Uwe Förster im Ruhestand
Ende September ging Dr. Uwe Förster, 32
Jahre lang Leiter des Sprachberatungsdienstes der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in
den Ruhestand. Förster, 1935 in Dresden geboren,
promovierte 1965 bei dem Germanisten und Übersetzer
des Nibelungenliedes Helmut de Boor, war seit 1967 wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Gesellschaft für deutsche Sprache und seit 1971
Vorsitzender des Zweigvereins Wiesbaden.
"Für mich ist Uwe Förster ein
Sprachpapst ohne dogmatische Attitüde, der mit
Sprachwissenschaftlern sachkundig parlieren und
ebenso bei Lieschen Müllers Mann locker und ohne
Zeigefinger Lust für ein klares, einfaches
Deutsch wecken kann", schrieb 1995 Reinhard
Appel, langjähriger Chef der
ZDF-Nachrichtensendung "heute", deren Mitarbeitern Chefberater
Förster und sein Team sieben Jahre lang (1987 bis
1993) sprachlich auf die Sprünge halfen.
Journalisten sind aber nicht die Einzigen, die
professionellen Rat bei Förster eingeholt haben. Das Klientel
der Sprachberatung der 1947 gegründeten GfdS reicht von Juristen, die eindeutige
Gesetzestexte formulieren, über Berufsverbände, die
verständliche Infobroschüren edieren, und
Sekretärinnen, die orthografisch fehlerfreie Briefe
schreiben
wollen, bis hin zum Malermeister, der ein neues Firmenschild plant, oder dem Büttenredner,
der faschingsvolksnahe Formulierungen
wünscht. Alltägliche Anfragen
Muttersprachverwirrter koordinierte Förster als Chef der
GfdS-Sprachberatung und machte sie ab und an auch zur
Chefsache. Wie etwa die Prüfung der
Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, die das
Katholische Bibelwerk in Stuttgart in Auftrag gab,
um sicher zu sein, dass die Texte den Sprachnerv moderner Christen treffen.
Die Rechtschreibreform habe zur Sprachverwirrung beigetragen - so Förster
- mehr kommt ihm zu diesem Thema nicht (mehr)
über die Lippen. Sein Hauptinteresse habe immer
der Sprachgeschichte und Stilistik gegolten, weniger der Orthographie. Rechtzeitig zur
Verabschiedung in den Ruhestand hat Uwe Förster
einen Sammelband mit seinen populärsten
Schriften herausgegeben: "Sprachpflege auf
wissenschaftlicher Grundlage. Beiträge aus drei
Jahrzehnten", hrsg. von der Gesellschaft für deutsche
Sprache, Duden Verlag 2000.