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Kulturberichte 2/00: Kleine Nachrichten - Reichskammergerichtsmuseum, Wetzlar

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Kopie des Dürergemäldes "Kaiser Maximilian I." als Dauerleihgabe im Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar

Albrecht Dürer, Kaiser Maximilian I - Foto: Herbert H.G. Wolf Industrie & Werbefotografie, Wetzlar

Für die Geschichte der Höchstgerichtsbarkeit in Deutschland ist Kaiser Maximilian I. (1493-1519) eine Schlüsselfigur: 1495 wurde "des Kaisers und Reichs Kammergericht" aus der kaiserlichen Hofhaltung herausgelöst und damit dem unmittelbaren Einfluss des Kaisers entzogen. Die Reichsstände wirkten mit bei der Berufung der Richter und kontrollierten über Reichstagskommissionen den Gerichtsbetrieb. Die Beseitigung des hergebrachten Fehderechts und das Angebot schiedlich-friedlicher Streitentscheidung an einem weitgehend unabhängigen Gericht sind aus heutiger Sicht erstaunliche Modernisierungsschübe und wurden von weit blickenden Zeitgenossen auch als solche empfunden. Für Maximilian stellten sie teils vertretbare Konzessionen, teils Image fördernde Maßnahmen dar, die von dynastischem Zweckdenken und dem Wunsch, der Kaiserwürde verlorenen Glanz zurückzugewinnen, gleichermaßen bestimmt waren.

Das zweifellos berühmteste Bildnis Maximilian I. ist das heute im Kunsthistorischen Museum, Wien, aufbewahrte Tafelgemälde, das Albrecht Dürer 1519 kurz nach dem Tod des Kaisers auf der Grundlage einer 1518 entstandenen Zeichnung "nach der Natur" anfertigte. Das halbfigurige Bildnis zeigt den verstorbenen Monarchen ohne Attribute seiner hohen Würde. Stattdessen hält er einen geöffneten Granatapfel in der Hand. Dem gebildeten Zeitgenossen war die Anspielung auf den Mythos der Persephone, die sich nach dem Genuss eines einzigen Granatapfels jährlich für ein halbes Jahr in der Unterwelt aufhalten musste, sicherlich verständlich. Da der Granatapfel zugleich als Symbolfrucht für die Fülle der Tugenden Mariens malerische Verwendung fand, ergab sich eine zweite Bedeutungsebene für dieses Bildelement.

Die 1917 entstandene, in Abmessungen und Maltechnik dem Original entsprechende Gemäldekopie wurde 1999 bei Christie's in Amsterdam ersteigert und in restauriertem Zustand dem Reichskammergerichtsmuseum von der BUDERUS AG in Wetzlar als Dauerleihgabe anvertraut. Für die für 2002 vorgesehene Maximilian-Ausstellung kommt dem Bildnis besondere Bedeutung zu.

 

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