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Kulturberichte 2/00: Kleine Nachrichten - Beethoven-Haus

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Schmidt-Rottluff-Fund im Beethoven-Haus

Ein bisher unbekanntes Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff wurde in den Sammlungen des Beethoven-Hauses in Bonn entdeckt. Das Bild war im Oktober des Jahres 1937 vom Künstler fertig gestellt und seinem Jugendfreund, dem damals in Zürich lebenden renommierten Beethoven-Forscher Max Unger, geschenkt worden. 

Max Unger, der die Kriegs- und Nachkriegsjahre hauptsächlich in Italien verbrachte, verwahrte die Leinwand in der originalen Versandrolle bis zu seinem Tod im Jahr 1959, ohne dass das Bild jemals aufgehängt oder ausgestellt worden wäre.


Karl Schmidt-Rottluff
Atelierinterieur mit Fingerhut, 1937
Beethovenhaus Bonn

1961 gelangte das Gemälde mit Ungers Nachlass in die Sammlungen des Beethoven-Hauses, wo es bis 1989 unerkannt lagerte.

Der Maler Schmidt-Rottluff und der Musikwissenschaftler Unger waren seit ihrer Jugend in Chemnitz eng miteinander befreundet. Sie besuchten während ihrer Gymnasialzeit gemeinsam den Kunstunterricht am dortigen Königlichen Gymnasium und waren - wie auch Erich Heckel - Mitglieder des Chemnitzer Schülerclubs "Vulkan", der in gewisser Weise als Vorstufe für die spätere Künstler-Vereinigung "Die Brücke" in Dresden angesehen werden kann.

Schmidt-Rottluffs Gemälde für Max Unger, das nach einer vorsichtigen restauratorischen Behandlung im Januar 2000 erstmals seit seiner Fertigstellung wieder auf einen Keilrahmen aufgezogen wurde, präsentiert sich heute in dem gleichen farbfrischen Zustand, in dem es 1937 das Berliner Atelier des Künstlers verlassen hat. Es zeigt ein Atelier-Interieur mit Fingerhut-Strauß und gehört zur Gruppe der fensterlosen Innenraumdarstellungen, in denen sich Schmidt-Rottluff seit der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre auf sublime Art mit der besonderen Situation seiner inneren Emigration unter dem Nationalsozialismus auseinandersetzte.

Gemeinsam mit dem Gemälde fanden sich im Beethoven-Haus auch 64 Briefe Karl Schmidt-Rottluffs an Max Unger sowie zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle von der Hand des Beethoven-Forschers. Als Quelle besonders interessant sind die ebenfalls erhaltenen Manuskripte, in denen Max Unger seine Erinnerungen an die gemeinsame Jugendzeit mit Schmidt-Rottluff und Erich Heckel in Chemnitz festhielt.

Das neu entdeckte Material war bis Anfang August in der Ausstellung "Zwischen Musik und Malerei - der Beethoven-Forscher Max Unger und seine Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff" im Beethoven-Haus Bonn zu sehen, danach im Schloßbergmuseum in Chemnitz. Ergänzt wurde es durch einige bisher unveröffentlichte frühe Arbeiten Schmidt-Rottluffs und Erich Heckels aus Privatbesitz, die die künstlerischen Aktivitäten der späteren Brücke-Mitglieder in den Jahren vor 1905 dokumentieren.

 

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