Was eigentlich hält die Mitglieder des "Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute (AsKI)"
zusammen? Wäre es nur die Vertretung der
Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Politik und
Öffentlichkeit, dann wäre das zu wenig. Nein,
den AsKI hält vor allem anderes zusammen,
sowohl was die Form betrifft als auch und vor allem
den Inhalt.
Die Form: Alle Mitglieder sind
selbständig, und das heißt, weder staatlich noch
städtisch, sondern als eingetragene Vereine, Stiftungen
oder neuerdings auch als gemeinnützige
Gesellschaften (gGmbH) konstituiert. In aller Regel
verdanken sie ihre Gründung der Initiative von
Bürgern, nicht politischen Beschlüssen, und
auch diejenigen Institute, in deren Gremien Staat
oder Stadt vertreten sind und die sich teilweise
aus öffentlichen Mitteln finanzieren, werden bis
heute zum erheblichen Teil von solcher Initiative getragen. In einer Zeit, die sich
"Privatisierung" zu einem ihrer Schlagworte erkoren hat,
haben so die AsKI-Institute geradezu Modellcharakter.
Mehr noch sind sie Modell wegen ihrer inhaltlichen Botschaft. Denn sie stellen durch ihre
Sammlungen, Bibliotheken, Archive, Ausstellungen, Forschungsvorhaben, Tagungen einen
gewichtigen Teil des Gedächtnisses der Nation,
ja Europas und der Welt dar. Sie machen zu ihrem Teil die Vergangenheit für die Gegenwart
verfügbar und sorgen so dafür, dass das
scheinbar Vergangene, Abgetane zukunftswirksam
werden kann. Darauf, auf solche Wirkung, kommt es mehr denn je an, gerade in einer Gesellschaft
wie der unseren, die sich allem Anschein nach immer rascher verändert und deshalb nur allzu
sehr dazu neigt, gar nicht mehr zurückzublicken.
Uns droht der Verlust des Gestern und Vorgestern.
Er beginnt in den Elternhäusern und Schulen,
die allzu wenig noch in der Lage sind, den jungen Menschen Blicke in die Vergangenheit zu
öffnen, und endet in der täglichen Medienflut,
welche das Historische, wenn es nicht gerade um die Nazi-Vergangenheit geht, nur allzu gern
in die Elite-Medien und die Nachtstunden verbannt. Wie groß, dem entgegen, das Bedürfnis
breiter Schichten nach Vergewisserung über
Damals, Jetzt und Künftig ist, lehrt jedes Mal erneut
der Besucherstrom, den historische
Ausstellungen anlocken.
Der AsKI und seine Mitglieder haben sich darum vorgenommen, ihre unentbehrliche Rolle
als kulturelles Gedächtnis erneut zu reflektieren
und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu
heben. In dieser Ausgabe der "Kulturberichte"
beginnen wir damit durch einige
Selbstdarstellungen am Beispiel der Stiftung Weimarer Klassik
und der Bibliotheca Bodmeriana in Cologny (Genf), Schweiz - Letztere bisher kein AsKI-Institut.
Im nächsten Jahr wird ein internationales
Symposium folgen, im Jahr darauf eine große
gemeinsame Ausstellung mit einem breit angelegten Begleitprogramm. Wir hoffen auf viele Leser und Besucher.