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Ausstellung der "Reise von Berlin nach Danzig 1773" in Gdansk und Berlin
Gudrun Schmidt
Auf dem 51. Blatt seiner "Reise von Berlin nach Danzig" beschreibt Daniel
Chodowiecki zeichnend einen gesellschaftlichen
Höhepunkt seines Aufenthaltes, die Einladung in den
Garten des Herrn von Rottenburg. Chronistisch vermerkt er am unteren Rand die Namen
der Gäste, als letzten le Ophagen. Die
Familie Uphagen hatte in der Langen Gasse ein sehr ansehnliches, typisches Danziger
Bürgerhaus erworben und für seine Bedürfnisse
umbauen lassen. Zumindest den Beischlag des Hauses hat Chodowiecki auf einem Blatt mit
gezeichnet. Heute befindet sich in diesem Gebäude - im Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder
historisch getreu aufgebaut - die Dependance des Gdansker Historischen Museums.
Daniel Nikolaus Chodowiecki
Tagebuch einer Reise von Berlin nach Danzig 1773
21. Die Lange Gasse in Danzig
Feder, Tusche, laviert
Stiftung Akademie der Künste Berlin, Kunstsammlung
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Wo könnten Chodowieckis Zeichnungen wohl mit mehr Interesse und Neugier
betrachtet werden als hier? Als im vergangenen
Jahr die Bitte aus Gdansk in der Akademie der
Künste eintraf, zur Erinnerung an den 200.
Todestag von Daniel Nikolaus Chodowiecki die 107 Blätter ausleihen zu dürfen, stimmte die
Akademie nach der Begutachtung der Ausstellungsbedingungen im Uphagen-Haus deshalb nicht nur zu, sondern fasste den
Entschluss zu einem gemeinsamen Unternehmen. Inzwischen haben auf der polnischen Seite
Außenminister Wladyslaw Bartoszewski und
Kulturminister Kazimierz Ujazdowski, auf der deutschen Staatsminister Julian Nida-Rümelin,
Beauftragter der Bundesregierung für
Angelegenheiten der Kultur und der Medien, die
Schirmherrschaft für die Ausstellung
übernommen. Das Auswärtige Amt unterstützt finanziell
den Kunsttransport der Zeichnungen. Nach bangen Monaten der ungesicherten
Gesamtfinanzierung des Vorhabens, das einen
zweisprachigen Katalog einschließen soll, steht es
nun durch den Einsatz der "Gesellschaft der
Freunde der Akademie der Künste" auf festem
Boden. Um Zeugnisse von Chodowieckis Wirken für die Akademie der Künste im Sinne der
Aufklärung und um Radierungen von seiner Hand erweitert, wird die Ausstellung
anschließend im Berliner Akademiegebäude gezeigt.
Daniel Nikolaus Chodowiecki
Tagebuch einer Reise von Berlin nach Danzig 1773
51. Gesellschaft im Garten des Kaufmanns von Rottenburg
Feder, Tusche, laviert
Stiftung Akademie der Künste Berlin, Kunstsammlung
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Chodowieckis Zeichnungsfolge, seit langem als "Die Reise von Berlin nach Danzig"
betitelt, zählt zu den Höhepunkten des
heutigen Kunstsammlungsbestandes der Akademie. Der Künstler, 1726 in Danzig geboren, aber
seit 1743 in Berlin lebend, kam der wiederholten Bitte seiner Mutter nach, sie nach so
vielen Jahren der Abwesenheit zu besuchen und Familienangelegenheiten zu regeln. So
rüstete Chodowiecki im Frühjahr zur Reise - was
den Kauf eines Pferdes einschloss, weil er das Fahren in der Postkutsche nicht vertrug
- und verließ am 3. Juni 1773 Berlin.
Seine Erlebnisse auf dem Weg nach Danzig, das Wiedersehen dort mit der Mutter,
den Schwestern, den Tanten, seine Eindrücke,
Begegnungen und Reflexionen in der Stadt vertraute er einem Tagebuch an, von dem nur
noch eine Abschrift des französischen Originals
erhalten ist. Chodowieckis Aufenthalt in der Vaterstadt dehnte sich viel länger aus als
geplant, was zum Teil in seinen künstlerischen und
gesellschaftlichen Erfolgen begründet war. Am
10. August begann er die Rückreise, und nach
acht Tagesritten traf er wieder in Berlin ein.
Parallel zu seinen schriftlichen Aufzeichnungen skizzierte Chodowiecki die
Begebenheiten wahrscheinlich in Hefte, die er nach
seiner Rückkehr auflöste, anders ordnete und
als Grundlage für eine kommerzielle
Auswertung vorsah. Reisebeschreibungen erfreuten
sich großer Beliebtheit. Für dieses Vorhaben
komponierte er zur Vervollständigung aus der
Erinnerung bildhafte und technisch reiche Zeichnungen, die sich deutlich von den
unmittelbaren Skizzen unterscheiden. Hier sind mit
präziser Beobachtung Bewegungen, Situationen erfasst und graphisch verkürzt notiert. Die
nach der Reise entstandenen Blätter - durchschnittlich 12,0 x 18,0 cm groß
- beeindrucken
dagegen künstlerisch durch ihre Erfahrung im
Einsatz der Mittel, aber auch durch ihren Bildwitz.

Daniel Nikolaus Chodowiecki
Tagebuch einer Reise von Berlin nach Danzig 1773
108. Ein Zug armer Reisender
Feder, Tusche über Bleistift
Stiftung Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung |
Der beabsichtigte Verkauf kam zu Lebzeiten Chodowieckis nicht zustande, jedoch hat
der Künstler die Folge häufig im Familien-
und Freundeskreis gezeigt und kommentiert. Nach seinem Tod am 7. Februar 1801 sollten die
Blätter mit dem gesamten künstlerischen
Nachlass versteigert werden; letztlich blieben sie bis
zum Jahr 1865 im Familienbesitz. Dann
übereignete Chodowieckis Schwiegertochter 108
Blätter testamentarisch der Königlichen
Akademie der Künste. Sie zählen zum
kunsthistorisch wertvollsten, was im 18. Jahrhundert in
Deutschland entstand, kraft ihrer Genauigkeit, die
von der präzisen Beobachtung ausgeht, im Einklang mit dem künstlerischen Einsatz und
ihrer schnörkellosen Sachlichkeit. "Charakterisierenden Naturalismus" nannte Willy Kurth
diese Art zu zeichnen. Chodowiecki führte sie
in die Kunst des damaligen Berlin ein und
begründete damit eine Tradition, die noch im 20.
Jahrhundert Gültigkeit behielt.

Daniel Nikolaus Chodowiecki
Tagebuch einer Reise von Berlin nach Danzig 1773
39. Eine Kirchgängerin (Dame mit Spazierstock)
Feder, Sepia über Bleistift
Stiftung Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung
Die Bildfolge überdauerte den Zweiten Weltkrieg nicht unbeschadet: Die
Trophäenkommission der Roten Armee hatte sie 1945
nach Moskau geschickt, doch konnten dort nur 96 Zeichnungen registriert werden. Zwölf der
bildhaften Blätter fehlten demnach, als die
Folge gemeinsam mit den Beständen der
Berliner Staatlichen Museen 1958 in die Akademie
zurückkehrte. Im Herbst 1993 gelang es, elf
Blätter aus dem Kunsthandel zurück zu
erwerben - darunter die anfangs genannte "Gesellschaft im Garten des Herrn von Rottenburg". Es
besteht nach wie vor die Hoffnung, dass die heu |
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Veranstalter: Muzeum Historyczne Miasta Gdanska, Gdansk; Stiftung Archiv der Akademie der
Künste, Berlin, Kunstsammlung
Ausstellung im Muzeum Historyczne Miasta Gdanska, Dom Uphagena, in Gdansk: 18. September bis 11. November
2001
in der Akademie der Künste,
Berlin: 12. Dezember 2001 bis 20. Januar 2002 |
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Gudrun Schmidt ist Leiterin der
Kunstsammlung, Stiftung Archiv der Akademie der
Künste, Berlin
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