


|
|
fortgesetzt
von I
Die Sammlungen des Goethe-Nationalmuseums sind heute durch einen weit beachteten
EDV-gestützten Gesamtkatalog als
Bilddatenbank größtenteils erschlossen, wenn auch noch
nicht in allen Teilen zureichend kritisch bestimmt und gültig erforscht. Nachgewiesen werden
derzeit rund 100.000 Objekte aus den Gattungen
Gemälde, Skulptur, Mobiliar, Druckgraphik,
Handzeichnungen, Münzen und Medaillen,
Kunstgewerbe (als Sammelbegriff), historische
Photographie. Im Haus wird neben der Bewältigung
der durch Bau und Sanierung geprägten
Tagesaufgaben (Neukonzeptionen ganzer Schlosseinrichtungen wie Dornburg 2000-2002) und der
umfassenden konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen zur Bergung und
Rettung der Bestände sowohl an einer
gattungsparallel organisierten Bestandserschließung als auch
an Forschungsprojekten gearbeitet (u. a.
Internationaler Porträtkatalog 1600-1900, Inventar
der Sammlungen Goethes, Neuausgabe des Corpus der Goethe-Zeichnungen, Ikonographia
Saxonia, Ikonographie der deutschen Klassik,
monographische Künstlerbestände aus Klassik und
Romantik). Ein Verbundkatalog des in Weimar befindlichen Gemäldebestandes aller
Institutionen von 1500 bis 2000 ist im Aufbau.
|
Johann Wolfgang von Goethe
Peterskirche in Rom
Aquarell, 1788
Corpus II, 263
Goethe-Nationalmuseum Weimar |
Der weitgezogene Interessenkreis der Goethe'schen Sammlungen hat auch den
Sammlungsgrundriss des Hauses bestimmt. Nur die Kollektion zur Naturwissenschaft geht über
den Goethe'schen Fundus kaum hinaus. Alle anderen Bestände werden nach Maßgabe von
Ange
bot und Haushaltsmitteln, zunehmend durch Schenkungen und Spenden, konsequent
erweitert. Der 1885 mit Museumsgründung
begonnene "kustodische Bestand" hat seinen
Schwerpunkt zwischen 1750 und 1850 und sichert dem Haus auf dem Kunstmarkt und bei
Nachlasserwerbungen einen festen Platz. Ein
Augenmerk bei der Ankaufspolitik der letzten Jahre gilt
Objekten aus der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts, soweit sie mit der Kulturgeschichte
Weimars korrespondieren. Die rezeptionsgeschichtliche Sammlung mit Schwerpunkten beim
literarischen Quartett der Klassiker reicht bis in
die moderne Kunst, kann - und will - jedoch nicht im Bereich des Theaters z. B. mit anderen
Sammlungen konkurrieren. Die Zugehörigkeit
des Liszt-Hauses und des Nietzsche-Archivs (mit einem Interieur von Henry van de Velde)
zum Museumsensemble begünstigt eine
Weiterführung der dort vorhandenen Bestände.
Bei all dem ist zu berücksichtigen, dass die
von den "NFG" verfügte Zernierung der Bestände
in einen bibliothekarischen, einen archivarischen und einen "musealen" Teil sich auf die
Nachlässe von Künstlern und Gelehrten zum großen
Teil durch konsequente Ignorierung des Provenienzprinzips zerstörerisch ausgewirkt hat.
Hinzu kommt, dass das Haus heute durch
willkürlich zugewiesene Objekte aus der Phase der "Bodenreform" nur unter größten Schwierigkeiten historische Zusammenhänge wieder herstellen
und tatsächliche Besitzverhältnisse
rekonstruieren kann. Nach über Generationen
gewachsenen Haustraditionen hat die "Verschiebung" von
Beständen innerhalb Weimars seit 1953 ganze
Bereiche wie z. B. die Graphische Sammlung der Großherzoglichen Bibliothek (heute
Herzogin Anna Amalia Bibliothek) durch schubweise Überführung in das
Goethe-Nationalmuseum als Sammlungskontext vorsätzlich
zerstört, ohne dass umgekehrt das Haus am Frauenplan für
diesen Bestandszuwachs fachlich und konservatorisch gerüstet gewesen wäre.
In Weiterführung von z.T.
jahrzehntelangen Vorhaben erscheinen seit 1996 regelmäßig
jährlich mehrere Hausmonographien, Bestandsverzeichnisse und ausstellungsbezogene
Publikationen; mit dem Gesamtverzeichnis des
Gemäldebestandes (ca. 1700 Nummern) wird erstmals
das Modell einer künftigen
CD-Rom-Veröffentlichung der "Bestandsverzeichnisse des
Goethe-Nationalmuseums" (hrsg. von Gerhard
Schuster und Hans Zimmermann) vorgelegt. Nach
Fertigstellung des durch Goethe-Jubiläum und Kulturstadtjahr ermöglichten Umbaus des
Stammhauses mit neuer Ständiger Ausstellung, sammlungsbezogenen Benutzerräumlichkeiten
und gestraffter Geschäftsverteilung kann der
Bereich
von Sonderaustellungen in und außerhalb Weimars künftig ebenso aktiv betrieben werden
wie die Öffnung des Hauses für Fachkongresse
und museumsspezifische Veranstaltungen. Leihgaben zu international beachteten Ausstellungen
sind inzwischen die Regel; umgekehrt ist das Haus Gastgeber für befreundete Institutionen
(Schiller-Nationalmuseum Marbach) und
präsentiert seine Bestände außerhalb der Stadt (u. a. in
der Casa di Goethe in Rom, wie Marbach Mitglied im AsKI). Im Vorfeld einer Fusion mit den
Kunstsammlungen zu Weimar ist die Direktion gleichzeitig auch mit den entsprechenden
bestandsbezogenen Untersuchungen betraut.
Das Goethe-Nationalmuseum wird unterstützt von einem eigenen Förderverein, dem
"Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V.",
der mit beträchtlichem Finanzvolumen, eigenem Stipendienprogramm, Veranstaltungen, Museumsfesten, Sponsorenbindung und
Großprojekten (s. den Aufruf zur Sanierung des Wielandgutes
Oßmannstedt) u. a. die Arbeit des Hauses im
Sinne seines Gründers Großherzog Carl Alexander
vor allem in der Szene des literarischen und Kunstmuseums weit über Thüringen und
Deutschland hinaus bekannt macht.
|
 |
|
Prof. Dr. Gerhard Schuster ist stellvertretender amtierender Direktor des
Goethe-Nationalmuseums, Stiftung Weimarer Klassik
|
|