Schiller Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv
Übernahme des Luchterhand-Verlagsarchivs
Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach a.N. hat als Stiftung das Archiv des
Luchterhand Literaturverlags in München übernommen. Es umfaßt weit über 1000 Akten mit
Korrespondenzen und Herstellungsunterlagen zur Verlagsproduktion zwischen 1954 und 1994,
darunter literarische Titel von Fernando Arrabal, H. C. Artmann, Miguel Angel Asturias,
Reinhard Baumgart, Jurek Becker, Peter Bichsel, Manfred Bieler, Michail Bulgakow, Paul
Éluard, Hans Magnus Enzensberger, Franz Fühmann, Yvan Goll, Günter Grass, Max von der
Grün, Peter Härtling, Christoph Hein, Helmut Heißenbüttel, Günter Herburger, Franz
Hohler, Eugène Ionesco, Ernst Jandl, Hermann Kant, Ingomar von Kieseritzky, Ernst
Meister, Franz Mon, Irmtraud Morgner, Pablo Neruda, Octavio Paz, Saint-John Perse, Jens
Rehn, Robert Wolfgang Schnell, Anna Seghers, Alexander Solschenizyn, Carl Sternheim,
Wolfgang Weyrauch, Gabriele Wohmann, Christa Wolf, William Butler Yeats sowie literatur-
und gesellschaftswissenschaftliche Titel von Wolfgang Abendroth, Theodor W. Adorno, Paul
A. Baran, Georges Bataille, Emile Durkheim, Norbert Elias, Iring Fetscher, Friedrich
Fürstenberg, Arnold Gehlen, Theodor Geiger, Lucien Goldmann, Bernhard Groethuysen,
Jürgen Habermas, Leo Kofler, Kurt Lenk, Leo Löwenthal, Niklas Luhmann, Georg Lukács,
Otto Kirchheimer, Herbert Marcuse, Georg Herbert Mead, Talcott Parsons, Ernst Topitsch.
Start einer neuen Buchreihe: die "Marbacher Bibliothek"
Die "Marbacher Bibliothek" wurde standesgemäß eröffnet mit einer
Neuausgabe von Schillers "Braut von Messina" in der Bearbeitung von Karl Mickel.
Die "Marbacher Bibliothek" wird in Zukunft die Reihe der "Marbacher
Schriften" ablösen, in einem Format von 10,5 x 17,2 cm, nur bei der Deutschen
Schillergesellschaft erscheinen und vor allem den 4000 Mitgliedern der Gesellschaft
vorbehalten sein. Nur eine kleine Teilauflage von etwa 10 % steht zum freien Verkauf über
die Marbacher Einrichtungen zur Verfügung. Der erste Band kostet DM 36,-.
"Wir vom Archiv" - Serie in der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung"
In einer 26-teiligen Serie stellte die FAZ von August bis September 1997
Handschriften-Fundstücke aus dem Bestand des Deutschen Literaturarchivs in Marbach vor.
Der Zauber einer Handschrift liege - so die FAZ - "zunächst im graphischen Bild
selbst, ein anderes Mal vielleicht in der politischen Andeutung; einmal in der
Fehlleistung und ein anderes Mal in dem Einblick in die literarische Kommunikation"
(FAZ Nr. 185, 12.8.1997, S. 29).
Dokumentiert wurde z. B. eine verschlüsselte Kurzmitteilung Gottfried Benns an den
Heidelberger Indologen Heinrich Zimmer, der kurz zuvor seines Amtes enthoben worden war
(FAZ Nr. 189, 16.8.1997, S. 27). Mit der Formulierung "In Wanderers Gemütsruhe, Ihr
ergebener G. B." verwies Benn auf das Gedicht "Wanderers Gemütsruhe" aus
Goethes "Westöstlichem Divan":
Übers Niederträchtige
Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige.
Was man dir auch sage.
[...]
Wandrer! - Gegen solche Not
Wolltest du dich sträuben?
Wirbelwind und trocknen Kot.
Laß sie drehn und stäuben.
Oder die Notizen von Bernward Vesper aus dem Typoskript seines
autobiographischen Romanessays "Die Reise", eines Fragment gebliebenen Werkes,
in dem Vesper u. a. versucht, sich mit seinem dem Nationalsozialismus verhafteten
Dichtervater Will Vesper auseinanderzusetzen und die schmerzhafte Trennung von seiner Frau
Gudrun Ensslin zu bewältigen.
Oder das letzte Blatt einer Disposition zum Roman "Effi
Briest" von Theodor Fontane, in dem der mittlerweile zum Zitat gewordene Satz des
alten Briest fast wörtlich steht: "... ach Luise, das ist ein weites Feld."