Weimar steht an der Schwelle zum nächsten
Jahrtausend im Brennpunkt einer europäischen Öffentlichkeit: Die Wahl der Stadt zur 15.
Kulturhauptstadt Europas - ein entscheidendes Signal für die neuen Bundesländer und aus
diesem Grund von der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt - bedeutet über das Jahr
1999 hinaus eine Chance für die Region und das Land Thüringen, in Europa präsent zu
sein und die vielfältigen kulturellen und touristischen Angebote einer breiten
internationalen Öffentlichkeit vorzustellen. Auch die Städte Erfurt, Jena, Apolda sowie
der Kreis Weimarer Land bieten während des Kulturstadtjahres ein umfangreiches Programm,
das keineswegs im Provinziellen verhaftet ist, sondern vielmehr auf die zahlreichen
Wechselwirkungen zwischen regionalen Besonderheiten und den immer komplexer werdenden
internationalen Verflechtungen Bezug nimmt. Dies entspricht ganz dem Ziel, das die
Kulturminister der EU mit der Ernennung der Kulturstädte verfolgen: die Kultur der
jeweiligen Stadt einem europäischen bzw. internationalen Publikum zu vermitteln und
gleichzeitig einen Überblick über die aktuelle europäische Kultur zu bieten.
Das
Programm des Kulturstadtjahres will im Rahmen verschiedener Themenkomplexe Impulse geben,
die ein Beitrag auf dem Weg in ein gemeinsames Europa sind. Der Name Weimar stand für
europäisches Denken schon zu Zeiten, als man überall noch um nationale Identitäten
rang. Hier konzentriert sich auf engstem Raum deutsche und europäische Kulturgeschichte
wie sonst nur in großen Metropolen. 1999 lenken zahlreiche Jubiläen das Interesse auf
wichtige, mit Weimar verbundene Themen: der 250. Geburtstag Johann Wolfgang Goethes, der
vor allem Weimar zum Ort und Symbol für europäisches Denken gemacht hat; der Geburtstag
Friedrich Schillers jährt sich zum 240. Mal; vor 80 Jahren wurde in Weimar die erste
Reichsverfassung beschlossen und im selben Jahr das Bauhaus gegründet. Außerdem jährt
sich 1999 die deutsche Wiedervereinigung zum 10. Male: Anlaß zu einer kritischen
Bestandsaufnahme.
Das Programm des Kulturstadtjahres versteht sich als internationale
Plattform für den Austausch von Ideen und Entwürfen auf dem Weg in das nächste
Jahrtausend. An dieser Stelle seien nur einige wenige Highlights des breit gefächerten
Angebots herausgegriffen, zwei davon ausführlicher:
Mit dem Kulturstadtprogramm knüpft Weimar an seine Tradition als
Begegnungsstätte an. Künstlern und Gästen aus aller Welt wird Raum zum kreativen
Austausch geboten - zu über 1000 Veranstaltungen werden etwa 5000 Künstler aus 100
Ländern erwartet. Weitere Höhepunkte des Programms sind ein umfangreiches Programm für
Jugendliche, internationales Ballett von Tokyo bis Stockholm, eine Konzertreihe als
Hommage an Duke Ellington, der 1999 einhundert Jahre alt geworden wäre, Theater von Peter
Brook / Luc Bondy, Lew Dodin und dem Akko Theatre Center aus Israel.
Die offizielle Eröffnung des Kulturstadtjahres in Weimar wurde am 19.
Februar mit einem Festakt im Deutschen Nationaltheater begangen, in Anwesenheit des
Schirmherrn für Weimar 1999, des Bundespräsidenten Roman Herzog.