Eine Ausstellung zu Technikgeschichte und Design der Toaster
und zur Geschichte des Toastbrotes im Deutschen Brotmuseum Ulm
Annette Hillringhaus / Monika Machnicki
Für die einen sind sie Auslöser von
Wohlgefühl, für die anderen einfach nur Grund für
den ersten Ärger am Tag: Toaster. Alltagsgegenstand und Kultobjekt zugleich, die Vielfalt
der Brotröster ist unerschöpflich. Seit wann gibt
es geröstetes Brot und welche Hilfsmittel
benutzten die Menschen vor Einführung der
Elektrizität? Wie stellt man es an, daß der Toast "genau richtig" wird? Und schließlich: was
haben ein Röstbrot und ein Trinkspruch
gemeinsam? Reisende durch die Welt der Toasts und Toaster erleben viele Überraschungen...
Röstbrot - seit wann?
Bereits in der Bibel wird geröstetes Brot
erwähnt. Seine Wertschätzung zieht sich bis
heute wie ein roter Faden durch Länder und
Epochen. Im Alten Ägypten und antiken
Griechenland wurde Brot weniger aus aromatischen Gründen geröstet, sondern um es durch
Austrocknen länger haltbar zu machen
(Zwieback). Als Zwieback konnte Brot besser
aufbewahrt werden. Erst später entwickelte sich
geröstetes Brot wegen seines Aromas zur
Delikatesse. Vermutlich brachten die Römer das
geröstete Brot nach Britannien, wo es sich im
Laufe der Jahrhunderte kultivierte. Schließlich
führten es englische Siedler in Amerika ein.
Gut gefrühstückt? Drei von Hundert
nehmen Toast
Toastbrot - so wie wir es heute kennen - gibt es seit Mitte der 1950er-Jahre in
Deutschland. Mit Hilfe einer Vermarktungsorganisation
amerikanischer Weizenproduzenten und deutscher Toastgerätehersteller wurde Toast als
gehobene und "praktische" Brotmahlzeit nach
dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mit einem hohen Werbeaufwand populär gemacht.
Toast ist ein feines Weizenbrot aus einem Mehl mit besonders hohem
Eiweißgehalt. Durch den Zusatz von Milch, Fett und
Zucker (bis zu 10% insgesamt) entstehen beim Erhitzen im Toaster die Röststoffe, die dem
Toast den typischen Geruch und Geschmack verleihen. Qualitätsmerkmale des
rechteckigen, ebenmäßig geformten Kastenbrotes sind
die schwach ausgeprägte Kruste und die ebenmäßig-feinporige Struktur der Krume.
Die perfekt getoastete Brotscheibe - wie geht das?
Das Lebensmittel-Lexikon Leipzig 1979 verrät, wie die "gold- bis dunkelbraun
gefärbte Brotscheibe von zartknuspriger Oberfläche
und röstaromatischem Geschmack" entsteht. "Bei Gebrauch eines handelsüblichen
Röstapparates (Toasters) beträgt die zum Toasten
(250 -260°C) benötigte Zeit bei zweiseitiger Hitzeeinwirkung etwa 1,5 -
2 min. und bei
einseitig beheizter Toastplatte 2 - 2,5 min."
Toastbrot wird in Deutschland meist industriell hergestellt. Über 90 Prozent
des Toastbrotmarktes wird von der Backwarenindustrie
bedient. In Europas größter Toastbrotfabrik in
der Nähe Stuttgarts laufen täglich 200.000
Brote vom Band. Nach dem Backen gelangen dort die Brote in einen Reinluftraum, in dem sie
gekühlt, geschnitten und in Folie verpackt
werden. Ein solches Verfahren ermöglicht den
Verzicht auf Konservierungsstoffe, die vom Verbraucher heutzutage meist abgelehnt werden.
Vom Bäcker hergestelltes Toastbrot hat einen Marktanteil von etwa 8 Prozent. Es wird
nach dem Backen, Abkühlen und Schneiden in einer Spezialfolie aus Polypropylen noch
einmal für etwa 90 Minuten in der Backkammer
auf 110 Grad Celsius erhitzt. Auch damit wird eine Mindesthaltbarkeit von vier Wochen ohne
den Zusatz von Konservierungsstoffen garantiert.
Für Toastbrot wird in aller Regel ein
spezielles Weizenmehl der Type 550 T (für Toast)
verwendet. Im Angebot ist aber auch Vollkorn- und Dreikorntoast. Vornehmlich die
handwerkliche Bäckerei bietet dazu eine Reihe von "Geschmacksrichtungen" durch Zusätze von
Buttermilch bis Sonnenblumenkernen.
Der heiße Draht zum Erfolg
Vor Nutzung der Elektrizität wurde Brot
vor dem offenen Feuer oder über glühenden
Kohlen geröstet. Hierzu verwendete man die unterschiedlichsten Hilfsmittel wie Gabeln,
Zangen, Roste und Pfannen. 1893 wurde auf der "World's Columbia Exposition" in Chicago die erste elektrische
Küche vorgestellt - allerdings enthielt sie
noch keinen Toaster.

Erster in Serie produzierter elektrischer
Toaster (mit Blumendekor)
dritte Version Einstecktoaster D-12 III
General Electric, USA, 1911
Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm
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Ein Problem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst: die
Entwicklung eines geeigneten Wärmeelements. Zum
Brotrösten benötigte man einen Draht, der
schnell und oft hintereinander zum Glühen
gebracht werden konnte, ohne porös oder brüchig
zu werden. Der junge Ingenieur Albert Marsh entwickelte im März 1905 einen Draht aus
einer Nickel-Chrom-Verbindung, mit dem er den Weg zur Entstehung der ersten elektrischen
Toaster ebnete. 1909 ging der erste uns heute
bekannte elektrische Toaster, ein Einstecktoaster,
in Serienproduktion. Sein Konstrukteur war Frank Shailor von der Firma "General Electric",
USA. Beinahe zeitgleich brachten AEG und Rowenta in Deutschland elektrische Brotröster auf
den Markt, vermutlich nach amerikanischem Vorbild.

Klapptoaster, Prometheus Typ 02
Deutschland, 1910-1927
Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm
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Wendetoaster "Royal Rochester", E 641028
Robeson Rochester Corporation
USA, 1920er-Jahre
Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm
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Drehtoaster, Universal E 9411
Landers, Frary & Clark
USA, um 1928
Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm
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Die Elektrifizierung der Städte in den
1920er- und 1930er-Jahren führte zu einem Boom
in der Entwicklung elektrischer
Haushaltsgeräte. So kann in diesen Jahrzehnten auch die
größte Vielfalt an Toastertechniken beobachtet
werden: Einstecktoaster aus simplen Metallgestellen neben prachtvollen
Porzellanversionen; Klapptoaster, deren Klappen die
Brotschnitte einfach nur festhielten, sog.
Klemmtoaster, oder aber beim Öffnen gleich wendeten,
sog. Wendetoaster; Drehtoaster und Karusselltoaster, deren Brotkorb mit einer
Schwungbewegung um die eigene Achse gedreht werden konnte; tischähnliche Flachbett- und
Kombinationsröster; Kipptoaster, deren Korb
durch Antippen im Gerät verschwand und heraussprang; Einschubtoaster mit aufrechter
Schublade und mechanische Durchfahrtoaster, die mit einem Zahnrad oder Motor
angetrieben wurden; Springtoaster, die den Toast nach
oben - sog. "Pop-ups" - oder nach unten herauswarfen. Viele Toastertypen wurden nach einiger Zeit wieder aufgegeben. Dies lag zum einen an der geringen Wirtschaftlichkeit
einzelner Modelle. Zum anderen taten Erster
Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise 1929 ihr Übriges. In Deutschland wurde die
Herstellung von Haushaltsgeräten 1939 zugunsten
der Kriegsgüterproduktion rapide gesenkt.
Schließlich stellte man sie hier bis Ende des
Zweiten Weltkrieges gänzlich ein.
Rowenta. 1950 - "Kennen Sie Toast?"
Nach 1945 wurde die Toasterherstellung langsam wieder aufgenommen. AEG und
Rowenta stellten zunächst Modelle aus der
Vorkriegszeit her.

Wendetoaster 247421 Satrap
(für AEG)
Deutschland ab 1945
Sammlung Deutsches Brotmuseum Ulm
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Mit der Gründung der
beiden deutschen Republiken 1949 teilte sich auch
die Produktionsentwicklung der Haushaltsgeräte.
Bereits 1950 hatte die Bundesrepublik den Vorkriegszustand der Produktivität des
ehemaligen Deutschen Reiches erreicht. Da die Toasterproduktion in Amerika trotz des Krieges
in beschränktem Maße fortgeführt werden
konnte, übernahmen Toasterhersteller in
Deutschland die in den 1940er-Jahren in den USA
entwickelten typischen Stromlinienformen. Diese Formgebung wurde in der Bundesrepublik
bis in die Mitte der 1960er-Jahre beibehalten.
"Pop-ups" waren bis Ende des 2.
Weltkrieges nur in den USA üblich. Erst durch den
amerikanischen Einfluss etablierten sich diese
vollautomatischen Toaster in der Bundesrepublik und mit ihnen die Toastkultur. In
Deutschland hatte sich das Prinzip des Klapptoasters
durchgesetzt, d.h. der manuellen bzw. halbautomatischen Geräte. Hatte man hier gewöhnlich
von
Brotröster, geröstetem Brot und Röstbrot
gesprochen, so war nun mit der Einführung des "Pop-ups" von Toastern, Toast und
Toastbrot die Rede. Beide Techniken liefen parallel.
In der DDR wurden Haushaltsgeräte nur sparsam hergestellt und erfuhren keine
weiteren technischen Entwicklungen. Die
Brotröster blieben vergleichsweise bescheiden und
unauffällig. Das Prinzip des Klapptoasters war
hier der gängige Typus, dessen Aussehen und Technik über mehrere Jahrzehnte
beibehalten wurde.
Anfang der 1960er-Jahre kam in der Bundesrepublik eine neue Bewegung in das
Design von Haushaltsgegenständen: der
Funktionalismus. Die Geräte der Firma Braun sollten
durch Ihre funktionale Einfachheit und die
Reduktion auf das Wesentliche zum Kauf anregen. Schnell wurden diese hochwertigen
Modelle von anderen Firmen aufgegriffen und zu geringeren Preisen angeboten.
Marktforscher meldeten 1969 steigende Tendenz: Das
Interesse der Deutschen am Toaster wuchs, jeder 4. Haushalt in Deutschland besaß nun
schon einen!
Von der Stromlinie zur Pril-Blume
Mit dem Übergang von den voluminösen Formen der 1950er-Jahre zu den
konzentrierten Geräten des Funktionalismus und der darauf folgenden hohen Produktionsrate änderte sich in den 1970er-Jahren auch der
Bezug des Konsumenten zu seinen
Küchengeräten. Immer mehr Haushalte legten sich einen Toaster zu. Er war nun nicht mehr Luxusartikel,
son
dern Selbstverständlichkeit. Der Massenkonsum erreichte auch den Toaster.
Klapptoaster waren in der Bundesrepublik nicht mehr
gefragt. Der "Pop-up" war der Toaster schlechthin.
Die wesentliche Entwicklung im Aussehen der Toaster beschränkte sich auf die
Farbgebung der Geräte. Die bisher üblichen
chromblitzenden Gehäuse wichen bunten Ummantelungen, hierbei verwendete man
hauptsächlich die Farben Braun, Beige, Orange und
Gelb. Motive wie Blumen und Bäume wurden auf
die großflächigen Seiten appliziert, sie
passten sich dem Pril-Blumen-Stil mühelos an.
Zunächst bestand das Gehäuse weiterhin
aus Metall, doch kamen Ende der 1980er-Jahre vermehrt Kunststoffummantelungen auf.
Durch kleine technische Zusätze wurden in den 1990er-Jahren die Funktionen des
Toasters erweitert, aber nicht wesentlich
verändert. Wichtiger wurde mit der Zeit die
Besonderheit der Form. Nach dem Vorbild der
Autoindustrie erhielten die technischen Geräte runde,
windschnittige Formen, die den Gedanken an Schnelligkeit und Präzision aufkommen
lassen. Dieser Designtransfer ist schon aus den 1950er-Jahren bekannt, als sich die
amerikanischen Stromlinienformen in den Alltagsgegenständen widerspiegelten.
Heute können in Deutschland drei
augenfällige Designrichtungen bei Toastern verfolgt werden: 1. Geräte der 1950er-Jahre werden
nachgeahmt. 2. Das Prinzip der Stromlinien wird weitergeführt, bis die eigentliche Funktion
des Gerätes nicht mehr zu erkennen ist. 3.
Das Gerät wird zum Spielzeug umgestaltet. In
der ersten Kategorie besteht das Gehäuse aus
Chrom, Aluminium oder metallfarbenem Kunststoff. Die anderen Typen zeichnen sich bei
ihren Kunststoffgehäusen hauptsächlich
durch monochrome Modefarben in Pastelltönen,
Indigoblau, Schwarz oder Weiß aus oder sind
mit verspielten bunten Elementen versehen. Zubehör zu den Geräten, wie Schablonen, mit
dem freundliche Grüße zum Frühstück oder
Geburtstagswünsche in den Toast eingebrannt werden können, machen ihr Benutzen
zum spielerischen Erlebnis.
Möchten Sie wissen, wie das Wetter wird? Fragen Sie ihren Toaster!
Es sieht so aus, als habe sich die Technik der Toaster in den letzten Jahren nicht
wesentlich weiterentwickelt, doch der Schein trügt.
In den Medien häufen sich die Meldungen, in denen über Kombinationen von
Haushaltsgeräten und Mikrokontrolltechnik berichtet
wird. Dies ist das folgerichtige Resultat der
Vernetzung anderer elektrischer Geräte.
Verschiedene Meldungen kursierten in der letzten Zeit in den Medien. Danach haben
erfolgreiche Versuche stattgefunden, bei denen Informationen über PC und Internet an
einen Toaster weitergegeben und Nachrichten in den Toast eingebrannt wurden, z.B. ein
Sonnensymbol für schönes Wetter. "Voice control" - die Steuerung von
Geräten mittels menschlicher Stimme oder mit
Geräusch allgemein soll auch die Zukunft des Toasters sein: Vielleicht stellt der
Konsument morgens nicht mehr den Drehknopf von
Röststufe 3 auf 2. Dann könnte sich in der
Küche
folgender Dialog abspielen: "Toast." - "Wie stark?" - "Mittel." -
"Benutze mittelstark.
Versenken ... Hochfahren - Fertig!" Ein Test in
dieser Richtung wurde 1996 von amerikanischen Studenten erfolgreich durchgeführt.
In der Computerbranche hat das Wort "Toaster" eine neue Bedeutung erhalten.
Werden größere Datenmengen auf Computer-Disks
gespeichert - "gebrannt" -, so wird dieser
Vorgang immer häufiger "toasten" genannt.
Folgerichtig ist der CD-Brenner der "Toaster".

Glastoaster, eines der Konzeptprodukte
des Projektes "La Casa Prossima
Futura"
entworfen und ausgeführt
von Philips
Design Eindhoven, Niederlande
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Abschließend soll auf das Projekt "La
Casa Prossima Futura" (Das Haus der nahen Zukunft) der Firma Philips Design
hingewiesen werden. Es handelt sich hierbei um eine Zukunftsvision von Dingen des täglichen
Lebens. Der (automatische) gläserne Toaster gehört
zu den bemerkenswertesten Stücken. Sieht er nicht ein
bisschen so aus wie die ersten elektrischen Toaster?
In der Ausstellung "Ein Toast auf den Toaster!" zeigt das Deutsche Brotmuseum Ulm
vom 15. September bis 11. November 2001 ca. 130 Exponate aus seinem Bestand, dazu
Leihgaben anderer Museen und privater Sammler.
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