes Erbe |
Die Tondokumente zu den zahlreichen
Feierlichkeiten, mit denen im Frühjahr 1948 der gescheiterten Märzrevolution des Jahres
1848 gedacht wurde, spiegeln die beginnenden Spaltung Deutschlands und Berlins wider. Auch
wenn Berlin zu dieser Zeit formell noch den vier Besatzungsmächten unterstellt war,
verwiesen getrennte Veranstaltungen und Kundgebungen bereits auf Konflikte innerhalb des
Kontrollrates, die Vorboten für 40 Jahre deutsche Teilung sein sollten. Ansprachen und
Reportagen, aufgenommen zwischen dem 17. März und dem 18. Mai 1948, lassen neben dem
Schriftsteller Fritz von Unruh zahlreiche Politiker zu Wort kommen: Otto Grotewohl und
Wilhelm Pieck, Paul Löbe, Jakob Kaiser sowie Ernst Reuter. Sie verdeutlichen die
Bedeutung der Märzrevolution für die Herausbildung von Demokratie und Parlamentarismus
in Deutschland.
(Die genannten CDs sind zum Preis von DM 9,95
pro Stück zzgl. Versandkosten zu beziehen unter folgender Adresse:
Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv Frankfurt am Main - Berlin, D-60620 Frankfurt am
Main.)
Darüber hinaus hat das DRA unter dem Titel
"An die Nachgeborenen" eine Doppel-CD zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht in
Kooperation mit dem HörVerlag in München publiziert. Ziel der Edition von 15
Tondokumenten ist es, das künstlerische Werk Brechts möglichst in seiner ganzen Vielfalt
zu präsentieren und ihn auch als konsequenten Gegner von Krieg und Faschismus zu Wort
kommen zu lassen. Als ältestes Tondokument des Brechtschen Oeuvres sind Ausschnitte aus
der "Dreigroschenoper" von 1929 zu hören, das jüngste Tondokument sind
Regieanweisungen während einer Probe des Berliner Ensembles für "Das Leben des
Galilei" am 18.2.1956, wenige Monate vor Brechts Tod. (Die CD ist über den Handel zu
beziehen.)
In Zusammenarbeit mit dem Sender Freies Berlin,
dem DeutschlandRadio Berlin und dem Zentrum für Berlin-Studien konnte eine Doppel-CD
unter dem Titel "O-Ton Berlin. Kalter Krieg im Äther" anläßlich der
gleichnamigen Berliner Ausstellung vom 18.9.-29.11.1997 vorgelegt werden. Ausgewählt
wurden Tondokumente aus der Hoch-Zeit des Kalten Krieges zwischen 1947 und 1961, von den
Tumulten in der letzten gemeinsamen Berliner Parlamentssitzung 1948, dem
Deutschlandtreffen der Jugend 1950 im Osten und dem Kongreß für kulturelle Freiheit im
Westen, der Einweihung der Stalinallee, der Grünen Woche unter dem Funkturm, dem Aufstand
am 17. Juni 1953, dem 1. Mai 1959 in Ost- und West-Berlin bis hin schließlich zum Bau der
Mauer am 13. August 1963.
(Die CD ist zum Preis von DM 29,95 pro Exemplar
zzgl. Versandkosten zu beziehen unter folgender Adresse: Zentrum für Berlin-Studien,
Breite Straße 35/36, 10178 Berlin)
