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Volkmar
Hansen
Es war eine besondere Fähigkeit des 1743 in Düsseldorf
geborenen, von tiefer Religiosität geprägten Philosophen und Schriftstellers Friedrich
Heinrich Jacobi, Freunde mittels Gespräch für sich zu gewinnen. Als folgenreichste
Begegnungen sollten sich diejenigen mit Goethe erweisen, der zweimal als
Überraschungsgast nach Düsseldorf-Pempelfort kam. Die erste Begegnung (20. bis 24. Juli
1774; 14. Buch von Dichtung und Wahrheit") stand im Zeichen der Diskussionen um
den Pantheismus Spinozas und der Betrachtung niederländischer Malerei, die zweite (6.
November bis 4. Dezember 1792; November 1792 der Campagne in Frankreich")
konfrontierte Goethe mit Vertriebenen und Emigranten, die ihm die Idee zu Hermann
und Dorothea" vermittelten.
Sein poetisches Credo formulierte er während dieser Zeit in
dem Gedicht Künstlers Fug und Recht". Von diesem gastfreisten aller
Häuser", in Steinwurfweite von dem 1771 fertiggestellten Schloß Jägerhof
nun Sitz des Goethe-Museums entfernt, schrieb er: Ein freistehendes
geräumiges Haus, in der Nachbarschaft von weitläufigen wohlgehaltenen Gärten, im Sommer
ein Paradies, auch im Winter höchst erfreulich". Familiäre und intellektuelle Bande
ließen Düsseldorf-Pempelfort zu einem Beziehungszentrum für Goethe werden.
In der Goethe-Stadt Düsseldorf, die mit der Sammlung
Kippenberg ein Zentrum der Goethe-Forschung beherbergt, zeigt das Goethe-Museum zum
Jubiläumsjahr insgesamt sechs Ausstellungen.
Am Beginn dieser Reihe stand eine Ausstellung zu Klopstocks ersten zehn
Hexameter-Gesängen des Messias", die Goethe selbst als Anfang einer neuen
Epoche deutscher Literatur bezeichnete. Zu sehen waren u.a. sieben Portraits von Klopstock
und das von Meta Moller, erste Entwürfe und Korrekturexemplare.

Eduard Joseph d'Alton, Göthea semperflorens
(Darstellung der nach Goethe benannten Pflanze),
Kupferstich nach Th. Wildt.
Tafel VII in: GOETHEA, novum plantarum genus.
A Serenissimo Principe Maximiliano, Neovidensi,
Ex Itinere Brasiliensi Relatum. Descripserunt e
cum affinibus e malvacearum familia naturali
composuerunt Dr. C.G. Nees ab Esenbeck, Acad. h.t.
Praeses et Dr. C.Ph. a Martius, A.C.N.C.
et A.R.Mon.Soc. (Cum Tabulis 3. Aeneis)
Goethe-Museum Düsseldorf
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Die von Heike Spies erarbeitete Ausstellung Goethe und die Welt
der Pflanzen" (21. Februar bis 11. April) wird von einem Katalog
begleitet, für den Frau Dr. Veronica Carstens ein Grußwort verfaßt hat. Samen- und
Pflanzenmaterial, eine Baumscheibe aus Goethes Geburtsjahr, Modelle ergänzten die
ausgestellten Autographen, Bücher und Gemälde. Die eigenen Bestände wurden durch
Exponate von zehn Leihgebern erweitert. Vorträge, Rezitationen und musikalische
Darbietungen rundeten diese, wie auch andere Ausstellungen ab.
Die Hauptausstellung Europa, wie Goethe es sah" (23. Mai bis
18. Juli in Düsseldorf, danach auch im Elsaß und in Bologna) knüpft in Kontinuität und
Erweiterung an eine Ausstellung Kippenbergs aus dem Jubiläumsjahr 1949 an:
Deutschland, wie Goethe es sah". Das konkret Erlebte - Wohnorte, die Ausbildung
in Leipzig und Straßburg, Reisen, Besucher - ist die leitende Perspektive. Ein
internationaler Kongreß Goethes geistiges Europa" - in Zusammenarbeit mit der
Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf (20. bis 27. Juni) - widmet sich ergänzend dem
von Goethe nicht konkret Angeschauten, sondern mittelbar Gelernten (z.B. englische
Literatur und Royal Society).
Der bildende Künstler Heinz Mack, den schon vor der Zero-Gründung
Goethes Farbenlehre" als Bewußtmachung eines Teils menschlicher Wahrnehmung
faszinierte, hat in den letzten Jahren einen Zyklus von Bildern zu Goethes
Westöstlichem Divan" geschaffen, der arabisch-islamische Form- und Farbelemente mit
kalligraphisch dargestellten Gedichttexten vereinigt (15. August bis 3. Oktober).
Die Ergebnisse eines seit Herbst 1998 an den höheren Schulstufen in
Nordrhein-Westfalen ausgeschriebenen Wettbewerbs zum Thema Ideen und Einfälle zu
Goethe", für den 20.000 Exemplare des Lese- und Arbeitshefts angefordert worden
sind, werden in einer eigenen Ausstellung präsentiert (17. Oktober bis 22. November).
Preisgekrönte szenische und mediale Arbeiten zeigt parallel das Düsseldorfer
Schauspielhaus.
Die abschließende Gedenkausstellung ist dem Verleger und Goethe-Sammler
Anton Kippenberg gewidmet, der in schwierigster Zeit den humanitären Auftrag und die
Einheit der internationalen Goethe-Gesellschaft zu sichern wußte. Das Denken an ihn ist
zugleich ein Gedenken des Todestages am 21. September 1950 in Luzern (28. November 1999
bis 16. Januar 2000).
Neben der Gestaltung eines Sommerfests anläßlich von Goethes
Geburtstag am 28. August ist die Fertigstellung eines Modells von Goethes Weimarer
Wohnhaus sowie eines Videos Goethe im Rheinland" besonders hervorzuheben,
ebenso wie der Bronze-Nachguß der Medaille von Johann Gottfried Schadow zu Goethes Ehren
vom Frühjahr 1816.

Johann Wolfgang von Goethe, Ginkgo biloba
Eigenhändige Niederschrift seines Gedichts
(West-östlicher Divan", Buch Suleika")
[Frankfurt, Gerbermühle], 15. September 1815
Goethe-Museum Düsseldorf
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Eine Ginkgo-biloba-Münze in Silber und Gold hat Louise Christine Thiele
geschaffen, die auf dem Avers die Blätter der Gedichtreinschrift als Motiv verwendet, auf
dem Revers ein in Blattstruktur dargestelltes stilistisches Vogelpaar. Am 24. April wird
am Schloß Jägerhof ein Radweg eröffnet, der über Münster nach Weimar führt (erste
Etappe: 24. April bis 1. Mai; zweite Etappe: 18. bis 25. September). Im Rahmen des
internationalen Chemiker-Kongresses In Com" (22. bis 25. März) wird u.a. eine
Ausstellung Künstlerinnen sehen Goethe" gezeigt, die, angeregt durch
Freunde der Künste Düsseldorf-Berlin", als Dauerleihgabe in den Besitz des
Goethe-Museums übergeht. Von den vielfältigen flankierenden Aktivitäten in Düsseldorf
seien genannt: die Ausstellung zu Angelica Kauffmann, die das Kunstmuseum zusammengestellt
und zur Jahreswende gezeigt hat; sie ist 1999 in München und Chur zu sehen. Eine
Ausstellung des Heine-Instituts zur Goethe-Rezeption (9. Mai bis 1. August), Ausstellungen
des Theatermuseums zu Gustaf Gründgens und seiner Mephisto-Darstellung (26. Oktober 1999
bis 30. Januar 2000) sowie eine Vortragsreihe der Stadtbücherei im Herbst gehören dazu.
Das Düsseldorfer Schauspielhaus erweitert das Repertoire um Einladungen an europäische
Bühnen, die Goethe-Stücke inszeniert haben. Im Rahmen des Düsseldorfer Altstadtherbstes
werden neue Kompositionen zu Goethe-Texten präsentiert (2. Oktober).
Mehr als zwanzig auswärtige Beteiligungen, auch am Programm der
Goethe-Institute (u.a. Boston, Brüssel, Moskau), reichen von Einzelstücken bis zur
Weitergabe von ganzen Ausstellungen (Bürgerstiftung Frankfurt/M., Kronach und Bergamo).
Vorträge und Kongreßbeiträge werden von den wissenschaftlichen Kräften des
Goethe-Museums Düsseldorf auch international gehalten. Der Dank hat besonders den
öffentlichen und privaten Geldgebern zu gelten, die helfen, dieses Programm zu
verwirklichen.
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