Dieter Höhnl
Noch vor Goethe realisierte Wieland einen Lebenstraum: eine freie Schriftstellerexistenz in idyllischer,
abgeschiedener Ländlichkeit. Er erwarb im Alter von dreiundsechzig Jahren, am 15. März 1797, für 22.000 Taler das
Gut Oßmannstedt, um dort als "poetischer Landjunker" mit seiner vielköpfigen Familie zu leben.
"Vorgestern habe ich Wieland besucht, der in einem sehr artigen, geräumigen und wohnhaft eingerichteten
Hause, in der traurigsten Gegend von der Welt, lebt", schrieb Goethe am 21. Juni 1797 an Schiller, und drei Wochen später
an J. H. Meyer: "Wieland lebt in Osmannstädt mit dem nothdürftigen Selbstbetruge."
Da irrte sich der Dichterkollege. Das Gutshaus, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammend, liegt im
landschaftlich reizvollen Ilmtal und vermittelt noch heute die einmalige Aura seines berühmten Besitzers und seiner
Gäste, darunter Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Johann Gottfried Seume, Sophie von
La Roche und ihre Enkeltochter Sophie Brentano, Georg Joachim Göschen, Karl August Böttiger, Clemens
Brentano, Karl Ludwig von Knebel, Ernst Moritz Arndt, Johann Heinrich Meyer, Friedrich Johann Justin Bertuch,
Christian Gottlob Voigt, August von Goethe, Johann Gottfried Schadow, Johann Daniel Falk und Heinrich von Kleist.
In der Stille der ländlichen Abgeschiedenheit konnte er die Ruhe finden, die er für seine schriftstellerischen
Arbeiten brauchte. Sein Oßmannstedter Refugium wurde ein deutsches, ja europäisches geistiges Zentrum an der
Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.
Dieser traditionsreiche Ort, Stätte aufklärerischen Wirkens und geistigen Austauschs, sieht einer traurigen
Zukunft entgegen. Das Wielandmuseum in Oßmannstedt, z. Zt. einziger Gedächtnisort für den Dichter im Weimarer
Land, umfasst nur drei kleine Räume, die im Winter geschlossen sind. Seit dem Auszug der Schule im Jahre 1995 wird
das Gutsgebäude überwiegend von der Europäischen Jugendbegegnungsstätte Oßmannstedt e. V. für Seminare und
Beherbergungen genutzt. Die Einrichtung muss die Arbeit im Herbst 2000 einstellen. So droht der Leerstand des
Gebäudes ab diesem Winter. Damit ist der weitere Verfall der historischen Bausubstanz vorprogrammiert.
Der Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums hat in seiner diesjährigen Mitgliederversammlung
beschlossen, sich des Oßmannstedter Gutshauses anzunehmen. Eine Baustudie, die die Sanierung und den Umbau des
Hauses dokumentiert, liegt bereits vor.
Gemeinsam mit institutionellen und privaten Wielandfreunden und Förderern wurde eine mögliche Nutzung
des Komplexes als Wielandmuseum und kulturwissenschaftliches Kolleg als Modell konzipiert.
Zu Wielands Geburtstag am 5. September 2000 ist eine Fundraising-Broschüre, finanziert von der
Kulturstiftung der Länder, in großer Auflage erschienen. Sie soll helfen, die notwendigen Fördermittel einzuwerben.
Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Sanierung des Wielandgutes in Oßmannstedt und geben Sie einem
außergewöhnlichen Zeugen unserer Vergangenheit Zukunft.
Spendenkonto:
Sparkasse Weimar, BLZ 820 510 00, Konto-Nr. 0 365 000 876
Kennwort: Wielandgut